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ESG-Konformität: Der weite Weg zum grünen Investment

Die Finanzindustrie soll grüner werden. Das ist das erklärte Ziel der Politik. Deshalb rüsten Vermögensverwalter und Fondsgesellschaften eilig ihre Produkte um. Leider ist der Anstrich oft grüner als der Inhalt.

23.04.2021 | 07:30 Uhr von «Matthias von Arnim»

Die Erreichung der Klimaziele, wie sie vor einigen Jahren im Pariser Klimaabkommen beschlossen wurden, ist mittlerweile auch in den Fokus der Finanzindustrie gerückt. Das liegt nicht zuletzt an den Vorgaben der Regulierer, vor allem in der Europäischen Union, die mächtig Druck machen beim Thema Nachhaltigkeit. So müssen zum Beispiel Fonds, die in der Europäischen Union zugelassen sind, seit Inkrafttreten der neuen Offenlegungs-VO am 10. März 2021 dokumentieren, wie sie Nachhaltigkeitspräferenzen, Nachhaltigkeitsfaktoren und Nachhaltigkeitsrisiken der Assets in ihren Portfolien bewerten. Insbesondere der Klimaschutz hat hier einen hohen Stellenwert. Fonds werden gemäß ihrer Anlagepolitik in Kategorien eingeteilt. Nur noch Fonds, die die Bedingungen des Artikels 9 der Offenlegungs-Verordnung erfüllen, gelten uneingeschränkt als nachhaltig.

Die Mehrzahl der derzeit angebotenen Fonds sind noch klassische sogenannte Artikel 8-Fonds. Sie fallen nun durchs Raster, wenn Investoren nach nachhaltigen Anlagen suchen. Das ist ein Wettbewerbsnachteil, den viele Fondsgesellschaften für ihre Produkte nicht hinnehmen wollen. Deshalb rüstet die Industrie derzeit kräftig nach. Dieser Trend ist nicht nur in Europa, sondern auch in den USA, die beim Thema Nachhaltiges Investieren derzeit kräftig Gas geben, zu beobachten.

Grünes Gewissen mit schwarzer Lunge

Ein Problem, das immer offensichtlicher wird, ist, dass die Industrie es zwar schafft, vielen ihrer Produkte einen frischen grünen Look zu verpassen, bei der Umsetzung der Nachhaltigkeits-Anforderungen jedoch zum Teil sehr kreativ vorgeht. Das zeigt unter anderem eine aktuelle Untersuchung von Reclaim Finance. Die französische Nichtregierungsorganisation hat die Klimaversprechen von 24 europäischen und fünf US-amerikanischen Vermögensverwaltern analysiert. Die Studie zeigt, dass fast alle der 16 untersuchten Finanzinstitutionen zwar langfristige Klimaziele haben, aber schon beim Ausschluss der besonders klimaschädlichen Kohle-Industrie ihren Ansprüchen nicht gerecht werden. Laut der Analyse tragen insgesamt 23 Billionen Euro der von den Investoren verwalteten Vermögensanteile dazu bei, langfristige Klimaziel zu verfolgen. Dazu zählen zum Beispiel Ankündigungen zur Klimaneutralität. Doch nur 3,4 Billionen Euro – etwa 15 Prozent davon – sind so investiert, dass Anleihen und Aktien von Firmen ausgeschlossen werden, die mit ihrem Geschäft besonders drastisch gegen die Pariser Klimaziele verstoßen.

Ein Problem ist in diesem Zusammenhang der wachsende Anteil passiver Fonds am Gesamtinvestitionsvolumen. Der Bericht legt offen, dass insbesondere große Vermögensverwalter die Klimafolgen, die aus passiven Instrumenten herrühren, nicht angehen. Laut der Studie sind nur drei Prozent der passiven Portfolios der größten Vermögensverwalter von Kohleausschlusskriterien abgedeckt. Zwar sei der Wille zum nachhaltigen Investieren grundsätzlich vorhanden. Es fehle aber die Konsequenz. Als Beleg führt Reclaim Finance etwa die Gründung der Net Zero Asset Managers Initiative (NZAMi) an. Erst im vergangenen Monat waren 13 Vermögensverwalter der NZAMi beigetreten, darunter auch der weltweit größte Vermögensverwalter BlackRock und Europas führender Vermögensverwalter Allianz Global Investors. Sechs der NZAMi-Zeichner haben jedoch grundsätzlich keine Kohleausschlussrichtlinien. Das stehe der Idee der Initiative grundsätzlich entgegen. „Vermögensverwalter haben in den letzten Monaten eine Flut von Klimaneutralitätsversprechen gegeben. Unsere Studie zeigt jedoch, dass diese Ankündigungen wenig mehr als heiße Luft sind“, sagt Lara Cuvelier, Sustainable Investment Campaignerin bei Reclaim Finance. „Dabei ist es ganz einfach: ernst gemeinte Klimaverantwortung ist nicht mit andauernden Investitionen in Kohle kompatibel“, so Cuvelier.

Greenwashing bleibt ein Problem

Gerade in den USA bleibt Greenwashing ein ernsthaftes Problem. „Eine große Zahl bestehender Investmentfonds werden nur zum Anschein und fürs Marketing als grün umgetauft - ohne erkennbare Änderung des Fonds selbst oder der zugrundeliegenden Strategien“, sagt Tariq Fancy. Der Mann muss es wissen. Fancy war bis vor kurzem noch Chief Investment Officer of Sustainable Investing bei BlackRock, dem größten Vermögensverwalter der Welt. Heute gilt Fancy als großer Kritiker der Branche. Er wirft den Vermögensverwaltern vor, dass sie ESG-Produkte verkaufen, in deren Portfolios nach wie vor große Umwelt-Verschmutzer wie Erdölkonzerne oder Fast Fashion-Hersteller vertreten sind. „Es gibt sogar Portfoliomanager, die aktiv ESG-Daten auswerten, um im Namen des Profits gegen umweltverantwortliche Unternehmen zu wetten, also eine Leerverkaufsstrategie gegen Nachhaltigkeit“, so Fancy. Risikomanager konzentrierten sich eher darauf, ihre Anlageportfolios vor möglichen Schäden durch eine Klimaverschlechterung zu schützen, anstatt dazu beizutragen, dass diese Schäden erst gar nicht entstehen.

Als Treiber des Greenwashing-Trends sieht Fancy das steigende Umweltbewusstsein der Anleger. Der Verkauf ESG-konformer Produkte war vor wenigen Jahren noch ein Nischenmarkt. Heute ist es ein profitables Billionen-Geschäft. Allein im letzten Jahr hat sich das Anlagevolumen von ESG-Publikumsfonds und börsengehandelten Fonds fast verdoppelt. Es geht also um viel Geld. Die Versuchung, hier mit wenig Aufwand möglichst gewinnbringend mitzumischen, ist entsprechend hoch. Das hat mittlerweile auch die US-Börsenaufsichtsbehörde SEC bemerkt. Anfang März gab die SEC bekannt, dass sie eine Klima- und ESG-Taskforce einrichtet, um „proaktiv ESG-bezogenes Fehlverhalten“ zu identifizieren, wie zum Beispiel ungenaue oder unvollständige Angaben von Fonds und Unternehmen. Das ist ein beispielloser Schritt, der darauf hindeutet, dass es deutlich mehr Missbräuche geben könnte, die bisher unbehandelt geblieben sind, als derzeit bekannt ist. Und es könnte ein Anstoß dafür sein, dass auch in Europa die Aufsichtsbehörden dem Beispiel der SEC folgen. Ab dem 1. Januar 2022 wird die neue EU-Klimataxonomie als neue Benchmark gültig. Das ist ein wichtiger Schritt. Den Aufsichtsbehörden fehlt allerdings noch ein scharfes Schwert, mit dem sie grobe Verstöße gegen Meldepflichten ernsthaft ahnden können. Deshalb könnte es sich für alle Beteiligten lohnen, die Entwicklung in den USA genau zu verfolgen.

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