AB: Chinas grüne Reformen für schmutzige Branchen schaffen Chancen

AB: Chinas grüne Reformen für schmutzige Branchen schaffen Chancen

Chinas Plan, den Höchstwert der CO2-Emissionen bis 2030 zu erreichen und bis 2060 CO2-neutral zu sein, ist ein sehr ehrgeiziges Ziel. Ausgehend von der lebhaften Aktienkursentwicklung in der Industrie- und Rohstoffbranche hat es den Anschein, dass Chinas grüne Initiativen am Markt gut ankommen.

03.09.2021 | 08:07 Uhr

Obwohl die Industrieländer Klimavereinbarungen skizzieren, ist die Teilnahme Chinas am wichtigsten. Das Land ist der weltweit größte Emittent von Treibhausgasen, stößt doppelt so viel aus wie die USA und ist für etwa ein Drittel der gesamten globalen Emissionen verantwortlich.

Angebotsseitige Reform 2.0

Um die Emissionsziele des Landes zu erreichen, hat Peking seine zweite Version der angebotsseitigen Reform durchgeführt. China wiederholt damit eine ähnliche Strategie wie vor fünf Jahren, als die politischen Bemühungen darauf abzielten, die übermäßige Rohstoffproduktion in Gebieten mit hoher Umweltverschmutzung zu begrenzen.

Chinas Kampf gegen die Umweltverschmutzung ist nicht neu, wohl aber die Wahl der Mittel. Bei der Eröffnungsoffensive zur Bekämpfung der Treibhausgase haben die rohstoffproduzierenden Regionen erneut den ersten Schlag abbekommen. Die Industriestadt Tangshan, die 15 % der Stahlproduktion des Landes und 8 % der weltweiten Stahlproduktion stellt, hat zwischen einem Drittel und der Hälfte ihrer Kapazitäten abgebaut (Abbildung). Die Provinz Innere Mongolei hat bereits alle neuen Projekte für Ferrolegierungen, Aluminium, Tonerde und Polysilizium bis mindestens 2025 ausgesetzt.

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Die Maßnahmen stellen eine Ausweitung einer breit angelegten Kampagne zur Eindämmung der exzessiven CO2-Emissionen dar. Mit der Schließung von Fabriken droht der Verlust von Arbeitsplätzen, was die politischen Herausforderungen verdeutlicht, vor denen Peking steht, wenn es versucht, die Beschäftigung zu erhalten und den Binnenkonsum anzukurbeln. Die Einschränkung der Industrietätigkeit steht jedoch auch im Zusammenhang mit anderen marktwirtschaftlichen Maßnahmen, die Peking umzusetzen hofft.

Zu diesen Maßnahmen gehört die Beschleunigung der Reformen staatlicher Unternehmen (State Owned Enterprises, SOE) durch die Konsolidierung weniger profitabler und schadstoffintensiver Unternehmen. Die Manager der staatlichen Stahl- und Aluminiumunternehmen wurden beauftragt, die CO2-Emissionen bis zum Jahr 2025 zu senken, fünf Jahre früher als im nationalen Plan für 2030 vorgesehen, was den marktgesteuerten Wandel widerspiegelt.

Höhere Stahl- und Aluminiumpreise

Da die Stahl- und Aluminiumproduktion 16 % respektive 5 % der CO2-Emissionen Chinas ausmachen, werden umweltfreundliche Investitionen Präzedenzfälle dafür schaffen, wie Peking mit anderen Branchen mit hoher Energiebelastung umgeht. Langfristige technologische Verbesserungen wie die Herstellung von Stahl in Elektrolichtbogenöfen oder die Aluminiumproduktion mit Wasserkraft verursachen viel weniger CO2-Emissionen als die derzeitigen Verfahren und bieten mittel- und langfristig praktikable wirtschaftliche Lösungen (Abbildung).

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Die unmittelbare Umstellung ist jedoch eine größere Herausforderung, so dass Produktionskürzungen die praktikabelste Option darstellen. In Verbindung mit der Erholung der weltweiten Nachfrage wird die eingeschränkte Produktion von Rohstoffen aufgrund strengerer Emissionsstandards unserer Ansicht nach zu höheren Preisen für die Verbraucher weltweit führen.

Obwohl die steigenden Rohstoffpreise den Erfolg von Pekings Politik unterstreichen, gibt es eine interessante Nebenwirkung: Sie könnten andere politische Herausforderungen mit sich bringen. Peking hat bereits vor Spekulationen mit Rohstoffpreisen gewarnt, da die Politik strategische Reserven freisetzt, um die steigenden Inputkosten für nachgelagerte Hersteller zu senken. Die fundamentalen Faktoren von Angebot und Nachfrage werden jedoch mit der Zeit immer deutlicher zutage treten und die Preise in die Höhe treiben.

Was den Stahl betrifft, so schätzen die chinesischen Hersteller, dass die Kosten für die Einhaltung der niedrigeren CO2-Emissionsstandards zwischen 400 und 600 RMB pro Tonne steigen. Auch die chinesischen Aluminiumhersteller müssen mit höheren Kosten rechnen, wenn internationale CO2-Preisstandards in Kraft treten.

Obwohl die Aluminiumschmelze nur 5 % der CO2-Emissionen in China ausmacht, ist sie der CO2-intensivste Prozess unter den Industriemetallen. Zum Vergleich: Die Stahlproduktion in China erzeugt 1,5 bis 1,8 Tonnen CO2 pro Tonne Hochofen, während die kohlebasierte Aluminiumschmelze 13 Tonnen CO2 pro Tonne Aluminiumbarren ausstößt.

Mit einer Politik der CO2-Zertifikate, die voraussichtlich 2022 für die chinesische Aluminiumindustrie in Kraft treten wird, könnte die Erfüllung der lokalen Standards für die CO2-Bepreisung die Kosten für Aluminium um bis zu 1.300 RMB pro Tonne erhöhen - ein Anstieg von etwa 10 % und das Vierfache der vorgeschlagenen CO2-Grenzsteuer in Europa, wo der Preis für CO2-Zertifikate derzeit bei 55 € pro Tonne liegt.

In Anbetracht der höheren Kosten werden es kleinere Hersteller wahrscheinlich schwer haben, was den größeren Stahl- und Aluminiumherstellern die Möglichkeit gibt, ihren Marktanteil auszubauen. Die vier größten Stahlhersteller Chinas beherrschen zusammen 22 % des nationalen Marktes, viel weniger als die asiatischen Nachbarn und die westlichen Konkurrenten, und wir glauben, dass die Möglichkeit, zusätzliche Marktanteile zu gewinnen, als unmittelbarer Gewinnkatalysator dienen wird.

Chinas CO2-neutrale Agenda 2060 entfaltet sich zu einer Zeit, in der die Anleger mehr auf Nachhaltigkeit achten. Wir glauben, dass die zunehmende Einbindung von Investoren in die Unternehmensführung dazu beitragen könnte, schmutzigere Unternehmen dazu zu bewegen, sauberere und kosteneffizientere Geschäftsmethoden zu fördern. Unserer Ansicht nach wird Chinas Plan zur CO2-Neutralität ein wichtiger Impuls für Stahlunternehmen sein, sich aggressive Ziele zur Reduzierung der CO2-Emissionen zu setzen und in mehr erneuerbare Energiequellen zu investieren, um die Kosten für grüne Energie zu senken.

Während die Drosselung der Industrieproduktion ein Hauptmerkmal der chinesischen Angebotsreform 2.0 sein wird, erwarten wir eine uneinheitliche Umsetzung der Politik, da Peking den wirtschaftlichen Aufschwung mit seinen Umweltbedürfnissen in Einklang bringen muss. Die Zentralbanker werden die Fortschritte genau beobachten, da der potenzielle Anstieg der Rohstoffpreise den Inflationsdruck wahrscheinlich erhöhen wird.

Der laufende Zyklus der Produktionsmodernisierung wird die Nachfrage nach erneuerbaren und sauberen Energieinfrastrukturen ankurbeln, insbesondere im Bereich der Solar- und Windenergieerzeugung. Aktive Fondsmanager können jedoch grüne Anlagestrategien entwickeln, die über das Offensichtliche hinausgehen, indem sie Kapital zu einem früheren Zeitpunkt im politischen Zyklus einsetzen, indem sie auf traditionell starke Verursacher von CO2-Emissionen abzielen, bei denen die ersten Verbesserungen stattfinden werden.

Dies mag wie ein unorthodoxer Ansatz für umweltorientierte Anlagen klingen. Wir sind jedoch der Ansicht, dass attraktiv bewertete Unternehmen, die in der Lage sind, ihre Geschäftsgrundlagen zu verbessern und ihren CO2-Fußabdruck zu minimieren, eine überraschende Quelle von Ertragspotenzial sein können, wenn Chinas Plan zur Klimaneutralität Fahrt aufnimmt.

John Lin ist Portfoliomanager für China Equitiesbeit AllianceBernstein (AB)

Samuel Chen ist Researchanalyst für Asia ex Japan Value Equities für AB

In diesem Dokument zum Ausdruck gebrachte Meinungen stellen keine Analysen, Anlageberatungen oder Handelsempfehlungen dar, spiegeln nicht unbedingt die Ansichten aller Portfoliomanagementteams bei AB wider und können von Zeit zu Zeit überarbeitet werden.

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