Metzler: Ist die Wirtschaftslage besser als die Stimmung?

Edgar Walk, Chefvolkswirt Metzler Asset Management.

Trotz der schlechten Stimmung gebe es erste Anzeichen der Realwirtschaft für eine Stabilisierung der Weltwirtschaft, meint Edgar Walk, Chefvolkswirt Metzler Asset Management.

18.02.2019 | 09:54 Uhr

Regelmäßig führt Sentix eine auf den Ideen des Behavioral Finance basierende Kapitalmarktumfrage durch. Beim Blick auf die Entwicklung der von sentix erhobenen Anlegererwartungen zur Bankenbranche werden unweigerlich Erinnerungen an die große Finanzkrise 2008 wach. So haben nicht nur die Aktienkurse der europäischen Banken im Jahr 2018 fast ähnlich stark gelitten wie damals, auch die von sentix gemessene Stimmung für den Sektor ist ähnlich depressiv. Viel schlechter kann sie laut sentix kaum noch werden.

Darüber hinaus zeigt die „Flow“-Analyse von BofA Merrill Lynch, dass die Anleger in der vergangenen Woche Gelder aus Aktienfonds abgezogen haben – vor allem aus europäischen Aktienfonds. Diese erlitten mit einer Größenordnung von etwa 6 Mrd. USD innerhalb einer Woche den zweitgrößten Abfluss seit mehr als sieben Jahren. BofA Merrill Lynch interpretiert dies als ein konträres Signal, da schon so viele Gelder abgezogen wurden, dass in den kommenden Wochen kaum noch Verkaufsdruck bestehen dürfte.

Erste zarte Pflänzchen besserer Konjunkturdaten

Laut Bundesamt für Statistik stiegen die Investitions- und Staatsausgaben im vierten Quartal merklich, die Konsumausgaben gering, und der Wachstumsbeitrag vom Außenhandel war neutral. Daraus lässt sich automatisch ableiten, dass deutsche Unternehmen im vierten Quartal in einem erheblichen Umfang Lagerbestände abgebaut haben, sodass das Wirtschaftswachstum (Freitag) nur stagniert haben dürfte. Sollten im ersten Quartal 2019 die Lagerbestände stabil bleiben, würde aufgrund der Berechnungsmethode für das Wirtschaftswachstum allein daraus schon ein großer positiver Wachstumsbeitrag resultieren. Es gibt somit Chancen, dass sich die „harten“ Daten aus Deutschland und Europa verbessern.

Die Exportdaten aus China, Korea und Taiwan gehören immer zu den ersten „harten“ globalen Konjunkturdaten eines jeden Monats, die zudem noch wichtige Signale für den globalen Investitionszyklus liefern. Im Januar überraschten sie in allen drei Ländern positiv und lieferten damit vielleicht schon ein erstes Signal für eine Stabilisierung des globalen Wirtschaftswachstums.

In den USA sanken die Einzelhandelsumsätze im Dezember zwar kräftig, die Einzelhändler stellten jedoch schon im Januar wieder 21.000 neue Mitarbeiter ein (ohne eine wieder steigende Konsumnachfrage keine neuen Mitarbeiter). Der übergeordnete Konsumtrend in den USA scheint somit weiterhin intakt zu sein. Verantwortlich für die Konsumschwäche im Dezember könnte somit überwiegend der „Government Shutdown“ gewesen sein. Laut einer Umfrage der US-Notenbank wären etwa 41 % aller US-Haushalte im Jahr 2017 aufgrund fehlender Ersparnisse nicht in der Lage gewesen, unerwartete Mehrausgaben von 400 US-Dollar zu stemmen. Etwa knapp die Hälfte der US-Bürger lebt somit von der Hand in den Mund. Unklar ist jedoch, ob der Grund dafür ein unverantwortliches Konsumverhalten ist oder die ungleiche Einkommensverteilung.

USA: Erwartungen für Zinspolitik der US-Notenbank auf dem Prüfstand

Das Protokoll der vergangenen US-Notenbanksitzung (Mittwoch) dürfte in der kommenden Woche stark im Fokus stehen, da die Finanzmarktakteure in den vergangenen Wochen ihre Erwartungen an die US-Zinspolitik erheblich angepasst haben. Noch Anfang November wurde mit einer Wahrscheinlichkeit von über 90 % mit mindestens einer Leitzinserhöhung in diesem Jahr gerechnet. Derzeit liegt die Wahrscheinlichkeit nur noch bei etwa 3 %. Im Gegensatz dazu erwarten die Finanzmarktakteure mit einer Wahrscheinlichkeit von knapp 15 % für 2019 eine Leitzinssenkung. Sollten die Konjunkturdaten wie der NAHB-Index (Dienstag), der Philadelphia Fed Index (Donnerstag), die Auftragseingänge (Donnerstag) sowie die Einkaufsmanagerindizes (Donnerstag) ein anhaltend ordentliches Wirtschaftswachstum signalisieren, könnten sich die derzeitigen Leitzinserwartungen schnell als übertrieben erweisen.

Eurozone: Chancen auf eine etwas weniger schlechte Stimmung

Sollte sich die Wirtschaftslage tatsächlich wieder etwas bessern, bestehen Chancen, dass sich auch die sehr schlechte Stimmung in der Eurozone aufhellen könnte. Der ZEW-Index (Dienstag), die Einkaufsmanagerindizes (Donnerstag) und der ifo-Index (Freitag) werden hierfür wichtige Signale liefern. Grundsätzlich dürfte die europäische Wirtschaft in den kommenden Monaten etwas Unterstützung von den seit Oktober gefallenen Rohölpreisen und einer leicht expansiv werdenden Fiskalpolitik erhalten.

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