Capital Group: Ausblick für Aktien: Zeit für Allwetter-Anlagen

Sturmwolken am Konjunkturhimmel verdunkeln die globalen Wachstumsaussichten, und Anleger sollten ihre Portfolios auf eine anhaltende Marktvolatilität vorbereiten.

01.07.2022 | 07:57 Uhr

Machtvolle Entwicklungen haben die großen Volkswirtschaften der Welt wieder dorthin zurückgeworfen, wo sie kurz vor der Pandemie standen: mitten in die spätzyklische Konjunkturphase. „Das Umfeld verändert sich rasant, und es hat sich ein starker Gegenwind gebildet“, so US-Ökonom Jared Franz.

Auch wenn gelegentlich ein Lichtstrahl durch die Wolken fällt, sind die Risiken offenkundig. Die Inflation ist erhöht und der Preisdruck nimmt zu, sodass die US-Notenbank und andere wichtige Zentralbanken an ihren Zinserhöhungen festhalten. Lieferkettenunterbrechungen und steigende Kosten ziehen das Gewinnwachstum der Unternehmen in Mitleidenschaft. Der geopolitische Druck durch den Krieg in der Ukraine und die COVID-Lockdowns in China verschärft diese Risiken noch weiter.

Was bedeutet das für die Anleger? „Späte Zyklen sind keine Vorboten der Rezession, weisen aber darauf hin, dass die Wirtschaft derzeit schlechter in der Lage ist, sich von Schocks zu erholen“, so Franz. „Ich denke daher, dass dies eine Zeit für Allwetter-Portfolios ist, die einer Vielzahl von Risiken standhalten können.“

Für den Rest des Jahres 2022 und darüber hinaus sollten für Aktienanlagen drei Themen berücksichtigt werden:

1 Steigende Dividenden können der Inflation entgegenwirken

Wenn die Volatilität am Markt zunimmt, ist langweilig schön. Aus diesem Grund bieten viele Dividenden ausschüttende Aktien heute attraktive, wenn auch langweilige und solide Anlagemöglichkeiten.

In der Tat erkennen die Anleger allmählich, wie wichtig Dividendenanlagen sind. Als die Märkte in der ersten Jahreshälfte aus Angst vor einer Wachstumsverlangsamung und steigender Inflation einbrachen, verlagerten die Anleger ihre Aufmerksamkeit von den schnell wachsenden Technologieunternehmen mit ihren erhöhten Bewertungen auf moderater bewertete Dividenden ausschüttende Unternehmen. Bis dato (Stand: 31. Mai) haben die Dividendenzahler im Jahr 2022 den allgemeinen Markt deutlich übertroffen.

Die Dividendenzahlungen sind im Jahr 2021 weltweit um 20 % auf 1,9 Bio. USD gestiegen

Von Unternehmen im MSCI ACWI in den letzten 12 Monaten gezahlte Dividenden (in Mrd. USD)

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Nach einigen Jahren der pandemiebedingten Kürzungen und Aussetzungen erleben Dividenden ein Comeback. In den zwölf Monaten zum 31. Mai 2022 schütteten Unternehmen gemessen am MSCI ACWI (All Country World Index) weltweit beachtliche 1,9 Bio. USD aus. Dies entspricht einem Anstieg von 20 % gegenüber den vorangegangenen zwölf Monaten.

"„Heute sehe ich keinen Mangel an Möglichkeiten, in Unternehmen zu investieren, die Dividendenzahlungen wieder aufnehmen und sogar erhöhen“, sagt die Aktienportfoliomanagerin Diana Wagner. „Da die Gewinnmargen in letzter Zeit beinahe Höchststände erreicht haben, können die Unternehmen trotz des Inflationsdrucks ihre Dividenden erhöhen.“"

Unternehmen mit nachgewiesenem Dividendenwachstum können bei steigender Inflation dazu beitragen, die Anlagerendite zu steigern. „Zusagen bezüglich steigender Dividenden sind ein wichtiges Signal dafür, ob das Management Vertrauen in das künftige Gewinnwachstumspotenzial ihres Unternehmens hat“, ergänzt Aktienportfoliomanagerin Caroline Randall.

Unternehmen, die steigende Dividenden zahlen, finden sich unter anderem in den Sektoren Finanzen, Energie, Grundstoffe und im Gesundheitswesen.

2. Innovation im US-Gesundheitswesen erfreut sich bester Gesundheit

Zu Anfang der COVID-Pandemie stand die Gesundheitsbranche im Mittelpunkt der globalen Aufmerksamkeit, da mehrere Unternehmen in Rekordzeit Impfstoffe produzierten. Allerdings übersehen Beobachter heute möglicherweise einen wichtigen Aspekt in diesem unsicheren Umfeld: Unternehmen des Gesundheitswesens scheinen im Vergleich zum breiteren globalen Aktienmarkt und ihrer eigenen Geschichte attraktiv bewertet zu sein.

„Einige Marktführer sind angesichts der Wachstumsaussichten ihrer Pipelines besonders attraktiv“, sagt Portfoliomanager Alan Wilson. Im gesamten Sektor transformieren Arzneimittelentwickler, Hersteller von Medizinprodukten und Gesundheitsdienstleister das Gesundheitswesen und verbessern die Behandlungsergebnisse für Patienten.

„Die Wirkstoffentdeckung befindet sich in einem goldenen Zeitalter, was ohne die Kombination aus effizienter genetischer Sequenzierung, Rechenleistung zur Analyse massiver Datensätze und präzisen biochemischen Werkzeugen nicht möglich wäre. Zu den jüngsten Entwicklungen gehören Antikörper-Wirkstoff-Konjugate (ADC), die das Immunsystem befähigen, Krebszellen anzugreifen aber gesunde Zellen unversehrt zu lassen.“ Der globale Markt für entsprechende Therapien wird voraussichtlich von 3,18 Milliarden USD im Jahr 2020 auf 20,01 Milliarden USD im Jahr 2028 wachsen.

Beispiele für Unternehmen, die diese Chance nutzen wollen, sind die Pioniere auf dem Gebiet der Onkologie Bristol Myers Squibb, Merck und Roche, die ADCs zur Bekämpfung verschiedener Tumore entwickeln. Natürlich wird nicht jedes ADC ein Erfolg sein; daher ist es für selektive Anleger unerlässlich, sowohl sowohl die Wissenschaft als auch die geschäftlichen Möglichkeiten zu verstehen.

Unternehmen aus dem Gesundheitswesen sind im Vergleich zum breiteren Markt unterbewertet

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3. Technologieaktien sind insgesamt rückläufig, aber das Wachstum im Cloud-Bereich ist extrem hoch

Schnell wachsende Technologieunternehmen befanden sich in der ersten Jahreshälfte 2022 im Auge des Sturms, und viele von ihnen verzeichneten einen drastischen Rückgang, je näher die Marktkorrektur rückte.

Geduldige und langfristig orientierte Anleger sollten sich jedoch davon nicht entmutigen lassen, meint Aktienportfoliomanager Chris Buchbinder. „Steigende Zinsen und Inflation haben sicherlich die längerfristigen Gewinnaussichten vieler Unternehmen eingetrübt“, erklärt Buchbinder. „Aber es gibt auch gut geführte Softwareunternehmen in schnell wachsenden Segmenten mit günstigen Aussichten.“

Das Geschäft für Cloud-Dienste verzeichnet beispielsweise ein schnelles Wachstum, da die Unternehmen ihre herkömmlichen IT-Funktionen in die Cloud verlagern. „Vor einigen Jahren, als Amazon Web Services eingeführt wurde, war dies wirklich ein neues Geschäftssegment“, sagt Buchbinder. „Aus meiner Sicht stehen wir immer noch am Anfang der Digitalisierung, auch wenn sie inzwischen nichts Neues mehr ist.“

Microsoft war zwar nicht der erste Anbieter auf diesem Markt, hat aber dank stabiler Geschäftsbeziehungen aus der Vergangenheit eine größere Umsatzbasis im Cloud-Bereich aufgebaut als AWS und Google Cloud. Per April 2022 verzeichnete der Geschäftsbereich Cloud-Dienste von Microsoft ein Quartalswachstum von 32 % gegenüber dem Vorjahr und ist damit auf dem Weg zu einem Jahresumsatz von fast 100 Milliarden USD. „Es gibt keine Gewissheit, dass alle Cloud-Unternehmen ein Gewinnwachstum realisieren werden, das hohe Bewertungen rechtfertigt“, so Buchbinder. „Aus diesem Grund ist eine selektive Anlage auf der Grundlage von Fundamentalanalysen von entscheidender Bedeutung.“

Obwohl die Märkte verunsichert sind, bleiben die Umsätze im Cloud-Bereich hoch

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Das Fazit für die Anleger: Nicht das Gleichgewicht verlieren

Bei nachlassendem Wachstum und zunehmenden Risiken ist ein ausgewogenes, diversifiziertes Allwetter-Portfolio besonders wichtig. Aktien, die steigende Dividenden ausschütten, können die Volatilität dämpfen und der Inflation ebenso entgegenwirken, wie Unternehmen mit Preismacht. Auf der anderen Seite haben einige ausgewählte Digitalunternehmen ihre Cloud-Umsätze gesteigert, auch wenn Technologieaktien generell angeschlagen sind.

„In diesem Umfeld mit langsamem Wachstum und Inflation werde ich nach Unternehmen suchen, die aus eigener Kraft wachsen können“, folgert Wagner. „Dazu könnten einige traditionelle Hersteller materieller Dinge gehören, aber auch einige führende digitale Unternehmen.“

Jared Franz ist Ökonom mit 15 Jahren Branchenerfahrung. Er hat an der University of Illinois in Chicago in Wirtschaftswissenschaften promoviert und einen Bachelorabschluss in Mathematik an der Northwestern University erworben.

Diana Wagner ist eine Aktienportfoliomanagerin mit 23 Jahren Anlageerfahrung. Sie besitzt einen MBA von der Columbia Business School und einen Bachelor-Abschluss in Kunstgeschichte von der Yale University.

Chris Buchbinder ist Aktienportfoliomanager und hat 25 Jahre Investmenterfahrung. Er hat einen Bachelor-Abschluss in Wirtschaftswissenschaften und internationalen Beziehungen der Brown University.

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