Capital Group Ausblick 2022: Steigende Zinsen sind kein Grund zur Anleihen-Panik

Capital Group Ausblick 2022: Steigende Zinsen sind kein Grund zur Anleihen-Panik

Der Ton macht die Musik, das gilt auch bei Zinserhöhungen. Diese Meinung vertritt Matthias Mohr, Managing Director Financial Intermediaries Deutschland & Österreich bei Capital Group. Es sei zwar verständlich, dass viele Anleger angesichts der bevorstehenden Zinserhöhungen in den USA nervös würden:

26.01.2022 | 11:24 Uhr

„Die US-Notenbank Fed kommuniziert jedoch offen und möchte die Märkte nicht irritieren." Das würde für maßvolle Zinserhöhungen sprechen. Die langfristigen Anleihenrenditen würden ohnehin nur mäßig steigen, da nicht amerikanische Investoren und Pensionsfonds noch immer stark investieren würden.

Anleihen behalten ihre wichtige Funktion

Für Beruhigung könnte auch der Blick in die Vergangenheit sorgen. In den letzten sieben Erhöhungszyklen sei der Bloomberg US Aggregate Index nur zweimal gefallen, im Schnitt lag er um vier Prozent im Plus. Auch die beiden Verlustphasen seien mit ihren niedrigen einstelligen Einbußen weit von den bei Aktien üblichen zweitstelligen Korrekturen entfernt gewesen. Mohrs Schluss: „Anleihen haben in einem ausgewogenen Portfolio eine wichtige Funktion, da sie die Aktienpositionen diversifizieren können.“

Unsicherheitsfaktoren wie ein schwächeres Weltwirtschaftswachstum, die unklare Entwicklung der Pandemie und eine schwächere Konjunktur in China könnten jedoch für Volatilität sorgen. Doch es gebe Schutzmechanismen: „Aktive Anleihe-Investoren sollten sich dann für kürzer laufende Titel entscheiden, die sich bei steigenden Zinsen recht gut halten,“ rät Mohr. Bei einer höheren Teuerung könnten auch inflationsindexierte Titel interessant sein.

High-Yield-Anleihen können der Schlüssel sein

Günstig bewertete Anleihen sind nach Mohrs Beobachtung zurzeit ein knappes Gut. Der Grund: Wegen der anhaltend niedrigen Renditen gehen ertragshungrige Investoren immer höhere Risiken ein. Doch auch wenn die Spreads – also die Risikoprämien gegenüber sicheren Staatsanleihen – sehr klein seien, könne man mit einem researchorientierten Ansatz noch interessante Sektoren und Einzelwerte finden.

Wer steigende Zinsen befürchtet, solle demnach möglicherweise in High-Yield investieren, da die Duration – also die Zinssensitivität – hier niedriger sei als bei Investmentgradeanleihen, deren Duration seit Jahren gestiegen sei. Auch die Kreditqualität der amerikanischen High-Yield-Anleihen hätte sich verbessert. „Der Anteil von Titeln mit einem BB-Rating, dem besten Rating unterhalb von Investmentgrade, ist zuletzt gestiegen,“ so Mohr. Allerdings sei das Kreditrisiko höher als bei Investmentgrade-Titeln, sodass sich High Yield vielleicht nicht zur Diversifikation von Aktienpositionen eignen würde.

Auch bei Investmentgrade-Anleihen gilt: wählerisch sein

Auch internationale Unternehmensanleihen sind laut Mohr weiterhin alles andere als risikofrei. Den hohen Bewertungen, der hohen Inflation und dem vielleicht nachlassenden Weltwirtschaftswachstum stünden aber eine bessere Kreditqualität und eine gute Markttechnik gegenüber. „Zuletzt haben sich die Spreads ausgeweitet, weil man mit einer strafferen Geldpolitik und damit mit höheren Kreditrisiken rechnete,“ erläutert Mohr. „Trotzdem sind Unternehmensanleihen nach der starken Erholung seit dem Markteinbruch im März 2020 noch immer teuer.“

Da die Fed allmählich ihre Anleihenkäufe beende und der erste Zinsschritt im Jahr 2022 näher rücke, könnte kurzfristige Volatilität die Folge sein. Allerdings würden sich die Fundamentaldaten der Investmentgrade-Emittenten weiter verbessern, die Verschuldungsgrade fallen und die Zinsdeckungsgrade steigen. Darüber hinaus würden die Mittelzuflüsse nach wie vor für stabile Spreads sprechen. „Man sollte trotzdem nicht zu sorglos werden,“ resümiert Mohr. „Sondern mit Überlegung und Vorsicht ausgewählte Kreditrisiken eingehen. Manche Marktsegmente und Emittenten sind noch immer attraktiv.“

Ein fundamentaler Einzelwertansatz mit weltweiter Diversifikation könne Mehrwert schaffen. Auch Einzelwert- und Sektorauswahl könnten in Zukunft der Schlüssel zum Erfolg sein.

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