Capital Group Ausblick 2021: Digitalisierungsstrategien als Erfolgsrezept

Capital Group Ausblick 2021: Digitalisierungsstrategien als Erfolgsrezept

Die Corona-Pandemie hält die Welt in Atem und beeinflusst etliche Branchen massiv. Dennoch erholt sich die Weltwirtschaft allmählich und Anleger suchen aufgrund der anhaltenden Niedrigzinsen nach Ertragschancen auf dem Aktienmarkt.

13.01.2021 | 10:47 Uhr

Welche Branchen im Jahr 2021 interessant für Aktieninvestoren werden dürften und wieso, analysieren Experten der Capital Group.

Digitalisierungsstrategien als Wachstumstreiber

Eine erfolgreiche Digitalstrategie sei schon vor Ausbruch des Coronavirus wichtig gewesen. Doch heute hängten Unternehmen mit einem flexiblen und effizienten Onlinegeschäft ihre Wettbewerber um Längen ab. Sie sorgten für einen grundlegenden Wandel und verdrängten die Platzhirsche der Old Economy. „Schon vor Corona zeichneten sich diese Entwicklungen ab, aber die Pandemie hat sie stark beschleunigt“, sagt Chris Buchbinder, Portfoliomanager bei Capital Group. Die Digitalisierung treffe viele Sektoren, vom Einzelhandel, der Unterhaltungsbranche, Werbung und dem Zahlungsverkehr bis hin zur Fitnessbranche. „Im Abschwung sind die führenden Digitalunternehmen enorm gewachsen, und ich rechne damit, dass sie ihre Stellung halten werden. Nach der Pandemie könnte das Wachstum zwar nachlassen, es ist jedoch nicht davon auszugehen, dass die Menschen ihre Netflix-Abonnements kündigen oder ihre Heimtrainer zurückgeben.“

Konnektivität als Treiber der Medizintechnik

Auch die Medizintechnik habe den Experten von Capital Group zufolge beeindruckende Fortschritte gemacht. Das veränderte Verbraucherverhalten sorge für eine bessere Patientenbetreuung, niedrigere Behandlungskosten und weitere spannende Möglichkeiten für Unternehmen. „Nie waren die Zeiten für den Gesundheitssektor spannender“, so Rich Wolf, Aktienportfoliomanager bei Capital Group. „Telemedizin ist nicht neu, aber erst COVID-19 und die Lockerung der Vorschriften sorgten für echtes Wachstum.“ Auch im Telemonitoring, mit dessen Hilfe Ärzte die Gesundheit ihrer Patienten aus der Distanz überwachen könnten, gäbe es Fortschritte. „Die Entwicklung kostengünstiger Geräte, die Gesundheitsparameter übermitteln oder Patienten beim Umgang mit Krankheiten helfen, hat gerade erst begonnen“, so Wolf. „Es gibt große Chancen für Unternehmen, von der Konnektivität bis zum Datenmanagement.“ Unternehmen, die den wachsenden Bedarf decken könnten, seien unter anderem DexCom, ResMed, Insulet, Tandem, iRhythm und Abbott Laboratories. Teladoc und UnitedHealth deckten Telemedizinleistungen ab.

Innovation aus den Emerging Markets

In den Schwellenländern sowie Japan sei die beschleunigte Digitalisierung im Zuge der Pandemie ebenfalls verstärkt angekommen. So plane der neu gewählte japanische Premierminister Yoshihide Suga die Digitalisierung zu einem der wesentlichen Teile seines Reformprogramms zu machen. In vielen Schwellenländern habe etwa die Nutzung von digitalen Zahlungen deutlich zugenommen. Zahlungen via Handy seien hier sehr viel häufiger als traditionelle Kartenzahlung. Zahlungsplattformen wie Yeahka aus China oder StoneCo aus Brasilien erlebten ein deutliches Wachstum. „Ich glaube, dass digitale Zahlungen in zehn Jahren der Normalfall sein werden und man schief angesehen wird, wenn man mit Bargeld zahlen will“, sagt Jody Jonsson, Aktienportfoliomanagerin bei Capital Group. Davon dürften sowohl amerikanische Multinationals wie Mastercard oder PayPal profitieren als auch innovative Unternehmen aus den Emerging Markets. Dort entstünden derzeit immer mehr Unternehmen, die sich moderne Technologien zu Nutze machten und neben digitalen Zahlungen auch in den Bereichen E-Commerce, Gaming und Biotechnologie tätig seien.

Nachholholbedarf dürfte Reisebranche beflügeln

Allerdings könnten auch weniger digital basierte Branchen glänzen – so zum Beispiel die derzeit stark gebeutelte Reisebranche. Todd Saligman, Aktienanalyst bei Capital Group glaubt, dass sich die Nachfrage nach Flugreisen und selbst nach Kreuzfahrten erholen werde. Ein Grund hierfür sei der Nachholbedarf der Menschen. „Die Branche hat eine wirklich schlechte Presse, und doch buchen die Menschen für 2021 teurere Kreuzfahrten als 2019. Das zeigt, wie groß der Nachholbedarf ist“, so Saligman. „Ich denke, es wird sehr schnell gehen, sobald wir einen Impfstoff haben. Nach dem 11. September war es ähnlich. Viele glaubten, die Menschen würden nie wieder fliegen, aber die Luftfahrt hat sich recht schnell erholt.“ In China, wo COVID-19 weitgehend unter Kontrolle sei, hätte der Inlandsflugverkehr beispielsweise schon fast wieder sein altes Niveau erreicht.

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