
Man hat selten Gelegenheit, vor dem US-Kongress zu sprechen. Deshalb nutzte Jody Jonsson, Vice Chair bei Capital Group, die Chance, ihre Sicht einer möglichen Anpassung der Politik an die Veränderungen der Marktbedingungen bei den Gesetzgebern der USA vorzustellen.
26.08.2026 | 05:00 Uhr
Vor dem House Financial Services Subcommittee on Capital Markets
appellierte sie an die Mitglieder des US-Kongresses, Investoren ihre
Entscheidungsfreiheiten zu lassen, und sprach darüber, wie wichtig
aktives Management für das reibungslose Funktionieren von Kapitalmärkten
ist. Der Ausschuss wollte wissen, ob die aktuelle Politik zu den
Neuerungen am Markt, wie den kürzlich eingeführten Trump Accounts,
sinnvoll ist. Dabei handelt es sich um Ansparkonten für den Ruhestand,
deren Mittel in kostengünstige US-Aktienindexfonds investiert werden
müssen.
Jonssons Stellungnahme war das Ergebnis jahrelanger Arbeit und des
Beziehungsaufbaus bei Gesetzgebern, deren Mitarbeitern und
Regulierungsbehörden. Capital Group steht im regelmäßigen Austausch mit
Vertretern der Gesetzgebung, um zur Stärkung der Kapitalmärkte, zu
Kostensenkungen, zum Abbau von Reibungspunkten und zur Weiterentwicklung
von Regulierungen beizutragen, sodass sie für Investoren und ihre
Berater sinnvoll bleiben.
„Wir wollen vor allem politische Rahmenbedingungen schaffen, die
Investoren bestmögliche Ergebnisse sichern“, sagt Reagan Anderson,
Senior Vice President für Regierungs- und Regulierungsangelegenheiten.
"Uns ist wichtig, dass sich Gesetzgeber bei Fragen zum aktiven
Management an uns wenden", sagt Anderson. "Seit Jahren bauen wir
Beziehungen zu Kongressabgeordneten auf und informieren sie über die
Sichtweise von Investoren zu Themen, die Altersvorsorge und langfristige
Anlageergebnisse betreffen, und wir stellen sicher, dass sie wissen,
wie viele Investoren und Berater wir in ihren Wahlkreisen vertreten."
Diese vier Marktperspektiven hat Jody Jonsson dem Kongress vorgestellt:
Investoren verfolgen unterschiedliche Ziele und befinden sich in
verschiedenen Lebensphasen. Die Politik sollte ihnen die Freiheit lassen
zu entscheiden, welcher Ansatz für sie selbst der Beste ist. Deshalb
braucht man heute sowohl aktive als auch passive Strategien.
„Kein einzelner Investmentansatz, kein Produkt und keine Strategie
zur Sicherung der Finanzierung des Ruhestands ist für jeden
gleichermaßen geeignet“, sagte Jonsson den Kongressmitgliedern. „Deshalb
brauchen Investoren Zugang zu vielen verschiedenen Investmentlösungen,
darunter aktive und passive Strategien sowie Kombinationen aus beidem.“
Diese Diskussion fällt in eine Zeit mit einem steigenden Anteil passiver Strategien am Gesamtmarkt, einem aktiveren Handel und wachsender Marktkonzentration – mit Folgen für Investoren. In den letzten 20 Jahren ist der Anteil passiver Strategien auf etwa zwei Drittel des gesamten in den USA verwalteten Vermögens gestiegen.

Jonsson nannte Target-Date-Fonds als Beispiel für Anlagen, die
Investoren die gewünschte Entscheidungsfreiheit lassen. Vor 20 Jahren
wurden sie in den USA zu Standardanlagen für Altersvorsorgepläne.
Seitdem sind eine Vielzahl von Strategien entstanden, die auf die
Anlagehorizonte und die Risikobereitschaft der Anleger zugeschnitten
sind. „Einige von ihnen werden passiv gemanagt, einige aktiv und einige
sind eine Kombination aus beidem“, sagt Jonsson.
Sie wies darauf hin, dass die Trump Accounts zwar vielversprechend
sind, zurzeit aber ausschließlich auf passive Anlagen beschränkt.
„Ähnlich wie bei Target-Date-Fonds könnten Anleger auch hier stärker
profitieren, wenn das Vermögen sowohl passiv als auch aktiv angelegt
werden könnte.“
Ein allgemeiner Irrglaube ist, dass passive Anlagen sicherer seien
als aktive. Passives Investieren mag kostengünstiger sein. Im
Durchschnitt sind die Kosten niedriger, aber niedrigere Gebühren
bedeuten nicht zwangsläufig bessere Ergebnisse.
So fällt beispielsweise ein passiver Fonds bei einem Marktrückgang
genauso stark wie der Markt selbst. Während der Technologie- und
Telekommunikationsblase im Jahr 2000 und der internationalen Finanzkrise
2008 verloren passive Anlagen genauso viel wie diese Märkte. „Passiv
bedeutet, dass man keine aktiven Risiken eingeht. Es geht nicht nur um
die Einzelwertauswahl“, sagte Jonsson dem Ausschuss.
Tatsächlich haben sogar einige Risiken durch den Anstieg des passiv gemanagten Vermögens zugenommen. Passive Strategien investieren, sobald sie Mittelzuflüsse erhalten. Deshalb bilden sie in der Regel die Marktzyklen exakt ab. Sie folgen den Märkten in Aufschwüngen und in Abschwüngen bis auf den höchsten und niedrigsten Stand und investieren aufgrund ihrer Struktur entsprechend den Indexgewichtungen. Das bedeutet, dass Anleger möglicherweise genau dann am meisten in Unternehmen investieren, wenn diese besonders hoch bewertet sind. Heute haben die zehn größten Unternehmen im S&P 500 fast 40% Anteil am Index. Das war zuletzt Mitte der 1960er-Jahre der Fall.

Anders als passive Strategien können aktive Manager Portfolios an
Veränderungen der Marktbedingungen anpassen, um Verluste bei fallenden
Märkten zu mindern.
„Das Argument für passives Investieren sind die Kosten, nicht die
Risiken“, sagte Jonsson in ihrem Vortrag. „Wer das durcheinander bringt,
kann Anleger hinsichtlich des Produkts, das sie erwerben, in die Irre
führen. Für Investoren zählt vor allem die Wertschöpfung: der
Gesamtertrag nach Abzug von Gebühren.“
Aktives Investieren spielt eine wichtige Rolle für das Funktionieren
der Märkte. Erstens leisten aktive Manager einen entscheidenden Beitrag
bei der Preisfindung, also dem Prozess, bei dem die Informationen zu
einem bestimmten Zeitpunkt in die Kurse einfließen. Weil aktive Manager
ihre Kauf- und Verkaufsentscheidungen auf Grundlage ihrer Einschätzung
der Aussichten, Risiken und Bewertung eines Unternehmens treffen, tragen
sie dazu bei, dass die Märkte die tatsächlichen wirtschaftlichen
Gegebenheiten widerspiegeln.
„Dieser Prozess verbessert die Markteffizienz und verringert
Fehlbewertungen“, so Jonsson. Wenn weniger Manager an der Preisfindung
beteiligt sind, also Unternehmen auf Basis ihrer Fundamentaldaten
bewerten, können die Märkte stärker von kurzfristigen Entwicklungen
beeinflusst werden. „Aktives Management ist nicht nur Teil des
Finanzsystems, sondern ein maßgeblicher Faktor dafür, dass das System
funktioniert“, betonte sie.
Zudem kann aktives Management dazu beitragen, dass Kapital in die
Unternehmen fließt, die Wirtschaftswachstum, Innovationen und die
Schaffung neuer Stellen vorantreiben.
Jonsson unterstrich auch die wichtige Rolle von Finanzberatern. Sie
unterstützen Investoren in unsicheren Zeiten, kennen die Optionen und
haben immer die langfristigen Ziele im Blick.
In volatilen Marktphasen können Berater Investoren helfen, rational zu bleiben und vorschnelle Entscheidungen zu vermeiden, die ihre langfristigen Anlageziele gefährden könnten.

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