
Als SpaceX im Frühjahr an die Börse ging – nur wenige Wochen, nachdem die NASA vier Astronauten auf die dunkle Seite des Mondes geschickt hatte –, kannte die Begeisterung der Investoren für das Weltall keine Grenzen mehr.
07.10.2026 | 07:18 Uhr
Wie es seine Art ist, fachte der SpaceX-CEO Elon Musk diese Begeisterung an und erklärte, dass SpaceX eines Tages Privatpersonen zum Mond, zum Mars und noch weiter hinaus befördern werde. Der Börsengang war der größte aller Zeiten. Davon träumend, in einer allzu fernen Galaxie – oder zumindest außerhalb der Erdatmosphäre – Geld zu verdienen, schossen Investoren viel Kapital in zahlreiche ETFs mit Weltraumbezug.
Verständlicherweise zweifeln Skeptiker am Mars-Tourismus,
aber die Weltraumwirtschaft ist kein mentaler Trick der Jedi-Ritter. Schon
jetzt bietet sie konkrete Chancen für kluge Investoren.
„Das als Science-Fiction abzutun, wäre ein Fehler“, sagt Aktienportfoliomanager
Michael Beckwith. „Weil es immer billiger wird, in den Orbit zu gelangen,
expandieren einige Unternehmen und ebnen den Weg für Dinge, die noch vor
wenigen Jahren unvorstellbar waren. Einige werden schnell Realität, andere
brauchen viel länger.“
Für Investoren stellt sich die Frage, wie man zwischen Fantasien und realen Chancen unterscheidet, die Mehrwert versprechen, bevor der Halleysche Komet das nächste Mal an der Erde vorüberfliegt.
Hier sind sechs interessante Möglichkeiten, in die
Weltraumwirtschaft zu investieren.
1. Der Weltraum ist nicht ein Markt, sondern viele
Der Weltraum ist kein einziger großer Markt, sondern eine Ansammlung bereits bestehender und möglicher künftiger Märkte.
Der Schlüssel zu diesen Chancen im Weltraum ist ein Raumfahrt-Ökosystem, das mit der Herstellung von Raketen und ihren Starts anfängt, aber auch Bodeninfrastruktur und Satellitenentwicklung umfasst. Diese Infrastruktur öffnet die Tür für andere Unternehmen aus Bereichen wie Satellitenkommunikation, Erdbeobachtung, Logistik, Navigation und Verteidigungssystemen.
„Die größten Umsatzchancen finden sich bei diesen nachgelagerten Unternehmen, nicht bei den Starts von Raketen und Raumschiffen“, erklärt Aktienanalyst Andrei Muresianu, der US-Unternehmen aus den Sektoren Telekommunikation, Kabelfernsehen und Medien beobachtet.
Weitere Kostensenkungen bei Raketenstarts ermöglichen auch andere Geschäftsideen, beispielsweise das Aufstellen von KI-Rechenzentren im Weltall, was schon in den nächsten fünf bis zehn Jahren Realität werden könnte. Langfristig untersuchen Unternehmen die Umsetzbarkeit einer Fertigung in der Schwerelosigkeit, von Weltraumreisen sowie Bergbau im All.
„Der Weltraum könnte so etwas wie die Neue Welt sein, die europäische Seefahrer vor 500 Jahren erobert haben“, fügt Muresianu hinzu. „Zuerst ging es um Rohstoffe, und der Handel kannte nur eine Richtung. Dann kamen Kolonialisierung und Fertigung, und am Ende standen eigenständige Gesellschaften.“
Zurzeit hat die Weltraumwirtschaft insgesamt ein Volumen von 630 Milliarden US-Dollar, das nach Einschätzung des Weltwirtschaftsforums bis 2035 auf 1,8 Billionen steigen dürfte.

2. Starker Rückgang der Startkosten
Raketenstarts waren früher selten und teuer. Heute sind sie Routine. SpaceX, das im August bereits seine 100. Mission des Jahres 2026 gestartet hat, ist auf diesem Gebiet führend und für 90% der gesamten in die Umlaufbahn gebrachten Nutzlast verantwortlich. Vor zehn Jahren war es noch nur etwa 5%.
Staatlich geförderte Bemühungen in China liegen hierbei weit abgeschlagen auf Platz 2. Andere Unternehmen wie Rocket Lab, United Launch Alliance (ULA), Relativity Space und Blue Origin bieten ebenfalls Transporte in den Weltraum an.
SpaceX dominiert heute das Geschäft, weil Teile seiner Raketen wiederverwendbar sind. Dieser Durchbruch und weitere Fortschritte haben die Kosten für Transporte in eine niedrige Erdumlaufbahn von 54.000 US-Dollar je Kilogramm in der Zeit des Space Shuttle auf heute 2.700 US-Dollar je Kilogramm sinken lassen. Dies eröffnete kommerzielle Möglichkeiten, die zuvor wirtschaftlich nicht realisierbar waren, und führte zur Gründung Dutzender neuer Unternehmen.
Jetzt testet SpaceX die Rakete der nächsten Generation, Starship, ein vollständig wiederverwendbares Trägersystem, das enorme 100 bis 150 Tonnen in eine niedrige Erdumlaufbahn transportieren kann. Die zurzeit eingesetzte Rakete Falcon 9 schafft nur etwa 23 Tonnen.
„Starship könnte die Eisenbahn der Weltraumwirtschaft der nächsten Generation sein“, sagt Muresianu.

3. KI im Weltall ist keine Fiktion mehr
Die Voraussetzungen dafür, dass Rechenzentren im Orbit Wirklichkeit werden, sind bereits gegeben.
Es wurde schon einige Male gezeigt, dass Grafikprozessoren und andere Hardware im Orbit funktionieren. Außerdem beginnen einige Unternehmen allmählich, Inferenz und Edge Computing im All zu testen. Die Realisierung von Rechenzentren im Weltraum steht noch vor Herausforderungen, darunter die noch zu lange Latenz zur Erde und die möglichen Auswirkungen von Strahlung. Zudem müssen die Kosten sinken, um dieses Geschäftsmodell wirtschaftlich zu machen.
„Die heutigen Kosten machen es schwer, große Netzwerke ins All zu befördern, aber wenn Starship so günstig wird und so viel in den Weltraum transportiert wie geplant, könnten Rechenzentren im Orbit eine neue Ebene der KI-Infrastruktur bilden“, fügt Beckwith hinzu. „Außerdem bieten im Weltraum installierte Systeme vielleicht Vorteile gegenüber Zentren auf der Erde.“
Hier werden Rechenzentren immer teurer, weil Hyperscaler nicht mehr genug Land, Strom und Kühlung zur Verfügung steht. Außerdem haben sie mit wachsendem Widerstand seitens politischer Entscheidungsträger und der lokalen Bevölkerung zu kämpfen.
„Im Weltall könnten Rechenzentren nahezu unbegrenzt Sonnenenergie nutzen und
den Wettbewerb um Wasser und Land ebenso vermeiden wie die Auseinandersetzung
mit Widerstand aus der Bevölkerung“, sagt Aktienanalyst Zach Alexander, der die
Sektoren US-Luft- und Raumfahrt sowie Verteidigung beobachtet.

4. Satellitenleistungen bald auf Ihrem Smartphone
Schon jetzt ist die Satellitenkonnektivität einer der vielversprechendsten Wachstumsmärkte im Telekommunikationssektor. Mit über 6.000 Satelliten in einer erdnahen Umlaufbahn ist SpaceX mit Starlink in diesem Bereich führend. Weitere Anbieter sind Amazon Leo (früher Project Kuiper), AST SpaceMobile und Eutelsat OneWeb. Diese Netzwerke eignen sich gut für die Breitbandversorgung ländlicher Regionen, Flugzeuge, Schiffe und Schwellenländer, wo Infrastruktur teuer oder unbrauchbar ist. In dicht bevölkerten Ländern mit guter Infrastruktur sind sie aber weniger wettbewerbsfähig.
Bislang machen Satellitennetzwerke nur einen Bruchteil des milliardenschweren globalen Breitmarktmarktes aus. Aber fallende Startkosten und Fortschritte bei der Satellitenentwicklung könnten diesen Unternehmen helfen, Marktanteile zu gewinnen.
„Satellitenbreitbandleistungen werden immer beliebter. Der Markt könnte 2030 etwa 40 Milliarden US-Dollar Volumen haben“, sagt Muresianu. „Was aber für Anbieter von Satellitenkommunikation alles verändert, sind Direct-to-Device-Dienste (D2D) – Mobilfunk per Satellit direkt aufs Smartphone.“
D2D-Konnektivität steht noch am Anfang, und die Kommerzialisierung hat gerade erst begonnen. Weil die nächste Generation der Satellitensysteme mehr Kapazität, höhere Geschwindigkeit und eine bessere Abdeckung bieten wird, könnten Satellitenbetreiber ihre Anteile am Breitband- und Mobilfunkmarkt steigern.

5. Nationale Sicherheitsprioritäten werden die Weltraumwirtschaft ankurbeln
Die weltpolitischen Auseinandersetzungen sind so stark auf die Sterne fixiert
wie seit dem Kalten Krieg nicht mehr.
Die USA, China und andere Länder betrachten Verteidigung aus dem Weltall zunehmend als maßgeblich für die nationale Sicherheit. „Dies könnte zum wichtigsten Schlachtfeld der Supermächte werden“, sagt Alexander.
In den USA plant die NASA schon lange eine neue Weltraumstation und eine permanente Mondbasis. Und im August brachte SpaceX das 4 Milliarden US-Dollar teure Weltraumteleskop Nancy Grace Roman der NASA in die Umlaufbahn, um damit den Weltraum zu erforschen. Unabhängig davon will die US Space Force ihr Budget im Geschäftsjahr 2027 auf 70 Milliarden US-Dollar verdoppeln. Viel soll in Satellitenkommunikation, Nachrichtendienste, Überwachung und Navigationssysteme investiert werden.
Auch für Präsident Trump hat das Raketenabwehrsystem Golden
Dome bis zum Ende seiner Amtszeit Priorität. Zu den Plänen für Golden Dome
zählt die Verbesserung der Raketenverfolgung und -abwehr, um auf moderne
Hyperschallraketen und andere Bedrohungen reagieren zu können.
„Das System wird voraussichtlich viele Sensoren im Weltall,
Kommunikationsnetzwerke und vermutlich auch Abfangraketen im Orbit benötigen“,
sagt Alexander. „Daran werden mehrere Unternehmen beteiligt sein, darunter die
wichtigsten Rüstungskonzerne.“
Beispielsweise vergab die Space Development Agency im Juli einen Auftrag im Wert von etwa 955 Millionen Dollar an L3Harris. Das Unternehmen wird 18 Satelliten bauen, die mit Infrarotsensoren ausgestattet sind und Hyperschall- sowie ballistische Raketen erkennen und verfolgen sollen. Zu den Unternehmen, die Raketenabwehrsysteme für den Weltraum entwickeln, gehören Lockheed Martin, Northrop Grumman und RTX.

Die Herstellung von Krebsmedikamenten in der Schwerelosigkeit und eine Flugzeit von San Francisco nach Tokio von unter 45 Minuten mögen absurd klingen, aber da die Startkosten noch weiter fallen und der Orbit allmählich Routine wird, sind sie das keineswegs. Zudem bietet der Weltraum einzigartige physikalische Bedingungen, die man auf der Erde nicht nachbilden kann.
„Im Weltraum gibt es weder Staub noch Regen, Wärme strahlt ab, Energie ist kostenlos und unbegrenzt verfügbar, und die Abfallbeseitigung ist nahezu gratis“, erklärt Muresianu. „Die Mikrogravitation verändert die Kristallbildung sowie die Bewegung von Flüssigkeiten und revolutioniert damit die Herstellung von Chips, Fasern und Arzneimitteln – um nur einige Beispiele zu nennen.
Aber gehen Sie nicht davon aus, dass all dies in den nächsten fünf oder zehn Jahren passiert“, so Muresianu abschließend. „Ich halte es für realistischer, dies alles in zehn bis 30 Jahren als Chancen ins Auge zu fassen.“

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