Capital Group: Kishidanomics: Japans Weg in die digitale Zukunft

Capital Group: Kishidanomics: Japans Weg in die digitale Zukunft

Nachdem Premierminister Fumio Kishida am 4. Oktober 2021 die Führung der Regierung übernommen hatte, ergriff er umgehend die Initiative. Seine Entscheidungen – von der Ausrufung vorgezogener Neuwahlen bis zum Umfang des Konjunkturpakets – schienen wie ein Wettlauf gegen die Zeit. Bislang wurden die Erwartungen des Marktes übertroffen.

22.02.2022 | 08:53 Uhr

„Wenn die Sonne scheint, ist es an der Zeit, das Dach zu reparieren“, sagte der Premierminister im Vorfeld der Bekanntgabe des 55,7 Billionen Yen (490 Milliarden US-Dollar) schweren Konjunkturpakets1 zur Ankurbelung der von der Pandemie gebeutelten japanischen Wirtschaft. Das Paket umfasst Hilfen für Krankenhäuser und in Schwierigkeiten geratene Unternehmen sowie Investitionen zur Umsetzung der Wachstumsstrategie der Regierung.

Das Konjunkturprogramm mag zwar kurzfristig Wirkung zeigen, aber um den Weg für eine Wiederbelebung der Konsumausgaben zu ebnen, müssen auch die Beschränkungen im Zusammenhang mit dem Coronavirus gelockert und eine hohe Impfquote erreicht werden. Japans Quote vollständiger Impfungen von 79 %2 zählt derzeit zu den weltweit höchsten Impfraten.

Mutige Vorschläge können nachhaltige Wirkung zeigen

Angesichts der Unsicherheit des Marktumfeldes sind kurzfristige Entwicklungen ebenso bedeutsam wie die langfristigen Auswirkungen einiger der mutigeren Vorschläge des Premierministers.

Um Japan auf den Pfad eines nachhaltigen Wirtschaftswachstums zu bringen, bedarf es allerdings mehr als eines Konjunkturpakets. Initiativen wie die Strategie für saubere Energie und das Konzept des digitalen Gartenstadtstaates könnten potenziell einen nachhaltigen Einfluss auf die Wirtschaft und die Finanzmärkte des Landes haben.

Es wird erwartet, dass die Regierung Kishida im Juni weitere Einzelheiten zu ihrer Strategie für saubere Energie bekannt geben wird. Die Regierung arbeitet derzeit daran, Japans Kohlenstoffemissionen (ausgehend vom Stand von 2013) bis 2030 um 46 % zu reduzieren und bis 2050 Kohlenstoffneutralität zu erreichen.

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Einer der Pläne umfasst nach Angaben der „Nikkei“ Investitionen in Höhe von schätzungsweise 2 Billionen Yen (17 Milliarden US-Dollar) für den Aufbau eines landesweiten Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragungsnetzes (HGÜ) in Japan in den nächsten 10 Jahren.

Das Stromübertragungsnetz könnte es Offshore-Windkraftanlagen ermöglichen, ihren Strom effizient über weite Entfernungen in große Städte zu übertragen. Die Regierung hält sich offiziell zwar bedeckt, man geht aber davon aus, dass der Ausbau des Stromübertragungsnetzes im Laufe der nächsten 10 Jahre mit Investitionsbeteiligungen aus dem Privatsektor erfolgen wird. Unternehmen wie Hitachi, ein Pionier der HGÜ-Technologie, könnten von einem Projekt dieser Größenordnung profitieren.

Aufbruch in die digitale Zukunft

Die Vision des Premierministers, Japan in einen digitalen Gartenstadtstaat zu verwandeln, beinhaltet den Ausbau der 5G-Infrastruktur und die Einführung von Technologien wie Telearbeit, Drohnenlieferung und automatisiertes Fahren.

Im Mittelpunkt dieser Veränderungen steht die digitale Transformation oder DX3, die mit verschiedenen politischen Prioritäten der Regierung verknüpft ist. Das Programm wird als Fortsetzung der digitalen Reformagenda seines Vorgängers Yoshihide Suga gewertet.

„Wir werden unsere digitale Infrastruktur ausbauen, einschließlich 5G, Halbleitern und Rechenzentren. Wir werden uns dafür einsetzen, dass jeder von den Vorteilen der digitalen Transformation profitieren kann, ohne dabei jemanden zurückzulassen“, sagte Premierminister Kishida zum Fortschritt der digitalen Transformation in seinem Land.

Digitalisierung und Innovation im Gesundheitswesen gehören zu den aktuellen Langzeittrends. Insbesondere der Trend zur Digitalisierung hat sich beschleunigt, nachdem die Aktivitäten in den Bereichen E-Commerce, Video-Streaming auf Abruf und Cloud-basierte Dienste während der Zeit der Coronavirus-Beschränkungen zugenommen haben.

Im Vergleich zu anderen entwickelten Volkswirtschaften wie den USA, Frankreich und dem Vereinigten Königreich sind die Investitionen in die Digitalisierung in Japan nach wie vor gering. Nach den Daten der OECD stagnieren die Investitionen in digitale Technologien in Japan seit Jahrzehnten.4

Potenziell könnte das Land diesen Rückstand freilich aufholen. Der Grund dafür liegt in der steigenden Nachfrage nach digitalen Diensten und Infrastrukturen aufgrund des sich ändernden Verbraucherverhaltens und des wachsenden Bedarfs an zusätzlichen Möglichkeiten zur Datenspeicherung und zuverlässigen IT-Systemen.

Mit der fortschreitenden Digitalisierung der japanischen Wirtschaft verfügen Unternehmen mit einem digitalen Vorsprung über das Potenzial, der Konkurrenz einen Schritt voraus zu sein. Ein Beispiel für ein Unternehmen, das sich auf dem schnell wachsenden digitalen Beratungsmarkt positioniert hat, ist BayCurrent Consulting. Das Unternehmen verzeichnete eine starke Nachfrage nach seinen Dienstleistungen, als die japanische Regierung die Digitalisierung zu einem wichtigen wirtschaftlichen Schwerpunkt machte, um mit der globalen Konkurrenz gleichzuziehen.

Eine größere Rolle in der Welt von morgen spielen

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Aber auch außerhalb Japans gibt es wichtige Themen, die man nicht aus den Augen verlieren darf. Dazu gehören die Technologiestreitigkeiten zwischen den USA und China über 5G und der Ausbau der Halbleiterkapazitäten, um die Anforderungen einer zunehmend vernetzten Welt zu erfüllen. Dies sind Bereiche, in denen japanische Unternehmen eine wichtige Rolle spielen könnten, da viele ihrer Produkte und Dienstleistungen für den digitalen Wandel, den wir heute in der Welt erleben, entscheidend sind.

Japan ist zudem eine wichtige Quelle für ausländische Direktinvestitionen. Nach Angaben der UNCTAD war Japan 2018 und 2019 der größte ausländische Investor. Allerdings sind die ausländischen Direktinvestitionen im Jahr 2020 deutlich auf 116 Milliarden US-Dollar gesunken, was das Land auf den zweiten Platz hinter China zurückfallen lässt.5

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Mit Blick auf die Zukunft ist zu erwarten, dass sich die Regierung verstärkt auf die wirtschaftliche Sicherheit und die Außenpolitik konzentrieren wird. Die Ernennung eines neuen Ministers für wirtschaftliche Sicherheit könnte dazu beitragen, die Gesetzgebung in diesem Jahr zu beschleunigen. Ziel ist es, die Resilienz der Lieferketten zu fördern und die staatliche Aufsicht über strategische Aktivitäten und Technologien zu stärken. Im Zusammenhang mit der Pandemie hat die japanische Regierung Mittel zur Verfügung gestellt, um ausländische Unternehmen in strategischen Sektoren dazu zu bewegen, ihre Lieferketten zu verlagern.

So kündigte die Taiwan Semiconductor Manufacturing Company im November Pläne an, gemeinsam mit Sony eine Produktionsstätte in Kumamoto, Japan, zu errichten. Das Unternehmen beziffert die anfänglichen Investitionskosten, einschließlich der Unterstützung der japanischen Regierung, auf rund 7 Milliarden US-Dollar.

Die Ansiedlung des weltgrößten Auftrags-Chipherstellers zur Förderung des japanischen Halbleiter-Ökosystems ist ein guter Start für die Regierung Kishida. Die Regierung will vermeiden, dass sich die Unterbrechungen der Lieferkette wiederholen, von denen die verarbeitende Industrie des Landes während der Pandemie schwer betroffen war.

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Gegenwärtig konzentriert sich die Regierung darauf, die Ausbreitung der Omikron-Variante einzudämmen und die Termine für Auffrischungsimpfungen zu beschleunigen. Das Land hat die strengsten Grenzbestimmungen unter den G7-Staaten erlassen. Auch wenn Omikron noch viele Unbekannte bereithält, deutet seine Ankunft doch darauf hin, dass uns COVID-19 noch eine Weile begleiten wird.

Was Premierminister Kishida betrifft, so wäre er mit einer deutlichen Verbesserung der japanischen Wirtschaft gut positioniert, um die Hürde der Oberhauswahlen im Juli 2022 zu nehmen und drei Jahre lang ohne Wahlen zu regieren. Ein Erfolg an diesen Fronten würde die Machtbasis des Regierungschefs stärken und ihm genügend Zeit verschaffen, eine Politik der Umverteilung umzusetzen. Das ist der mögliche Wendepunkt, den es zu beachten gilt.


1 Japans Konjunkturpaket umfasst Bargeldzuwendungen für einkommensschwache Haushalte, Hilfen für angeschlagene Unternehmen und Subventionen für Inlandsreisen. Einschließlich der Mittel aus dem privaten Sektor wird sich das Gesamtpaket voraussichtlich auf 78,9 Billionen Yen belaufen. Quelle: JapanGov

2. Stand: 2. Februar 2022. Quelle: Our World in Data

3. Das japanische Ministerium für Wirtschaft, Handel und Industrie definiert den Begriff „DX“ als digitale Transformation, zum Beispiel von Produkten, Dienstleistungen, Prozessen, Geschäftsmodellen oder der Kultur, die zu dramatischen Veränderungen im Geschäftsumfeld führt. Unternehmen können sich Daten und digitale Technologien zunutze machen, um sich einen Wettbewerbsvorteil zu verschaffen.

4. Quellen: McKinsey & Company „Using digital transformation to thrive in Japan’s new normal: An urgent imperative“, OECD-Statistiken

5. UNCTAD: Konferenz der Vereinten Nationen über Handel und Entwicklung

Christophe Braun ist Anlagespezialist bei Capital Group und verantwortlich für die Abdeckung von Aktien. Er verfügt über 11 Jahre Erfahrung in der Investmentbranche und ist seit fünf Jahren bei Capital Group tätig. Bevor er zu Capital kam, arbeitete Christophe Braun bei CBP Quilvest S.A. als Portfoliomanager und Anlageberater. Davor war er Anlagevertreter bei TD Direct Investing International. Er hat einen Master-Abschluss in Finanz- und Industrieökonomie von der Royal Holloway University of London und ein Diplom in Betriebs- und Volkswirtschaft von der Universität Leopold Franzens in Österreich. Christophe ist in Luxemburg ansässig.


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