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Länderblickpunkt Südafrika

Länderstudie Südafrika
10/2013
Lousie Van Cauwenbergh
Delcredere NV (Website)

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Nach dem Ende des Apartheid-Regimes erlebte das Land einen wirtschaftlichen Aufschwung. Bis die Finanzkrise 2009 die Wirtschaft erschütterte.

15.10.2013 | 14:23 Uhr

Das Jahr 1994 war ein historischer Wendepunkt in der Geschichte Südafrikas. Mit den Parlamentswahlen – an denen erstmals Bürger aller Ethnien teilnehmen durften – zogen demokratische Verhältnisse am Kap der Guten Hoffnung ein. Nachdem das Land fast ein Jahrhundert lang vom Apartheid-Regime regiert wurde, gewann die Widerstandspartei ANC (African National Congress) von Nelson Mandela die Wahlen. Seitdem stellt sie die Regierung. Aktueller Präsident ist Jacob Zuma, der 2009 für eine Amtszeit von fünf Jahren gewählt wurde. „Er wird mit hoher Wahrscheinlichkeit eine zweite Amtszeit bestreiten, auch wenn die Unzufriedenheit der Bevölkerung wegen der unzureichenden Sozialpolitik und der parteiinternen Kämpfe ansteigt, und die bislang übliche überragende Mehrheit nicht mehr zustande kommen dürfte“, vermutet Louise Van Cauwenbergh in ihrer aktuellen Länderrisikoanalyse zu Südafrika.

In der Tat steht das Land an der Südspitze Afrikas vor gewaltigen Problemen. Mit dem Ende des Apartheid-Regimes setzte neben dem politischen Wandel auch ein starker Wirtschaftsaufschwung ein. Doch die Finanzkrise im Jahr 2009 erschütterte das Land und führte zur ersten Rezession nach 16 Jahren. Das fällt natürlich auch auf den ANC zurück. Die Probleme der Bevölkerung blieben weitgehend ungelöst. „Während Armut und Arbeitslosigkeit weiter zunehmen, häufen sich Korruptionsskandale und Berichte über die Veruntreuung öffentlicher Gelder“, zählt Van Cauwenbergh auf. „Das mangelhafte Bildungssystem, eine Arbeitslosenquote in Höhe von 25 Prozent, steigende Lebenshaltungskosten und ein eklatantes Auseinanderdriften der Einkommensschere bilden einen perfekten Nährboden für soziale Proteste und Arbeitskämpfe.“ Im August 2012 kam es bei Protesten von Minenarbeitern zu heftigen Zusammenstößen mit der Polizei. 40 Demonstranten wurden dabei getötet. „Der Arbeitskampf hat aufgrund des Produktionsausfalls bereits Verluste in Höhe von mehreren Milliarden US-Dollar für die Minenbetreiber verursacht“, sagt die Autorin. „Zudem wird die ohnehin schleppende Wirtschaft durch die Ausweitung der Streiks in andere Sektoren (Automobilproduktion, Flughäfen, Tankstellen und Farmen) belastet.“

Sinkendes Wachstum, steigende Schulden

Der natürliche Reichtum, eine diversifizierte Wirtschaft, gute politische Rahmenbedingungen und starke Institutionen bescherten Südafrika ab Mitte der 1990er-Jahre hohe Wachstumsraten. Doch mit der Finanzkrise 2009 wurde dem Land das zum Verhängnis, was einst die Stärke der Wirtschaft ausmachte: die ausgeprägte Integration in die Weltwirtschaft. „Seitdem wird die wirtschaftliche Erholung durch interne wie externe Faktoren behindert“, weiß Van Cauwenbergh. „Das durchschnittliche BIP-Wachstum beträgt seit 2009 lediglich drei Prozent; für 2013 wird ein mageres Plus von zwei Prozent erwartet.“

Reales BIP-Wachstum in Südafrika

Zu den internen Faktoren, die das Wachstum bremsen, zählen – neben strukturellen Schwächen – die schlechte Beschäftigungslage, die steigende Inflation (im Juli 2013 betrug sie 6,3 Prozent und überschritt den vorgegeben Maximalwert des Zielkorridors von drei bis sechs Prozent), der politische Stillstand sowie die hohe Verschuldung. „Seit dem globalen Konjunktureinbruch im Jahr 2009 bewegt sich das jährliche Haushaltsdefizit des südafrikanischen Staates im Bereich von fünf Prozent des BIP“, erläutert Van Cauwenbergh. Innerhalb der vergangenen fünf Jahres seien die Staatsschulden von 31 Prozent auf 43 Prozent des BIP angestiegen. Als Hauptgrund für die hohe Arbeitslosigkeit sieht die Expertin das schlechte Bildungssystem und die unzureichende Qualifikation der Arbeitskräfte. „Im Zuge der wachsenden Bedeutung des Dienstleistungssektors hat sich die Nachfrage nach Arbeitskräften verlagert: Es werden weniger unqualifizierte Arbeiter für die Minen gesucht, dafür zunehmend hochqualifizierte Fachkräfte für den Dienstleistungssektor.“ Das Auseinanderklaffen von Reallohn- und Produktivitätsentwicklung sowie die hohe Hürden für die Einstellung von Arbeitskräften  sorgten für einen Verlust der Wettbewerbsfähigkeit und verhinderten die Schaffung von Arbeitsplätzen in der Privatwirtschaft. „Eine weitere Schwäche ist die niedrige Investitionsquote (immer noch unter 20 Prozent des BIP), die das Wachstumspotenzial gefährdet“, so Van Cauwenbergh. Auch die niedrige gesamtwirtschaftliche Sparquote von nur 13,2 Prozent in 2012 sei ein Defizit. Sie mache das Land abhängig von ausländischen Investitionen und anfällig für volatile Kapitalbewegungen.

Erhebliches Leistungsbilanzdefizit

Neben den internen Faktoren sind es die externen Faktoren, die großen Einfluss auf Südafrikas wirtschaftlichen Abschwung haben: „Das krisengebeutelte Europa ist der wichtigste Handelspartner und Abnehmer von Industrieerzeugnissen Südafrikas“, so die Autorin. „Gleichzeitig herrscht bei den globalen Rohstoffpreisen Stillstand oder es gibt sogar einen Abwärtstrend, während die Arbeitskämpfe und hohen Produktionskosten den wichtigen Bergbausektor unter Wettbewerbsdruck setzen.“ In den vergangenen zehn Jahren sei die Goldproduktion um 50 Prozent gesunken. Außerdem leidet das Land am Kap unter einem chronischen Leistungsbilanzdefizit. Von 2010 bis 2012 wuchs es von 2,8 Prozent auf 6,3 Prozent des BIP an. Im vergangenen Jahr stagnierten die Exporte. „Die steigende private Konsumgüternachfrage wird durch billige Importe aus China befriedigt“, erläutert Van Cauwenbergh. „So kletterte das Leistungsbilanzdefizit mit China auf vier Milliarden US-Dollar.“ Um das Defizit zu finanzieren, sei Südafrika auf externe Kapitalzuflüsse angewiesen. Ausländisches Kapital fließe insbesondere in Form von Portfolioinvestitionen (lokale Aktien und Anleihen) sowie kurzfristigen Bankkrediten ins Land. Aufgrund der global reichlich vorhandenen Liquidität war das in den vergangenen Jahren einfach zu bewerkstelligen. Deutlich schwieriger wird es, wenn die USA von ihrer expansiven Geldpolitik abrücken sollten.

Reformen müssen umgesetzt werden

Doch es gibt auch Hoffnung am Kap: „Im Jahr 2014 dürfte sich das BIP-Wachstum auf 2,9 Prozent erhöhen“, glaubt die Expertin. Impulse erhalte es von der leichten Erholung der Weltkonjunktur und der Umsetzung staatlicher Infrastrukturprogramme. Denn insbesondere die Stromknappheit habe Unternehmen bisher von Investitionen abgehalten. Die südafrikanischen Institutionen funktionierten zudem gut und zuverlässig. Aufgrund seiner geografischen Lage eigne sich das Land als Eingangstor für den afrikanischen Kontinent. Die Wirtschaftsstruktur sei breit gefächert und der Dienstleistungssektor wirtschaftlich führend. „Der Kapitalmarkt Südafrikas ist hoch entwickelt und gut reguliert; das Land nimmt diesbezüglich weltweit einen Spitzenrang ein“, weiß Van Cauwenbergh. „Der klar definierte Rechtsrahmen bildet ein starkes Rückgrat für das insgesamt solide Finanzsystem.“ Damit das wirtschaftliche Potenzial aber vollends zur Entfaltung kommen kann, bedürfe es Strukturreformen und einer mutigen Politik. Ende 2012 wurde der National Development Plan (NDP) einschließlich der Arbeits- und Gütermarktreformen gebilligt. Doch Van Cauwenbergh zeigt sich enttäuscht: „Die Fortschritte der Regierung bei der Umsetzung des NDP waren bislang erschreckend langsam.“

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