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Länderblickpunkt Indien: „Make in India“

Länderstudie Indien
05/2015
Raphaël Cecchi
Credendo Group (Website)

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Premierminister Narendra Modi tut der Wirtschaft Indiens gut und will die Marke seines Landes stärken. Reformen werden angepackt, die Risiken nehmen ab. Gefahr besteht jedoch durch einen Anstieg des Ölpreises.

08.05.2015 | 09:34 Uhr

Politisch befand sich Indien lange Zeit in einer Krise, bis sich im Mai 2014 das Blatt wendete: Bei den Parlamentswahlen erhielt Narendra Modi ein starkes Mandat, das das Land wieder positiver in die Zukunft blicken lässt. „Seine Mehrheit im Unterhaus ist frei von Koalitionszwängen und erlaubt damit größere Freiheiten bei der Einlegung von Reformen und der Erneuerung des Vertrauens in die weltgrößte Demokratie“, erläutert Raphaël Cecchi, Länderanalyst der Credendo Group, in seiner aktuellen Studie zu Indien. Doch sei der Premierminister aufgrund seines autokratischen und nationalistischen Führungsstils nicht unumstritten. „Auch fördert er in beunruhigendem Maße die Vorherrschaft der Hindus, was über Kurz oder Lang eine Verschärfung der Spannungen mit der großen muslimischen Gemeinschaft zur Folge haben könnte“, befürchtet Cecchi. Allerdings sei Modi für die Umsetzung seiner Wirtschaftsagenda auf innere Stabilität angewiesen, wodurch diese Gefahr unter Umständen abgemildert werde. Neben diesen ethnischen Spannungen dauerten zudem die Konflikte mit maoistischen Rebellengruppen in den östlichen und nordöstlichen Bundesstaaten an. Ein Abklingen der Auseinandersetzungen erwartet der Analyst nicht, da Modi keinerlei Bereitschaft zum Dialog erkennen lasse und eher auf Konfrontation zu setzen scheine. 

Außenpolitisch wurden die Friedensgespräche mit dem Nachbarn Pakistan nach einigen Jahren der Entspannung ausgesetzt. Wenig überraschend, wie Cecchi findet: „Angesichts der Wahl eines hindunationalistischen Premierministers in Indien und der Erstarkung des pakistanischen Militärs gegenüber einer geschwächten Zivilregierung war diese Entwicklung abzusehen.“ Die Zahl gewaltsamer Übergriffe in der Kaschmir-Region habe zugenommen, was die bilateralen Beziehungen nicht wirklich entschärfe. Freundlich und konstruktiv stellten sich jedoch die Beziehungen zum Großmachtkonkurrenten China dar, die ein politisches Gegengewicht zur westlichen Welt bildeten. „Doch gleichzeitig führen regionale Rivalitäten – Indiens erstarkte geopolitische Strategie rund um den Indischen Ozean – und Konflikte an einigen Himalaya-Grenzen dazu, dass das Verhältnis labil bleibt und engere Kontakte zu den USA gesucht werden“, so der Credendo-Experte.

Wirtschaftsdynamik: Indien will China überholen 

Die Wahl Modis zum Premierminister hat der indischen Wirtschaft sichtlich gut getan. Seine liberale Politik und der wachstums- sowie reformorientierte Wahlkampf hätten sich positiv auf das Geschäftsklima ausgewirkt, so Cecchi: „Die Wirtschaftsdynamik hat seit den Parlamentswahlen deutlich zugenommen und wird diesen Trend voraussichtlich fortsetzen.“ Bis Ende dieses Jahres könne der Subkontinent das langsamer wachsende China als am schnellsten wachsende große Volkswirtschaft der Welt ablösen. 2012 ging das Wirtschaftswachstum noch auf 4,5 Prozent zurück. 2014/2015 lag es schon bei geschätzten 7,2 Prozent und im kommenden Haushaltsjahr werden 7,5 Prozent erwartet.

Wirtschaftsentwicklung (in %): Indien wächst schneller als China 


Dabei profitiert die indische Wirtschaft von einem günstigeren Wirtschaftsumfeld im In- und Ausland. „Mit hohen Kraftstoffimporten, die 35 Prozent der eingeführten Güter ausmachen, gehört Indien zu den weltweit größten Profiteuren des dramatische zurückgegangenen Ölpreises“, so Cecchi. „Und auch die Erholung der Nachfrage aus den USA und der EU kommt dem Land zugute.“ Zurückgegangene Goldimporte und ein leichtes Wachstum des Exportsektors hätten dazu geführt, dass das Leistungsbilanzdefizit von 4,7 Prozent des BIP im Zeitraum 2012/2013 auf nunmehr weniger als zwei Prozent gesunken ist. Der Experte geht davon aus, dass das Defizit auch künftig in diesem Bereich liegen dürfte und sich so problemlos durch Direktinvestitionen finanzieren lasse. Diese dürften während Modis Legislaturperiode zunehmen, zumal erwartet werde, dass Obergrenzen für ausländische Beteiligungen in mehreren Branchen gelockert werden. 

Verbesserung der Außenhandelsbilanz durch geringere Gold- und Ölimporte 

Rupie nicht mehr so anfällig wie 2013

Risiken erkennt Cecchi in der bevorstehenden Straffung der Geldpolitik in den USA. „Tatsächlich hat der im Frühling 2013 von der Fed angekündigte Ausstieg aus der Politik der monetären Lockerung zu erheblichen Kapitalabflüssen geführt und eine extreme Abwertung der Rupie gegenüber dem US-Dollar auf ein Rekordtief zur Folge gehabt.“ Von Mai bis August 2013 fiel die indische Währung um 23 Prozent. Sollte es erneut zu Schwankungen kommen, dürfte sich der Abwertungsdruck jedoch in Grenzen halten, da sich die innenpolitischen Rahmenbedingungen deutlich verändert haben. „Modi hat ein starkes Mandat, das Vertrauen ist zurückgehkehrt, Wirtschaftsprognosen haben sich verbessert und in der Folge hat sich die Rupie trotz eines gestärkten US-Dollars leicht erholt“, zählt der Länderanalyst auf. 

Dank der niedrigen Rohstoffpreise sank die Inflation auf fünf Prozent – den niedrigsten Wert seit acht Jahren. Um die Preisstabilität hoch- und die Verbraucherpreise niedrig zu halten, hat die Regierung die indische Notenbank Reserve Bank of India (RBI) mit der Inflationssteuerung beauftragt. Bei einer Schwankungsbreite von zwei Prozent soll die Rate mittelfristig bei vier Prozent liegen. „Die RBI lockert nun mit der Senkung des Leitzinses – zuletzt auf sieben Prozent – ihre Gelpolitik“, erläutert Cecchi. „Mit dieser Maßnahme sollen Konsum und Investitionen gefördert werden, die von hohen Zinssätzen behindert werden.“ Eine mittelfristige Erholung des Ölpreises sowie höhere Nahrungsmittelpreise im Falle eines schlechten Monsunjahres seien im Zusammenhang mit der Inflationsprognose die Hauptrisiken.

„Make in India“

Modis Politik beinhaltet auch, die Marke Indien wieder in den Vordergrund zu stellen. Dies will er mit der Kampagne „Make in India“ schaffen. „Während die starke Inlandsnachfrage einen bedeutenden Wachstumsmotor darstellt, der auf einem großen Binnenmarkt und einer aufstrebenden Mittelschicht beruht, bleibt Indiens Fertigungsindustrie seit Langem weit hinter China zurück“, so Cecchi. „Daher hat sich die neue Regierung das Ziel gesetzt, Indien zu einem Produktionszentrum zu machen und damit dem Arbeitsmarkt neue Impulse zu verleihen.“ Insbesondere die Bereiche Rüstung, Automobilindustrie und Telekommunikation sollen hiervon profitieren. Derzeit seien weniger als zehn Prozent der arbeitenden Bevölkerung in der Fertigung tätig. Eine schwächere Rupie wirkt sich dabei positiv auf den Export auf, was diesen Sektor attraktiver machen könnte für Investoren. „Gleichzeitig sind die Lohnkosten in Indien höher als in mehreren anderen asiatischen Ländern“, sagt Cecchi. „Auf lange Sicht muss die Regierung sich verstärkt auf die Verbesserung des Geschäftsumfeldes konzentrieren, das zurzeit noch von hohem Bürokratieaufwand, häufigen Stromausfällen, Infrastrukturengpässen und rigiden Arbeitsvorschriften beeinträchtigt wird.“ 

Zustand des Bankensektors wird schlechter

Die finanzielle Instabilität nehme hingegen zu. Obwohl der Bankensektor als solide gelte, verschlechtere sich sein Zustand. Der Anteil notleidender Kredite sei von 2,4 Prozent im Zeitraum 2010/2011 auf vier Prozent im vergangenen Haushaltsjahr angestiegen. „Dieses Problem besteht insbesondere bei den dominierenden öffentlichen Banken, die drei Viertel des gesamten Bankvermögens besitzen“, erläutert der Credendo-Analyst. „Darüber hinaus ist auch die Verschuldung in der Wirtschaft auf etwa 45 bis 55 Prozent des BIP angestiegen.“ Dieser Aufwärtstrend sei insbesondere bei der überwiegenden Zahl finanziell schwacher Unternehmen zu beobachten.

Zufrieden zeigt sich Cecchi mit dem kürzlich vorgestellten Haushalt für 2015 – dem ersten der neuen Regierung. „Er setzt auf eine Steigerung des Wirtschaftswachstums und führt dabei die Haushaltskonsolidierung fort, wenn auch in geringem Tempo“, fasst der Experte zusammen. „Die Regierung plant eine Erhöhung der öffentlichen Investitionen in die Infrastruktur, insbesondere in die Bereiche Transport und Stromerzeugung – zwei chronische Problemfelder für die Wirtschaftsentwicklung.“ Das Finanzreformprogramm sehe eine umfassende Rationalisierung der Subventionen sowie des Steuersystems vor. Zudem hat die Regierung im vergangenen Herbst aufgrund des sinkenden Ölpreises die Dieselsubventionen abgeschafft. 

Ölsubventionen gehen zurück 


„Die öffentlichen Investitionen dürften einen positiven Beitrag zur Wirtschaftsleistung leisten, aber gleichzeitig die Haushaltsanpassung verzögern“, erwartet Cecchi. „Folglich werden das gesamtstaatliche Haushaltsdefizit und die öffentliche Schuldenquote, die im Zeitraum 2015/2016 bei jeweils 6,8 Prozent und 62,6 Prozent des BIP liegen dürften, ihren Abwärtstrend langsam fortsetzen.“ Bereits einige der vergangenen Regierungen haben sich auf die Reduzierung der Staatsverschuldung verpflichtet, denn vor zehn Jahren lag die Staatsverschuldung noch bei 85 Prozent des BIP, so der Autor der Studie.

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