Containerschifffahrt: Der Spielraum für Fehler wird kleiner

Arthur Homo, Head of Buy Side Fixed Income Research von DPAM
Kommentar

In den kommenden 24 Monaten dürften die Fundamentaldaten zählen: Angebot und Nachfrage, Preissetzungsmacht, Kostendisziplin und Bilanzstärke. Sie werden sich auf die Bonität der größten Schifffahrtsunternehmen auswirken.

26.02.2026 | 06:05 Uhr

Kurs auf Normalisierung

Während und nach der Pandemie tat sich Außergewöhnliche in der Containerschifffahrt. Die Frachtraten stiegen 2021 und 2022 stark an, da Staus, Unterbrechungen der Lieferketten und geopolitische Schocks die Kapazitäten einschränkten. 2024 sorgten dann Angriffe der Houthis im Roten Meer dafür, dass die Reedereien Umwege fahren mussten, was die effektive Kapazität auf den Routen zwischen Asien und Europa verringerte. Die Frachtraten stiegen erneut stark an, stehen inzwischen aber unter Druck, da eine Wiederöffnung erwartet wird.

Die Spotfrachtraten auf den wichtigsten Ost-West-Handelsrouten sind inzwischen auf das Niveau vor der Krise im Roten Meer zurückgekehrt; der Störungsaufschlag, der die Rentabilität der Reedereien stützte, ist weggefallen und die Preissetzungsmacht wieder auf Seiten der Verlader.

Die meisten Prognosen gehen nicht von einer Erholung der Frachtraten bis 2027 aus. Stattdessen scheint der Markt längerfristig unter Druck zu stehen, unterbrochen von kurzfristigen Aufschwüngen, die z. B. durch Kapazitätsrücknahmen verursacht werden.

Problem Kapazitätswachstum

In den Rekordjahren haben die Reedereien so viele neue Containerschiffe bestellt wie nie zuvor. Inzwischen entspricht das weltweite Auftragsbuch etwa einem Drittel der bestehenden Flotte. Gleichzeitig wurde weniger verschrottet, da ältere Schiffe angesichts längerer Seewege und anhaltender Ineffizienzen rentabel blieben. Steigende Kapazitäten treffen auf moderates Nachfragewachstum. Das weltweite Containervolumen dürfte mit niedrigen einstelligen Raten wachsen, etwas stärker auf den innerasiatischen und ausgewählten Süd-Süd-Routen. Auslastung und Frachtraten dürften bis 2027 unter Druck bleiben.

Druck auf die Erträge

Die Gesamtrentabilität in der Containerschifffahrt ging 2025 deutlich zurück, da die Frachtraten schneller fielen als die Kosten. Branchenstudien deuten kurzfristig auf sinkende Margen. Es handelt sich aber nicht um einen typischen Abschwung in der Schifffahrt, bei dem aggressiv die Kosten gesenkt werden. Umweltvorschriften, insbesondere die Ausweitung des EU-Emissionshandelssystems im Jahr 2026, verursachen zusätzliche Kosten und schränken die Möglichkeiten der Reedereien ein, ihre Margen durch operative Maßnahmen zu schützen.

Die Containerschifffahrtsunternehmen stehen kurz davor, operativ Geld zu verbrennen. Laut Jefferies haben die effizientesten Betreiber wie Maersk oder Hapag-Lloyd Gesamtkosten von rund 1.100 US-Dollar pro TEU (Twenty-foot Equivalent Unit). Die aktuellen Spotfrachtraten liegen nur geringfügig darüber.

Widerstandsfähigkeit unter der Lupe

Entscheidend ist jetzt, wie gut die einzelnen Betreiber gewappnet sind. Die meisten großen Containerschifffahrtskonzerne sind mit ungewöhnlich starken Bilanzen in diesen Abschwung gestartet. Dank der Gewinne während der Pandemie wurde die Nettoverschuldung reduziert, Liquiditätspuffer aufgebaut und die Laufzeiten von Schulden verlängert. Die Ratingagenturen erwarten eine Verschlechterung der Finanzkennzahlen, da die Gewinne zurückgehen und die Investitionsausgaben hoch bleiben.

Die Kreditdifferenzierung nimmt zu

Unterschiede in den Geschäftsmodellen und Finanzstrategien dürften in den kommenden Monaten deutlicher zutage treten. Große, diversifizierte Konzerne sind besser in der Lage, ihre Gewinne und Cashflows zu stabilisieren. Dank ihrer Größe sind sie zudem flexibler bei der Kapazitätssteuerung und Kostenverhandlung.

Im Gegensatz dazu sind hoch verschuldete reine Transportunternehmen mit großen Auftragsbüchern und starker Abhängigkeit von Spotmärkten einem höheren Risiko ausgesetzt, wenn die Frachtraten hinter den Erwartungen zurückbleiben oder die Kosten weiter steigen. Bilanzdisziplin heißt für diese Betreiber das Gebot der Stunde.

Fazit

Der Containerschifffahrtssektor steht eher vor einer Phase der Anpassung als vor einer Krise. Die Bilanzen sind eine Quelle der Widerstandsfähigkeit, aber der Spielraum für Fehler wird kleiner. Für Anleger dürften sich in den kommenden Jahren ein selektiver Ansatz auszahlen, der sich auf die Kreditqualität, die Kapitaldisziplin und die Fähigkeit konzentriert, eine längere Phase des Überangebots zu meistern.


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