Aktives Stewardship schafft langfristigen Unternehmenswert

Gerrit Dubois, Spezialist für den Bereich Verantwortungsvolles Investieren bei DPAM AM
Kommentar

Aktives Stewardship entwickelt sich zu einem zentralen Instrument für Investoren, um wesentliche ESG-Risiken frühzeitig zu identifizieren und langfristige Wertschöpfung zu sichern.

09.10.2026 | 10:02 Uhr

DPAM verfolgt eine Stewardship-Strategie, die auf treuhänderischer Verantwortung basiert und sowohl den konstruktiven Dialog mit Unternehmen als auch die gezielte Ausübung von Stimmrechten umfasst.

Der Unternehmensdialog ermöglicht es Investoren, Risikomanagement, Unternehmensführung und Nachhaltigkeitsstrategien zu bewerten und gleichzeitig fundierte Empfehlungen auszusprechen. Wenn Gespräche nicht zu ausreichenden Fortschritten führen, setzen Investoren ihre Stimmrechte als Eskalationsinstrument ein – etwa durch Ablehnung von Verwaltungsratsmitgliedern oder Vergütungspolitiken.

DPAM ist überzeugt, dass Stewardship wertvolle Einblicke in die Qualität des Managements und die Glaubwürdigkeit von Strategien liefert, die sich oft erst über längere Zeiträume materialisieren. Unternehmen profitieren davon, wesentliche Anliegen frühzeitig im direkten Austausch aufzugreifen, anstatt eine Eskalation in die öffentliche Diskussion zu riskieren.

Stewardship als Grundlage fundierter Anlageentscheidungen

Die aktive Stewardship-Strategie von DPAM, die sowohl den Unternehmensdialog (Engagement) als auch die Ausübung von Stimmrechten umfasst, basiert auf unserer treuhänderischen Verantwortung. Daher konzentrieren wir uns auf finanziell wesentliche Themen, die eine langfristige Wertschöpfung unterstützen. Dabei setzen wir klare Schwerpunkte in den Bereichen Unternehmensführung, Umwelt und Soziales und berücksichtigen unterschiedliche Zeithorizonte. Wir sind überzeugt, dass aktives Stewardship Investoren dabei hilft, aufkommende Risiken und Chancen frühzeitig zu erkennen und gleichzeitig konstruktiv auf bestehende Herausforderungen zu reagieren.

Engagement zur Stärkung von Nachhaltigkeit, Unternehmensführung und Marktvertrauen

Investoren treten mit Unternehmen entweder aus einer einfachen oder einer doppelten Wesentlichkeitsperspektive in Dialog. Dabei liegt der Fokus jeweils auf den finanziellen Auswirkungen beziehungsweise sowohl auf den finanziellen als auch auf den Nachhaltigkeitsauswirkungen. Beide Perspektiven können wertvolle Erkenntnisse liefern, die durch Peer-Vergleiche, frühere Erfahrungen, Szenarioanalysen, neue Trends und zukunftsgerichtete Risikobewertungen unterstützt werden.

Unternehmen, die dieses Feedback aktiv aufgreifen, können ihr Risikomanagement, ihre Unternehmensführung, ihre Nachhaltigkeitsstrategien und das Vertrauen ihrer Stakeholder stärken. Der Dialog mit Investoren sollte daher nicht als konfrontativer Prozess verstanden werden. In den meisten Fällen ist er vielmehr ein integraler Bestandteil der Risikoanalyse von Investoren und ihrer Stewardship-Verantwortung.

Auch wenn die Beantwortung der Anliegen zahlreicher einzelner Investoren für Unternehmen herausfordernd sein kann, sind wir der Ansicht, dass sie koordinierten Engagement-Initiativen ebenfalls Beachtung schenken sollten. In solchen Initiativen arbeiten Investoren über Organisationen wie die Institutional Investors Group on Climate Change (IIGCC), das Carbon Disclosure Project (CDP) oder die Investor Alliance for Human Rights zu wesentlichen Themen zusammen und stimmen ihre Aktivitäten aufeinander ab.

Ausübung von Stimmrechten – eine klare Entwicklung im Markt

Wenn der Dialog mit Unternehmen nicht zu ausreichenden Fortschritten führt, nutzen Investoren zunehmend ihre Stimmrechte als Eskalationsinstrument. Dies stellt eine klare Entwicklung im Markt dar. Während die Stimmrechtsausübung ursprünglich vor allem reaktiv entlang der Tagesordnung von Hauptversammlungen erfolgte, wird sie heute deutlich proaktiver eingesetzt. Neben der Unterstützung von Aktionärsanträgen können Investoren gegen die Wiederwahl von Verwaltungsratsmitgliedern, Vergütungspolitiken, Jahresberichte oder andere Tagesordnungspunkte stimmen, um auf ungelöste Governance- oder Nachhaltigkeitsbedenken aufmerksam zu machen.

Entsprechend ist ein Wandel zu beobachten, wie Investoren die Stimmrechtsausübung organisieren und einsetzen. Einige veröffentlichen ihre Stimmabsichten zudem bereits vor der Hauptversammlung. Dies schafft zusätzliche Möglichkeiten für den Dialog zwischen Investoren und Unternehmen und kann in einzelnen Fällen sogar zu einer Anpassung der Stimmabgabe führen.

In einem Fall der Proxy-Saison 2026 beabsichtigte DPAM zunächst, gegen den „Say-on-Climate“-Antrag eines Unternehmens zu stimmen. Nach einem Gespräch, in dem unsere Stimmabsicht bekannt war und das Unternehmen es verschiedene Aspekte seines Transformationsplans näher erläuterte, änderten wir unsere Position und unterstützten den Antrag. Gleichzeitig ermutigten wir das Unternehmen, seine Berichterstattung künftig weiter zu verbessern.

Schließlich werden Hauptversammlungen häufig genutzt, um Fragen öffentlich anzusprechen, wenn der vorherige Dialog ins Stocken geraten ist. Unternehmen können daher davon profitieren, wesentliche Anliegen frühzeitig im direkten Austausch mit Investoren aufzugreifen, anstatt eine Eskalation in die öffentliche Diskussion zu riskieren.

Stewardship in fundamentalen Anlageentscheidungen

Da sich ESG-Risiken häufig nur schwer quantifizieren lassen und sich oftmals erst über längere Zeiträume materialisieren, ist DPAM überzeugt, dass der Dialog mit Unternehmen wertvolle Einblicke in deren Vorbereitung auf zukünftige Herausforderungen und ihre Widerstandsfähigkeit liefert. Er hilft Investoren dabei, die Qualität des Managements, die Unternehmensführung sowie die Glaubwürdigkeit von Strategien zum Umgang mit künftigen Risiken und Chancen zu bewerten. Gleichzeitig bietet er die Möglichkeit, Bedenken anzusprechen und Unternehmen dazu anzuregen, ihre Offenlegung, ihre Verpflichtungen oder ihre Maßnahmen weiterzuentwickeln. Dies kann die Widerstandsfähigkeit und Strategie eines Unternehmens stärken und damit die langfristige Investmentthese untermauern.

Governance ist seit langem fester Bestandteil der Fundamentalanalyse. Umwelt- und Sozialthemen mit wesentlichem Einfluss auf die Geschäftsentwicklung fließen jedoch ebenfalls zunehmend in Anlageentscheidungen ein, da die damit verbundenen Risiken immer stärker sichtbar werden, etwa durch politische und regulatorische Entwicklungen, technologische Veränderungen oder geopolitische Faktoren.

DPAM steht beispielsweise mit Unternehmen im Dialog über die Berücksichtigung klimabezogener Risiken in der Finanzberichterstattung. Dies ermöglicht trotz der Unsicherheiten rund um Transitionsrisiken eine fundiertere Finanzanalyse. Gemeinsam mit Investoren und Branchenorganisationen hat DPAM zudem an der Entwicklung von Investorenerwartungen zur Integration klimabezogener Risiken und Unsicherheiten in die Finanzberichterstattung mitgewirkt.

Letztlich ist DPAM der Ansicht, dass Unternehmen berücksichtigen sollten, dass Stewardship je nach Mandat und Verpflichtungen der Investoren sowohl von finanziellen als auch von nachhaltigkeitsbezogenen Zielen geleitet sein kann. Daher ermutigen einige Investoren Unternehmen auch dazu, externe Effekte zu adressieren und erhebliche negative Auswirkungen zu vermeiden, selbst wenn diese sich bislang noch nicht vollständig in der kurzfristigen finanziellen Performance widerspiegeln. Solche Themen bleiben für die langfristige nachhaltige Wertschöpfung relevant und können sich zudem auf die Reputation eines Unternehmens sowie auf seine Glaubwürdigkeit bei Investoren auswirken.


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Die in diesem Dokument enthaltenen Informationen sind allgemeiner Natur und stellen keine Anlageberatung dar. Investitionen sind mit Risiken verbunden. Die Wertentwicklung in der Vergangenheit ist keine Garantie für zukünftige Ergebnisse. Alle in diesem Dokument enthaltenen Meinungen spiegeln die Situation zum Zeitpunkt der Veröffentlichung wider und können ohne vorherige Ankündigung geändert werden. Änderungen der Marktbedingungen können dazu führen, dass die hierin enthaltenen Meinungen und Aussagen ungültig werden.

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