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Der TiAM FundResearch Wochenrück- und -ausblick.
Kolumne

ESG: Nur noch eine letzte Zigarette

TiAM FundResearch blickt auf die vergangene Woche zurück und gibt einen Ausblick auf die kommenden Tage. Diesmal im Fokus: Warum nachhaltige Fonds und Tabakunternehmen nicht zusammenpassen.

06.11.2023 | 07:30 Uhr von «Matthias von Arnim»

Rückblick auf die vergangene Woche

Es ist schon November. Der sechste. Kaum zu glauben. In genau einem Monat kommt der Nikolaus durch den Kamin gerutscht. Jedenfalls bei denjenigen, die daran glauben. Und die einen Kamin haben. Die anderen müssen einen Stiefel vor ihre Tür stellen und hoffen. Auf Schokolade oder Kekse vielleicht. Oder auf neue warme Socken. Oder sie müssen fürchten, dass Knecht Ruprecht seines Amtes waltet. Weil man unartig war, gelogen hat oder ein Versprechen nicht eingehalten hat. Schlimm sind auch gute Vorsätze, die man gebrochen hat. Zum Beispiel, mit dem Rauchen aufzuhören. Dabei gibt es genug Anreize dafür. Zu loben ist in diesem Zusammenhang etwa die Aktion „Stoptober“ der britischen Gesundheitsbehörde NHS, die sich im vergangenen Monat zum zwölften Mal seit ihrem Start gejährt hat. Der Oktober ist seit vergangener Woche vorbei. Aber die Idee hinter der Aktion funktioniert auch in anderen Monaten: Raucher sollen 28 Tage lang keine Zigarette anrühren. Stehen sie das durch, ist die Wahrscheinlichkeit sehr groß, dass sie auch weiterhin und sogar grundsätzlich auf die Glimmstängel verzichten können. Das zeigen etliche Studien.

Warum startet eine Gesundheitsbehörde solch eine Aktion? Die Antwort liegt auf der Hand. Eine von Action for Smoking and Health (ASH) durchgeführte Studie schätzt, dass Rauchen die britische Wirtschaft jährlich 17 Milliarden Pfund kostet. Davon entfallen 2,4 Milliarden Pfund auf den ohnehin schon überlastete NHS. Weltweit sind die Zahlen nicht weniger dramatisch. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation sterben jährlich acht Millionen Menschen an den Folgen des Rauchens, darunter 1,3 Millionen Nichtraucher, die als Passivraucher die Schadstoffe einatmen. 

Damit nicht genug, verschmutzen Kippen die Umwelt massiv. Bei der Herstellung von Tabak fallen laut Weltgesundheitsorganisation jährlich 84 Millionen Tonnen CO2 an, Billionen Zigarettenstummel landen in der Natur. Zudem besetzt die Pflanze wichtige Ackerflächen. Die Tabakindustrie sei einer der „größten Umweltverschmutzer der Welt“, so die UN-Organisation. Jedes Jahr fielen der Herstellung und dem Konsum von Tabak mehr als 600 Millionen Bäume, 200.000 Hektar Land zum Opfer und verschmutzten 22 Milliarden Tonnen Wasser, rechnet die WHO vor. Die CO2-Menge entspreche dem Ausstoß von etwa 17 Millionen benzinbetriebenen Autos jährlich, heißt es in dem Bericht mit dem Titel „Tabak: Vergiftung unseres Planeten“.

Können Tabakunternehmen ESG-konform sein?

Wer die Zahlen kennt, kann nur zu dem Schluss kommen, dass die Aktien von Tabakunternehmen keinen Platz in Investmentfonds haben dürfen, die mit einem Nachhaltigkeitsansatz werben. In vielen Fonds wird dieser logische Schluss tatsächlich konsequent umgesetzt – in der Regel durch eine Ausschlussliste von nicht ESG-konformen Branchen, zu denen meistens auch Tabakunternehmen gehören. Doch die Tabak-Industrie wäre nicht die Tabak-Industrie, wenn sie nicht versuchen würde, durch geschickte PR-Arbeit darauf hinzuwirken, dass ihr von der Finanzbranche Hintertüren geöffnet werden. Anfang dieses Jahres etwa behauptete Philip Morris-Chef Jacek Olczak, dass sein Unternehmen auf dem Weg sei, ein ESG-Wert zu werden. Seine Begründung: E-Zigaretten machten inzwischen rund ein Drittel des Konzern-Umsatzes aus, Tendenz steigend. Im Vergleich zu klassischen Zigaretten seien sogenannte Vaping-Produkte eine „nachhaltige" Art des Rauchens.

Das ist eine kühne Behauptung. Denn die Produktion, die Millionen an Wegwerf-Verpackungen und vor allem der massiv zunehmende Marktanteil von Einweg-E-Zigaretten taugen nicht dazu, Tabakunternehmen in grünem Licht oder gar als ESG-Vorreiter erscheinen zu lassen. Daran können selbst moderne Mitarbeiterförderprogramme, soziales Engagement, eine gute Unternehmensführung oder auch heuchlerische PR-Kampagnen wie „unsmoke your world“ nichts ändern.

Fondsmanager sollten sich nicht von der Charmeoffensive der Branche blenden lassen. Selbst dann nicht, wenn am 6. Dezember eine Stange Marlboro im Stiefel vor der Tür steckt. Oder durch den rußigen Kamin gerutscht kommt. Merke: Nicht alles Rotweiße ist ein Nikolaus. Selbst dann nicht, wenn man an ihn glauben mag.

Ausblick auf interessante Termine in dieser Woche

Am Dienstag findet vor dem Europäischen Gerichtshof eine mündliche Verhandlung zu Auswirkungen von Industrieemissionen statt. Mehrere Einwohner der italienischen Stadt Tarent haben mitsamt von Bewohnern anderer Nachbargemeinden gegen die Betreiber von Stahlwerken geklagt. Diese würden eine derartige Umweltverschmutzung verursachen, dass sich die Einwohner in ihren Rechten auf Gesundheit, ein unbeschwertes Leben und auch in ihren Klimarechten verletzt sehen. Das Urteil, das die Richter zu fällen haben, könnte wegweisend sein und weitreichende Folgen innerhalb der EU haben, falls die Kläger Recht bekommen.

Am Mittwoch gibt das Statistische Bundesamt die Inflationszahlen für den Monat Oktober bekannt. Der Trend ist eindeutig. Alles deutet derzeit darauf hin, dass die Inflation weiter zurückgeht.

Am Donnerstag treffen sich in Brüssel Ministerinnen und Minister, um über die Reformpläne der EU-Schuldenregeln zu diskutieren. Ende April hatte die EU-Kommission hierfür Vorschläge vorgelegt, nun müssen die Länder sich auf eine gemeinsame Position einigen.

Am Freitag wird um 11:11 Uhr die Eröffnung der neuen Karnevalssession gefeiert. In Köln ist das ein inoffizieller Feiertag. Der Begriff Feiertag wird dort wörtlich genommen. Tipp für alle Nichtkölner: Versuchen Sie nicht, an diesem Tag in Köln jemanden in seinem Büro zu erreichen. Telefonisch nicht. Und persönlich schon gar nicht. Und erst recht nicht, falls Sie von auswärts anreisen müssen. Es sei denn, Sie wollen mitfeiern. Mit Freunden ein Glas Kölsch trinken. Oder eine letzte Zigarette rauchen. Dann ist das etwas Anderes.

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