High Yield in Europa: Lohnt ein Investment?

Marc Leemans (Fondsmanager) und Bernard Lalière (Head of Credit) von DPAM
Hochzinsanleihen

Das neue Jahr hat für Europas Hochzinsanleihen gut begonnen: Die Renditeaufschläge haben sich weiter verengt. Gibt es noch Wertpotenzial – oder überwiegen die Risiken?

04.02.2026 | 09:10 Uhr

Marc Leemans (Fondsmanager) und Bernard Lalière (Head of Credit) von DPAM, geben Antwort:

Gesamtwirtschaftlich günstiges Europa
Europas Wirtschaft dürfte schleppend weiter wachsen. Wir stecken weder in einer Rezession mit weit verbreiteten Zahlungsausfällen noch in einem Boom mit schuldenlastigen, später oft problematischen Übernahmen. Auch die Finanzierungsbedingungen sind günstig; die EZB dürfte in diesem Jahr ihre Zinspolitik beibehalten.

Die Kreditqualität im Hochzinsbereich ist weiterhin solide. 70 % der Anleihen sind mit BB bewertet, viele wurden im letzten Jahr heraufgestuft. Viele Unternehmen haben die letzten vier bis fünf ungewissen Jahre mit maßvollem Bilanzmanagement gemeistert. Ausgaben für Investitionen, Dividenden und Rückkäufe blieben unterhalb des operativen Cashflows. Zwar wurden im letzten Jahr vermehrt Dividenden über die Ausgabe von Anleihen finanziert, allerdings von starken Unternehmen mit soliden Geschäftsmodellen.

Die Gesamtrenditen locken auch Anfang 2026 viele Anleger in High-Yield-Anleihen. Zuflüsse verhinderten eine Ausweitung der Spreads. Die hohen Eigenkapitalpolster vieler Unternehmensschuldner bilden einen zusätzlichen Puffer für den Fall von Gewinnenttäuschungen oder Refinanzierungsproblemen. Unternehmen können ihre Kupons bedienen und Schulden refinanzieren. Das Umfeld begünstigt jedoch keine übermäßigen Ausgaben oder Ausweitungen.

Nicht alles rosig
Im Auge behalten sollte man das Transaktionsgeschäft. Fusionen und Übernahmen, einschließlich Leveraged Buyouts, haben sich seit 2021 abgeschwächt. Wenn das Vertrauen der Unternehmen zurückkehrt und das Transaktionsvolumen steigt, könnten fremdfinanzierte Transaktionen Druck auf die Kreditwürdigkeit ausüben. Seit Sommer 2025 gab es einige Ankündigungen großer M&A-Transaktionen. Wir befinden uns derzeit aber noch am Beginn eines bedeutenden Aufschwungs dieser Aktivitäten. Eine unmittelbare Verschlechterung der Kreditqualität ist daher unwahrscheinlich.

Risiken gibt es zudem durch Emittenten, die mit neuen Anleihen große Investitionsprogramme (Rechenzentren, KI-Infrastruktur) finanzieren. Die Ausweitung der Spreads von Oracle hat gezeigt, dass die Märkte das damit verbundene Ausführungsrisiko einpreisen. Beschleunigt sich der KI-Investitionszyklus weiter, könnte dieser Angebotsdruck auch auf die europäischen Märkte übergreifen. Falsch getimte oder schlecht verwaltete Investitionen und Emissionen könnten zu Kreditstress führen.

Unsere Gesamtbewertung der Märkte für Unternehmensanleihen bleibt jedoch positiv. Die Ausfallraten sind weiterhin niedrig und die Fundamentaldaten solide.

Ausblick 2026: Potenzial mit Risiken

Für 2026 erwarten wir moderate Gesamtrenditen, die hauptsächlich durch Carry- und Kuponerträge getrieben werden. Angesichts der aktuellen Bewertungen gibt es nur begrenzten Spielraum für weitere Straffungen. Die Spreads dürften sich kaum ausweiten, es sei denn, es käme zu einer Rezession, überraschender Inflation oder einer schlecht gemanagten Welle von AI-Investitionen.

Wenn die Fundamentaldaten solide und die technischen Bedingungen günstig bleiben, könnten die Spreads bei Hochzinsanleihen noch länger innerhalb einer bestimmten Bandbreite bleiben. Die Auswahl von Emittenten mit starken Bilanzen und konjunkturunabhängigem Wachstum, moderater Verschuldung und geringem Refinanzierungsbedarf entscheidet über den Anlageerfolg.

Das Abwärtspotenzial ist asymmetrisch: Ein einziges negatives Ereignis kann sich direkt auf die Bewertungen auswirken, während die engen Spreads den Spielraum für eine weitere Straffung begrenzen. Insgesamt aber sind die Aussichten Hochzinsanleihen im Jahr 2026 stabil und robust.

Marketing-Mitteilung.
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