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Gold

Erleben wir erneut die Goldenen Zwanziger?

Der Goldpreis ist zuletzt gefallen. Für das nächste Jahr zeigen sich Marktexperten jedoch optimistisch – niedrige Realzinsen und wirtschaftspolitische Unsicherheiten dürften den Goldpreis wieder befeuern.

20.12.2019 | 15:13 Uhr von «Nina Bärschneider»

Die Deutschen sind für ihre Liebe zum Gold bekannt. Mit 3366 Tonnen bunkert die Bundesrepublik die zweitgrößten Goldreserven weltweit hinter den Vereinigten Staaten. Und auch als Anlage ist das gelbe Metall beliebt, gilt es doch für viele als krisenfest. Von Januar bis September ist der Goldpreis um insgesamt 20 Prozent gestiegen. Zuletzt jedoch ist er eingesackt – auf 1479 US-Dollar je Feinunze. Zu Jahresende dürfte sich mancher Investor bange fragen, ob es mit Gold nun weiter bergab geht.

Viele Marktexperten glauben das nicht. Im Gegenteil: Sie sehen gleich mehrere Gründe, die im kommenden Jahr für Gold sprechen. Das Edelmetall korreliert negativ mit dem Niveau der Realzinsen – sinkende Realzinsen machen Gold also attraktiver. Da die meisten Analysten im nächsten Jahr von weiterhin niedrigen oder sinkenden Zinsen ausgehen, sind sie zuversichtlich, was den Goldpreis angeht. Dazu kommen die zunehmend negativen Renditen auf Anleiheprodukte.

Carsten Fritsch, Edelmetallanalyst bei der Commerzbank, beobachtet: „Der einstige Nachteil von Gold, eine zinslose Anlage zu sein, ist bei Null- beziehungsweise Negativzinsen außer Kraft gesetzt. Stattdessen könnte man heute sagen, Gold ‚kostet‘ keine Zinsen.“ In seinerPrognose für das Jahr 2020 rechnet er damit, dass die Zinspolitik der Zentralbanken ultralocker bleiben wird. Für das zweite Quartal erwartet Fritsch sogar eine weitere Senkung des Leitzinses durch die US-Notenbank Federal Reserve (Fed). Auch die Anleihekäufe der Zentralbanken ließen darauf schließen, dass die Finanzwelt von einer Normalisierung der Geldpolitik noch weit entfernt sei.

Ein weiterer Preistreiber könnte die hohe Nachfrage der Zentralbanken nach Gold sein. Laut World Gold Council hätten sie weltweit im ersten Halbjahr 2019 netto etwa 374 Tonnen Gold gekauft, sagt Udo Rieder von der KSW Vermögensverwaltung AG. „Eine Risikovorsorge für die Zeit, in der die Stützungsmaßnahmen der Notenbanken die aufgeschobenen Probleme nicht mehr übertünchen können, lässt anscheinend auch die Währungshüter besser schlafen“, ist sich der Marktexperte sicher.

Alte Unsicherheiten bleiben, neue kommen hinzu

Dazu kommt, dass wirtschaftspolitische Unsicherheiten im Jahr 2020 bestehen bleiben – oder sogar neu hinzukommen. Zwar haben China und die USA einen Schritt in Sachen Handelsabkommen aufeinander zugemacht. Doch ein frecher Tweet des US-Präsidenten könnte diesen fragilen Frieden wieder ins Wanken bringen. Und obwohl der Brexit-Deal des britischen Premiers Boris Johnson bei den Unterhauswahlen am 12. Dezember breite Zustimmung fand, ist der Austritt Großbritanniens aus der EU noch nicht geklärt. Schließlich müssen Brüssel und London nun neue Regeln für den Handel finden. Finden sie keine gemeinsame Linie, könnte es doch noch zu einem harten Brexit kommen. Nicht zuletzt ist der Ausgang der US-Präsidentschaftswahlen im Jahr 2020 ungewiss – sodass Anleger womöglich verstärkt in „krisenfestes“ Gold investieren werden.

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