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Sparen ohne Zins: Die sechs goldenen Regeln der Finanzplaner

Die Zinsen bleiben im Dauertief. Für das Financial Planning Standards Board Anlass genug, neue Regeln für den Vermögensaufbau aufzustellen. Zur „World Investor Week“ hat der Verband der Finanzplaner eine neue Checkliste für den Vermögensaufbau veröffentlicht. Spoiler: Aktien und Gold spielen dabei eine Rolle.

04.10.2019 | 14:46 Uhr von «OIaf Wittrock»

Der Berufsverband der Finanzplaner ist beunruhigt. Weil die Europäische Zentralbank (EZB) einfach nicht aufhört, die Zinsen zu senken, gerät das gesamte Universum der Geldanlage aus dem Gleichgewicht. Ein Leitzins bei null Prozent, ein Einlagenzins bei -0,5 Prozent, dazu erneut Anleihekäufe: „Das ist eine Situation, auf die sich Anleger einstellen müssen. Denn der Zins als eine Art Gravitationszentrum wirkt auch auf alle anderen Anlageklassen“, sagt Rolf Tilmes, wissenschaftlicher Leiter des Private Finance Institute an der EBS Universität in Wiesbaden und Vorstandsvorsitzender des Financial Planning Standards Board Deutschland (FPSB). Die aktuelle EZB-Politik verzerre nämlich die Bewertung von Staats- und Unternehmensanleihen, und das wirke sich wiederum auf alle anderen Anlageklassen aus, weil Investoren verzweifelt Rendite suchen. „Das hat sämtliche Preise und Bewertungen nach oben gezogen, beispielsweise auch bei Aktien oder Immobilien“, sagt Tilmes.

Die Konsequenz: Kursschwankungen steigen, die Stimmung kann viele schneller kippen als sonst, und die Preisverzerrungen verschleiern den Blick auf die wahren Werte vieler Anlageprodukte. Weil sich die Lage so schnell nicht ändern wird, empfiehlt der FPSB als Berufsverband der Finanzplaner, sich auf diese neuen Spielregeln am Kapitalmarkt einzustellen. Anlässlich der World Investor Week, die heute zu Ende geht, haben die Finanzplaner eine neue Checkliste für Privatanleger veröffentlicht, die beim langfristigen Vermögensaufbau helfen soll. „All das umzusetzen, ist nicht so einfach wie es klingen mag“, sagt Tilmes: „Vor allem, da es dafür nicht nur Disziplin und Durchhaltevermögen braucht, sondern auch enormes Finanzwissen.“

Das sind die Tipps der Finanzplanungs-Profis:

  1. Hinterfragen Sie kritisch Ihre eigene Risikoeinstellung und legen Sie Ihre Anlageziele fest. Dies ist der erste wichtige Schritt, um zu einem individuell passenden Depot zu kommen.
  2. Angesichts der Negativzinsen führt an renditeträchtigen Anlagen wie Aktien kein Weg vorbei. Sie schwanken zwar kurzfristig stärker, langfristig geht deren Verlustwahrscheinlichkeit aber gegen Null. Wer also langfristig anlegt, kann mehr Aktien im Portfolio vertragen. Hilfreich kann hier die Faustformel ‚100 abzüglich Lebensalter‘ sein. Wer 30 Jahre ist und für den Ruhestand vorsorgt, kann ruhig 70 Prozent in Aktien gehen.
  3. Setzen Sie nie nur auf eine Anlageklasse, sondern diversifizieren Sie. Tatsächlich weisen Studien immer wieder nach, dass der größte Teil des Anlageerfolges auf die passende Zusammensetzung der verschiedenen Anlageklassen zurückzuführen ist. So sollten Anleger heute neben sicheren Staatsanleihen auch Aktien, Gold oder auch andere Anleihearten beim Portfolioaufbau berücksichtigen.
  4. Panik ist ein schlechter Ratgeber. Angesichts der starken, durch die Geo- und die Geldpolitik verursachten kurzfristigen Schwankungen, dürften viele Anleger versucht sein, immer wieder panikartig zu reagieren. Prozyklisches Verhalten kostet Anleger aber nachweislich viel Rendite. Bleiben Sie stattdessen bei Ihrer strategischen Allokation.
  5. Laufen Sie keinen Trends hinterher. Meistens sind diese ohnehin schon gelaufen. Konzentrieren Sie sich stattdessen auf Ihre langfristigen Ziele.
  6. Überprüfen Sie Ihr Portfolio regelmäßig. Schließlich können sich das Umfeld und die Muster am Kapitalmarkt immer wieder ändern. Das muss in einem professionell gemanagten Portfolio stets Berücksichtigung finden.

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