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Ich empfehle den Bellevue Medtech & Services

Medizintechnik: Innovation, Demografie und tiefe Bewertung treffen aufeinander.
Fonds

Christian Steiner, Leiter Fonds Strategien, Vermögensverwalter bei der Bayerischen Vermögen Management AG, über seinen neuen Fondsfavoriten.

16.10.2026 | 12:15 Uhr

Der Medtech-Sektor hatte es an der Börse zuletzt nicht leicht. Während sehr viel Kapital in KI-, Halbleiter- und Technologiewerte geflossen ist, wurden viele Qualitätsunternehmen aus der Medizintechnik eher vernachlässigt. Das ist insofern bemerkenswert, als die fundamentale Wachstumsstory aus meiner Sicht intakt geblieben ist.

Medizintechnik ist kein kurzfristiger Modetrend. Der globale Medtech-Markt wächst seit Jahrzehnten robust. Laut Bellevue Asset Management erzielte der Sektor seit 2015 ein durchschnittliches jährliches organisches Umsatzwachstum von rund sieben Prozent. Dahinter stehen mehrere strukturelle Treiber: eine alternde Bevölkerung, steigende Behandlungszahlen, technologische Innovationen und der Druck auf Gesundheitssysteme, bessere medizinische Ergebnisse effizienter zu erzielen.

Interessant ist derzeit vor allem die Bewertung. Medtech-Unternehmen wurden in den vergangenen Jahren deutlich günstiger bewertet. Viele Enttäuschungen scheinen inzwischen eingepreist zu sein, obwohl die Nachfrage nach medizinischen Eingriffen, Diagnostik und Gesundheitsdienstleistungen nicht verschwunden ist. Im Gegenteil: Die operative Entwicklung vieler Unternehmen bleibt solide.

Besonders spannend sind die neuen Produktzyklen. Bellevue fokussiert sich auf sogenannte Blockbuster-Märkte mit zweistelligem Wachstum. Dazu zählen kontinuierliche Glukosemessung, robotergestützte Chirurgie, transkatheterbasierte Eingriffe bei strukturellen Herzerkrankungen sowie Pulsfeldablation zur Behandlung von Herzrhythmusstörungen.

Vereinfacht ausgedrückt: Viele Eingriffe werden schonender, präziser und effizienter. Statt großer Operationen kommen zunehmend minimalinvasive Verfahren zum Einsatz. Patienten profitieren von kürzeren Erholungszeiten, Kliniken von effizienteren Abläufen und Unternehmen von wiederkehrender Nachfrage nach Geräten, Verbrauchsmaterialien und Serviceleistungen.

Ein Beispiel ist die Pulsfeldablation, kurz PFA. Dabei handelt es sich um ein modernes Verfahren zur Behandlung bestimmter Herzrhythmusstörungen. Der Markt steht noch am Anfang, dürfte aber in den kommenden Jahren stark wachsen. Ähnlich interessant ist die renale Denervation zur Behandlung von Bluthochdruck. Hier wird über einen minimalinvasiven Kathetereingriff versucht, überaktive Nerven rund um die Nieren zu beruhigen und damit den Blutdruck dauerhaft zu senken. Bellevue erwartet, dass dieser Markt von rund 40 Millionen US-Dollar im Jahr 2025 auf knapp 1,2 Milliarden US-Dollar im Jahr 2030 wachsen könnte.

Auch die kontinuierliche Glukosemessung bleibt ein wichtiger Wachstumstreiber. Millionen Diabetiker nutzen bereits Sensoren, um ihren Blutzucker in Echtzeit zu überwachen. Künftig könnten ähnliche Sensortechnologien auch für weitere Parameter eingesetzt werden, etwa für Kalium. Gerade bei Patienten mit chronischen Nieren- oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen kann dies medizinisch relevant sein.

Der Bellevue Medtech & Services (ISIN LU0415391431) investiert weltweit in Unternehmen aus den Bereichen Medizintechnik und Gesundheitsdienstleistungen. Der Fonds setzt dabei auf fundamentale Bottom-up-Analyse. Im Mittelpunkt stehen medizinischer Nutzen, mögliche Einsparungen im Gesundheitssystem, Marktpotenzial und die Qualität der Geschäftsmodelle. Der Fonds ist kein Biotech-Fonds im klassischen Sinne. Es geht weniger um binäre Studienereignisse, sondern stärker um etablierte Unternehmen mit Produkten, Umsätzen, Margen und oft hohen Eintrittsbarrieren.

Das Portfolio ist überwiegend in Large Caps investiert. Laut Bellevue liegt der Large-Cap-Anteil bei über 95 Prozent. Für das Portfolio erwartet Bellevue über den Zeitraum 2025 bis 2029 ein durchschnittliches jährliches Umsatzwachstum von rund acht Prozent und ein Gewinnwachstum von rund 13 Prozent. Das ist für einen Sektor, der zugleich relativ defensiv und nicht vollständig konjunkturabhängig ist, durchaus attraktiv.

Ein weiterer Punkt wird oft unterschätzt: Healthcare Services. Krankenversicherer und Gesundheitsdienstleister können von höheren Prämien, stabileren medizinischen Kostentrends und Effizienzgewinnen durch KI profitieren. Damit besteht der Fonds nicht nur aus klassischen Medizintechnikherstellern, sondern nutzt zusätzlich einen zweiten möglichen Performance-Treiber innerhalb des Gesundheitswesens.

Fazit: Wer einen Gesundheitsfonds sucht, der nicht primär auf binäre Biotech-Wetten setzt, sondern auf Medizintechnik, Gesundheitsdienstleistungen, Innovation und demografisches Wachstum, sollte sich den Fonds genauer anschauen. Er bietet einen fokussierten Zugang zu einem Sektor, der derzeit aus meiner Sicht mehr Substanz bietet, als die aktuelle Bewertung vermuten lässt.


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