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Ein EZB Song Contest?

Der EZB-Präsident muss ein Mannschaftsspieler sein
Ein EZB Song Contest?
06/2019
Stefan Gerlach
Project Syndicate

@ Feedback an Redaktion

Man kann sich des Gefühls nicht erwehren, dass das Rennen um die Nachfolge von Mario Draghi als Präsident der Europäischen Zentralbank den Geschmack der Endrunde des Eurovision Song Contest angenommen hat.

18.06.2019 | 09:00 Uhr

Die Regierungen wollen, dass ein Kandidat aus ihrem Land gewinnt, weil sie das gut aussehen lässt, und nicht, weil ein derartiger Kandidat die EZB-Politik zwangsläufig verbessern würde. Ein Merkmal dieses Bestallungsverfahrens dürfte fast mit Sicherheit eine Abstimmung in Blöcken sein, bei der sich die nördlichen und südlichen Mitgliedstaaten der Europäischen Union gegenüberstehen. Und absurderweise argumentieren einige Kommentatoren, dass jetzt ihr Land als Gewinner an der Reihe sei.

Dies ist eindeutig der falsche Ansatz. Stattdessen sollten sich die EU-Mitgliedstaaten fragen, welche Kriterien ein Kandidat erfüllen muss, um ein effektiver EZB-Präsident zu sein, und dann nach der Person suchen, die diese Kriterien am besten erfüllt. Drei Anforderungen ragen dabei heraus.

Zunächst einmal muss der Präsident ein Mannschaftsspieler sein. Jene Journalisten und Kommentatoren, die mit der unkonventionellen Politik der Bank unter Draghi nicht einverstanden waren, vergessen häufig, dass der EZB-Präsident nicht die politische Linie festlegt, sondern vielmehr bei den Sitzungen des EZB-Rates, auf denen die Entscheidungen darüber getroffen werden, den Vorsitz führt.

Obwohl sich diese Kritiker zweifellos wünschen, dass der neue Präsident mit der Abrissbirne an die EZB-Entscheidungen des vergangenen Jahrzehnts herangeht, gibt es keine Hinweise darauf, dass die übrigen Ratsmitglieder das zulassen werden. Sie haben angesichts der schrecklichen Probleme, mit denen sich die EZB auseinandersetzen musste, im Gegenteil gute Gründe, ihre früheren Entscheidungen als überraschend erfolgreich zu betrachten. Künftige Währungshistoriker dürften dem zustimmen.

Zudem könnte die Ernennung eines Präsidenten, der die früheren Entscheidungen der EZB energisch ablehnt, es deutlich erschweren, im EZB-Rat jene breit aufgestellten Übereinkünfte zu treffen, die das Markenzeichen guter politischer Entscheidungsfindung sind. Eine dysfunktionale EZB zu riskieren scheint im Moment keine kluge Entscheidung.

Zweitens braucht der EZB-Präsident einen soliden Hintergrund in Ökonomie. Zwar loben die Mitarbeiter der Fed im vertraulichen Gespräch regelmäßig US-Notenbankchef Jerome Powells gründliches Verständnis wirtschaftswissenschaftlicher Fragen, obwohl dieser keinen Doktor in der „traurigen Wissenschaft“ hat. Doch ist Powell eine seltene Ausnahme von der Regel, dass eine formelle Bildung in ihrem Fach für Notenbankpräsidenten unverzichtbar ist.

Manche mögen argumentieren, dass die Festlegung der Geldpolitik genau wie das Fliegen eines Passagierflugzeugs nicht schwierig sei. Das mag zu normalen Zeiten stimmen, wenn der Verlass auf simple quantitative Leitlinien wie die Taylor-Regel zu im Großen und Ganzen angemessenen politischen Entscheidungen führt. Auch ein Kopilot mit relativ wenig Erfahrung wird beim Steuern des Flugzeugs zumeist keine Probleme haben.

Doch in einer Krise, in der vorherrschende wirtschaftliche Konzepte – wie die von der Phillips-Kurve postulierte inverse Beziehung zwischen Inflation und Arbeitslosigkeit – häufig versagen und Lösungen aus dem Lehrbuch nicht mehr funktionieren, liegen die Dinge anders. Und weil die Unsicherheit dann in der Regel sprunghaft zunimmt, müssen die Notenbanken schnell und entschlossen handeln, um eine erwartungsbedingte Verfestigung der Probleme zu verhindern.

Natürlich bemühen sich die Notenbanker immer um Hilfe ihrer Berater. In einer Krise jedoch fallen die politischen Ratschläge häufig widersprüchlich aus. Darüber hinaus werden Juristen häufig argumentieren, dass eine innovative politische Idee juristische Auseinandersetzungen auslösen könnte und daher am besten zu vermeiden sei. Es ist daher kaum überraschend, dass die Notenbanken häufig dafür kritisiert werden, dass sie zu wenig täten, und das zu spät.

Genau wie die Fluggäste sich einen erfahrenen Piloten wünschen, wenn ihr Flugzeug ein Problem entwickelt, erfordert eine Wirtschafts- oder Finanzkrise einen Notenbanker mit klarer Auffassung davon, was zu tun ist, und dem Selbstbewusstsein, entschlossen zu handeln. Dies wiederum erfordert ein Verständnis der möglicherweise auftretenden Probleme aus erster Hand. Ein Grund, warum die US Federal Reserve nach dem Zusammenbruch von Lehman Brothers im September 2008 so rasch und wirksam handelte, war, dass Notenbankchef Ben Bernanke einen Großteil seiner Karriere als Wirtschaftsprofessor mit dem Studium der während der Großen Depression gemachten Fehler zugebracht hatte.

Drittens muss der neue EZB-Präsident die Vielfalt der Eurozone widerspiegeln. Es sollte die am besten geeignete Person ernannt werden, und kein EU-Mitgliedstaat hat ein Monopol auf gute Kandidaten. Aus Gründen der Legitimität sollte die Präsidentschaft im Idealfall zwischen großen und kleinen Ländern und zwischen Nord- und Südeuropa alternieren. Insofern ist zu erwarten, dass die Entscheidung über den nächsten EZB-Präsidenten durch die Wahl eines Südeuropäers aus einem großen Land zum Vizepräsidenten der Bank im letzten Jahr beeinflusst werden dürfte.

Zu guter Letzt wäre zu hoffen, dass zu den wichtigsten Bewerbern auf die Position auch mehrere Frauen gehörten. Doch sofern nicht die geschäftsführende Direktorin des IWF Christine Lagarde ihren Hut in den Ring wirft, wird es möglicherweise keine aussichtsreichen Kandidatinnen geben. Das wäre zutiefst bedauernswert und würde nicht zum Grundtenor unserer Zeit passen.

Stefan Gerlach
Stefan Gerlach
Stefan Gerlach

Stefan Gerlach ist Chefökonom der EFG Bank in Zürich.

Copyright: Project Syndicate

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