Capital Group: Schwellenländeranleihen hängen an der Weltwirtschaft und besonders an China

Capital Group: Schwellenländeranleihen hängen an der Weltwirtschaft und besonders an China

Viele Schwellenländer sehen sich derzeit mit der Krise eines reduzierten globalen Wachstums, niedrigeren Rohstoffpreisen und lokalen Ausbrüchen des Coronavirus konfrontiert.

19.05.2020 | 11:10 Uhr

Kirstie Spence, Portfoliomanagerin bei Capital Group, erläutert die Folgen der Pandemie auf die Kreditmärkte der Emerging Markets:

„Nachdem zu Beginn der COVID-19-Pandemie auf allen Kreditmärkten miteinander korrelierende Rückgänge zu beobachten waren, fand zeitnah danach eine Differenzierung statt. Es bildete sich ein asymmetrisches Renditeprofil. Der hochverzinsliche in Dollar denominierte Teil der Anlageklasse, der in Relation zum Ölpreis steht, erlebte einen deutlich schnelleren Abverkauf als Investmentgrade-Anleihen und diversifizierte Volkswirtschaften. Auf dem Höhepunkt der Krise fielen einige Anleihen um mehr als 60 Punkte, so beispielsweise Titel aus Angola. Andere fielen „nur“ um zehn bis 15 Punkte – was ungefähr im Einklang mit den Verlusten der US-Kredite steht. Lokalwährungsanleihen können Chancen innerhalb der Assetklasse der Schwellenländeranleihen mit sich bringen. Zwar fand auch bei diesen ein Abverkauf statt, jedoch nur im begrenzten Umfang. Zum Vergleich: Während Lokalwährungsanleihen nur um ein Prozent zurückgingen, hat der in Dollar denominierte Teil der Assetklasse zweistellige Rückgänge verzeichnet.“

„Obwohl sich die Liquidität noch nicht normalisiert hat, haben sich die Zu- und Abflüsse leicht erholt. Das spricht für die Entwicklung der Assetklasse – sowohl bei Onshore- als auch bei Offshore-Akteuren. Insgesamt sind die Menschen hinsichtlich der wirtschaftlichen Folgen der Pandemie mittlerweile etwas optimistischer geworden. Dies wird sich auch auf solche Assetklassen auswirken, die nicht von der Federal Reserve unterstützt werden. Insgesamt wird die Nachfrage davon abhängen, wie sich das Virus weiterverbreitet und wie lange die Wirtschaft noch eingeschränkt agieren muss. Weitere Faktoren sind aber das chinesische Wachstum, die Geldpolitik sowie die Unterstützung mit Liquidität und es sieht bereits so aus, als würde sich die Dynamik der Zuflüsse verbessern.“

„Während anfangs nur wenige direkte wirtschaftliche Eingriffe in den Emerging Markets zu beobachten waren, sind inzwischen einige Reaktionen zu sehen – jeweils abhängig von den geld- und fiskalpolitischen Spielräumen der einzelnen Länder. Die meisten haben geldpolitische Lockerungen vorgenommen – entweder durch die Bereitstellung von Liquidität oder durch Zinssenkungen. Auch wenn die hauptsächliche Herausforderung in den geschwächten Währungen liegt, glauben wir, dass die Maßnahmen eine sinnvolle politische Reaktion der Schwellenländer darstellen und den Druck auf sie reduzieren können. Zeitgleich erhöhen sie auf längere Sicht jedoch auch das Schuldenrefinanzierungs- und das Inflationsrisiko, so dass die Länder damit vorsichtig agieren müssen.“

„Die Renditekurven der Schwellenländeranleihen sind in Folge der monetären Stimuli deutlich steiler geworden. Die Spannweite reicht dabei von leicht steil in Mexiko und Indien, bis hin zu sehr steil in Südafrika. Diese Reaktion der lokalen Renditekurven auf die Zinssenkungen demonstriert die Bedeutung der Leitzinsen und ist eine logische Reaktion des Marktes auf die voraussichtlichen wirtschaftlichen Ergebnisse.“

„Die Form, in der sich die Weltwirtschaft erholen wird, ist auch für die Erholung der Schwellenländer ausschlaggebend. Diese Nationen sind stark in die globale Wirtschaft integriert und insbesondere von den Aussichten für China abhängig. China verfügt noch immer über reichlich politische Möglichkeiten, die es bei Bedarf nutzen könnte. Das könnte sich auch auf viele weitere Emerging Markets unterstützend auswirken.“

„Ich persönlich gehe davon aus, dass sich die Weltwirtschaft in einer W-Form erholen wird, da sie auf dem Weg zur Erholung verschiedene Hürden nehmen muss. In diesem Jahr erwarte ich keine kräftige Erholung der Vermögenspreise. Ich glaube aber, dass diese irgendwann kommen wird – auch wenn noch nicht valide bestimmbar ist, ob dies in Form eines schnellen und starken Anstiegs oder in einem volatilen, aber fortlaufenden Aufwärtstrend über die kommenden 18 Monate geschehen wird. Unseres Erachtens nach sind die Bewertungen derzeit attraktiv, wenn man diese langfristige Perspektive berücksichtigt.“

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