Capital Group: Ausblick 2020 – Auch in Schwellenländern entscheiden die Fundamentaldaten

Capital Group: Ausblick 2020 – Auch in Schwellenländern entscheiden die Fundamentaldaten

„Einzelwerte sind heute wichtiger denn je – auch in Schwellenländern“, sagt David Polak, Investmentdirektor Aktien bei Capital Group. Länderspezifische Themen hätten zwar noch immer Auswirkungen auf Unternehmensgewinne, führende Firmen könnten sich jedoch gegen diese behaupten.

09.01.2020 | 11:22 Uhr

Bei Diversifikation nicht nur auf Regionen setzen

„Früher waren Emerging-Market-Anlagen vergleichsweise neu, und die Konjunktur eines Landes bestimmte die Erträge der ansässigen Unternehmen“, so Polak. Folglich sei es in diesen Zeiten auch noch einfacher gewesen, sein Geld diversifiziert anzulegen. Investoren hätten ihre Aktienportfolios einfach auf Regionen aufteilen können. Durch die Globalisierung habe dieser Ansatz jedoch an Bedeutung verloren. Eine Studie von Empirical Research Partners verdeutlicht, wie entscheidend die Regionen lange Zeit waren: So seien im Jahr 1992 die meisten Schwellenländerunternehmen abhängig von ihrer Sektor- und Länderzugehörigkeit gewesen. Der Studie zufolge hätten nur 36 Prozent der Erträge in Zusammenhang mit dem Unternehmen selbst gestanden.

Konjunktur rückt in den Hintergrund

„Die Emerging-Market-Unternehmen wurden als Einheit angesehen, als wachstumsstärkere, aber auch risikoreichere Titel. Das hat sich geändert“, so Polak. Grund dafür sei, dass sich einige der Unternehmen aus den Emerging Markets heutzutage erfolgreich am Weltmarkt etabliert hätten. Folglich ließen sich heute 65 Prozent der Aktienerträge von Schwellenländerunternehmen durch unternehmensspezifische Faktoren erklären. „In den Industrieländern ist der Anteil genauso hoch“, sagt Polak. Folglich rät er: „Egal, wo Sie investieren: Auf die Fundamentaldaten kommt es an.“ Einzelwertanalysen könnten den Unterschied zwischen einer Anlage in ein Unternehmen, das sich der Konjunktur geschlagen geben muss und einem Unternehmen, das zur nächsten Wachstumsstory wird, machen.

Schwellenländeranleihen bieten attraktiven Risikoausgleich

Insgesamt scheine sich die Konjunktur in den Emerging Markets darüber hinaus aber langsam auch wieder zu stabilisieren, meint Jeremy Cunningham, Fixed Income Investment Director bei Capital Group. So seien viele länderspezifische Risiken zurückgegangen, beispielsweise in Argentinien, Brasilien oder der Türkei. Generell böten Emerging-Market-Anleihen (vor allem Lokalwährungs-Staatsanleihen) einen sehr guten Ausgleich für ihre Risiken. „Auch wenn die Realrenditen zurückgegangen sind, bleiben sie gemessen an den Renditen der Industrieländer attraktiv – denn die Inflation ist meist niedrig, und die Nominalzinsen sind recht hoch“, sagt Cunningham. Die Währungen der Schwellenländer sollten von ihrer früheren Abwertung, der geringeren Abhängigkeit von ausländischem Kapital und den zahlreichen Emissionen von Lokalwährungspapieren profitieren. Ebenso dürfte die weltweit expansive Geldpolitik der Assetklasse nützen. Risikofaktoren wären hingegen eine mögliche Rezession in den USA sowie ein Abbruch der Handelsgespräche zwischen den USA und China.

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