abrdn: Schwellenländer – Welche Firmen tragen zur Erreichung der UN SDGs bei?

abrdn: Schwellenländer – Welche Firmen tragen zur Erreichung der UN SDGs bei?

Die 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung (Sustainable Development Goals, SDGs) der Vereinten Nationen wurden 2015 beschlossen und stellen eine Reihe globaler Prioritäten dar, die für eine nachhaltige wirtschaftliche, gesellschaftliche und ökologische Entwicklung sorgen sollen.

15.02.2022 | 08:46 Uhr

Sie legen den Fokus auf eine breite Palette an Belangen, darunter Armut, Ungleichheit, Klimawandel, Umweltverschmutzung und soziale Ungerechtigkeit. Unseres Erachtens sind die SDGs vor allem für die Schwellenländer (Emerging Markets, EM) von Bedeutung. Viele dieser Länder haben schnell wachsende Volkswirtschaften, sehen sich aber nach wie vor den anhaltenden Auswirkungen von zu geringen Investitionen in wichtigen, unterversorgten Bereichen gegenüber. Glücklicherweise sind aber einige der innovativsten Unternehmen, die bei der Lösung einer Vielzahl dieser Probleme helfen können, in diesen Regionen selbst zu finden. Diese Gelegenheiten lassen sich über verschiedene Länder und Sektoren hinweg finden. Wie gestaltet sich dies in der Praxis?

SDG 15 – Nachhaltige Immobilien und Infrastruktur

Wenden wir uns zunächst Indien und dem Ascendas India Trust (AIT) zu. Dieser erwirbt, besitzt und entwickelt Grundstücke für Geschäftszwecke. Zu seinem Portfolio zählen sieben IT-Parks und ein Logistikpark. 2020 meldete das Unternehmen, dass 77% der in seinem Portfolio enthaltenen Immobilien mit einem grünen Rating des Indian Green Building Council oder des US Green Council (LEED-Rating) zertifiziert sind. AIT bestätigte überdies, dass rund 78% der Umsätze aus grünen Gebäuden stammen. Darüber hinaus wird der gesamte vermieterseitige Energieverbrauch Angaben der Unternehmensleitung zufolge zu 49% durch Solarkraft gedeckt. Außerdem war das Unternehmen in der Lage, den Wasserverbrauch um 53% zu verringern.

Wir kamen jüngst mit AIT zusammen, um eine Reihe von Nachhaltigkeitsthemen anzusprechen. Dazu zählten ein noch stärkerer Fokus des Unternehmens auf grüne Gebäude sowie die Vorteile, die diese mit sich bringen könnten. Wir sprachen auch über die Pläne des Unternehmens bezüglich einer grünen Zertifizierung für seine Warenlager. Das Treffen stimmte uns zuversichtlich.

Unseres Erachtens ist das Unternehmen führend im Bereich nachhaltiger Gebäude in Indien – ein Markt, an dem für die Infrastruktur Modernisierungsmaßnahmen erforderlich sind und die Nachfrage nach hochwertigen Gebäuden weiterhin solide ausfällt. Allerdings muss der breitere Markt die Qualitäten von AIT erst noch erkennen. Dies könnte sich unserer Ansicht nach ändern, da das Unternehmen seine Offenlegungen in Bezug auf das Thema Nachhaltigkeit weiter verbessert.

SDG 12 – Kreislaufwirtschaft

Für ein ähnliches Immobilienthema steht in China das Unternehmen Glodon. Dieses stellt Software-Produkte und -Dienstleistungen zur Verfügung, die den gesamten Lebenszyklus eines Gebäudes abdecken. Die Software des Unternehmens für den Bereich Building Information Modeling ermöglicht es Firmen, komplexe Bauvorhaben zu steuern und die Planungsgenauigkeit zu verbessern. Dies unterstützt Immobilienentwickler dabei, Ineffizienzen und Abfall zu reduzieren sowie den ökologischen Fußabdruck insgesamt zu begrenzen. Die Systeme von Glodon tragen überdies dazu bei, das Gebäudemanagement zu optimieren, sobalddie Immobilien bezogen werden, wodurch die Effizienz weiter gesteigert und der Abfall reduziert wird.

Die Expertise und die Technologie von Glodon sind offenbar sehr gefragt. Dies gilt vor allem für den Heimatmarkt China, wo Baumängel und hohe Energiekosten viele Bereiche des Immobiliensektors in Mitleidenschaft ziehen. Glodon und andere vergleichbare Unternehmen dürften unerlässlich sein, wenn es darum geht, diese Probleme anzugehen. Sie verfügen überdies über das Potenzial, eine Vorreiterrolle einzunehmen, da die Immobilienentwickler in den Schwellenländern die grünen und nachhaltigen Städte von Morgen schaffen.

SDG 3 – Gute Gesundheit und Wohlergehen

Eine gute Gesundheit und Wohlergehen stellen in vielen Schwellenländern weiterhin wesentliche Herausforderungen dar, insbesondere im Hinblick auf Zugang und Kosten. Hier kommen Unternehmen wie Shenzhen Mindray Biomedical Electronics aus China ins Spiel. Der Konzern stellt essenzielle medizinische Geräte her, die unerlässliche Gesundheitsdienstleistungen erbringen, insbesondere in Bereichen wie lebenserhaltende Maßnahmen, In-Vitro-Diagnostik und medizinische Bildgebung. Unserer Analyse zufolge sind die Produkte des Unternehmens kostengünstiger als jene der globalen Mitbewerber und können auch in Sachen Qualität mit diesen mithalten.

Mindray stößt auch immer weiter in ländliche Gebiete Chinas vor. Hier mangelt es den bestehenden Gesundheitseinrichtungen oftmals an den fortschrittlichen Dienstleistungen, die in sekundären/tertiären Krankenhäuser in größeren Ballungsgebieten angeboten werden. Somit können Unternehmen wie Mindray durch die Aufrüstung von Gesundheitseinrichtungen in ländlichen Gebieten den Zugang zu einer besseren Gesundheitsversorgung verbessern. Dies hat wiederum bessere medizinische Ergebnisse sowie eine insgesamt gesündere Bevölkerung zur Folge. Einen wichtigen Expansionstreiber sehen wir in den niedrigeren Kosten für im Inland hergestellte Ausrüstung im Vergleich zu Importen.

Es gibt Bereiche, in denen bei Mindray noch Verbesserungsbedarf besteht, allen voran die CO2-Emissionen, die Offenlegung und die Unabhängigkeit des Verwaltungsrates. Dennoch nimmt Mindray zusammen mit anderen Unternehmen unserer Ansicht nach eine Vorreiterrolle ein, wenn es darum geht, die Gesundheitsergebnisse dort zu verbessern, wo es am nötigsten ist.

SDG 7 – Nachhaltige Energie

In Taiwan hätten wir Chroma Ate. Das Unternehmen ist einer der weltweit größten Anbieter von Testdienstleistungen für Elektrofahrzeuge. Dessen Haupttätigkeit wird als weniger bedeutend erachtet als andere Segmente der Wertschöpfungskette von Elektrofahrzeugen und daher vielfach außer Acht gelassen. Dennoch sind wir der Ansicht, dass sich das Unternehmen im Zuge der Veränderungen im Testwesen als immer wichtiger erweisen wird. Chroma legt den Fokus überdies darauf, sein Exposure im Bereich saubere Technologien auszubauen, so etwa in den Segmenten LED, Solarzellen und Batterien. Weitere, aus struktureller Sicht interessante Bereiche sind beispielsweise 3D-Tests und Halbleiter. Da auch die Transportbranche ihren Teil zum globalen Übergang zu Netto-Null-Emissionen beiträgt, dürften diese Segmente weiter wachsen.

Bei den oben genannten Unternehmen Firmen handelt es sich nur um eine kleine Auswahl an innovativen Konzernen, die in den Schwellenländern tätig sind. Andere nennenswerte Unternehmen sind Segezha, das eine wichtige Rolle bei der Förderung von Best Practices in Bezug auf die Entwicklung einer nachhaltigen Forstwirtschaft in Russland spielt. Oder Gentera aus Mexiko, das zur finanziellen Inklusion beiträgt. Die Liste lässt sich beliebig fortführen.

Schlussbetrachtung ...

Wir sind davon überzeugt, dass Anlagen, die sich an den SDGs orientieren, konkrete Möglichkeiten bieten, einen positiven Beitrag zur Gesellschaft und der Welt im Ganzen zu leisten sowie gleichzeitig ihren eigenen langfristigen finanziellen Wert zu steigern. Als Vermögensverwalter können wir auch unseren Teil beitragen, indem wir Kapital effektiv in diese innovativen Unternehmen lenken, während wir gleichzeitig versuchen, unseren Kunden dabei zu helfen, ihre eigenen finanziellen Ziele zu erreichen.

Die Unternehmensauswahl dient lediglich Illustrationszwecken und als Beispiel für den beschriebenen Anlagestil, sie stellt keinerlei Anlageempfehlung oder Hinweis auf die künftige Entwicklung dar.

Investitionen beinhalten Risiken. Der Wert von Anlagen und die daraus entstehenden Erträge können sowohl fallen als auch steigen, und es ist möglich, dass ein Investor weniger als den investierten Betrag zurückerhält. Die Wertentwicklung in der Vergangenheit lässt keine Rückschlüsse auf zukünftige Ergebnisse zu.

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