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Deutsche Bank: "Wir gehen nicht davon aus, dass 2016 und 2017 starke Jahre sein werden."

Deutsche Bank baut radikal um.

Im Zuge der neuen Strategie will die Deutsche Bank konzernweit mit gut 25.000 Stellen weniger auskommen und zieht sich aus zehn Auslandsmärkten zurück. "2018 dürfte ein entscheidendes Jahr für uns sein, bis dahin werden wir ein zufriedenstellendes Niveau bei den Gewinnen haben", erklärt Deutsche-Bank-Chef Cryan seine Ziele.

29.10.2015 | 13:50 Uhr von «Teresa Laukötter»

Auf seiner ersten Pressekonferenz seit seinem Amtsantritt am 1. Juli betonte Deutsche-Bank-Chef Cryan, dass Deutschlands größtes Geldhaus einfacher und effizienter werden müsse. Bereits 2018 will das neue Management die Früchte des harten Umbaus ernten. Zu diesem Zweck wird der Bank ein radikaler Sparkurs auferlegt. Auch den Aktionären verlangt der Vorstand Bescheidenheit ab: Die Dividende für 2015 und 2016 fällt aus - erstmals in der Nachkriegsgeschichte.

Im eigenen Haus sind ebenfalls drastische Einschnitte geplant: unter dem Strich werden 9000 Arbeitsplätze abgebaut, 4000 davon im Heimatmarkt Deutschland. Wie stark der Stellenabbau die einzelnen Sparten treffen wird, führte das Management nicht aus.

Die Schließung der bereits im April beschlossenen 200 der 700 eignen Filialien bis Ende 2017 werde vor allem Ballungsräume treffen, erklärte der neue Privatkundenchef Christian Sewing: "Wir werden weiterhin mit über 500 Filialen in Deutschland präsent sein und damit die Fläche sehr gut abdecken."

Erheblich schrumpfen wird die Belegschaft des Dax-Konzerns zusätzlich über den Verkauf von Beteiligungen - vor allem durch die ebenfalls bereits im April beschlossene Trennung von der Postbank. Dies verringert den Mitarbeiterstamm in den nächsten zwei Jahren um weitere etwa 20 000 Vollzeitkräfte. Insgesamt wird der Mitarbeiterstamm des Deutsche-Bank-Konzerns somit bis 2018 um ein Viertel auf etwa 77 000 Vollzeitkräfte schrumpfen.

"Ich versichere ihnen, dass wir diesen Stellenabbau auf eine faire Art und Weise in Rücksprache mit unseren Betriebsräten vornehmen werden", sagte Cryan. Die Gewerkschaft Verdi, deren Chef Frank Bsirske im Deutsche-Bank-Aufsichtsrat sitzt, mahnte zu einem sozialverträglichen Umbau: "Wir erwarten, dass für die Dauer des Umbaus betriebsbedingte Kündigungen ausgeschlossen werden", erklärte Bsirske in einer Mitteilung.

Zudem wird sich die Deutsche Bank aus zehn Ländern komplett zurückziehen: Argentinien, Chile, Mexiko, Peru, Uruguay, Dänemark, Finnland, Norwegen, Malta und Neuseeland. An ihrem großen Privatkundengeschäft in Italien und Spanien hingegen hält die Bank fest.

Auch im Investmentbanking stellt die Bank etliche Handelsgeschäfte ein. Zeitgleich betonte das neue Management aber, dass das Anleihengeschäft weiterhin Kernbestandteil bleibe. Dem Institut machen die immer strengeren Kapitalanforderungen zu schaffen, viele Geschäfte gerade im schwankungsanfälligen Kapitalmarktgeschäft lohnen sich nicht mehr.

Insgesamt soll der selbstauferlegte Sparkurs die Kosten um brutto rund 3,8 Milliarden Euro drücken. Die Kosten für den Umbau inklusive Abfindungen bezifferte das Geldhaus auf rund 3,0 bis 3,5 Milliarden Euro.

Nach einem Rekordverlust von sechs Milliarden Euro im dritten Quartal geht der Vorstand von roten Zahlen für das Gesamtjahr aus: "Wenn nicht ein Wunder passiert, werden wir einen Verlust für 2015 ausweisen", sagte Cryan. Der Grund: Milliardenschwere Abschreibungen im Investmentbanking und im Privatkundengeschäft.

Zudem ist die Bank in einige Rechtsstreitigkeiten verwickelt, für die Rückstellungen gebildet werden mussten. 4,8 Milliarden Euro hat die Bank daher zurzeit für ihre Altlasten zurückgelegt. Seit 2012 musste die Bank rund 12 Milliarden Euro für Verfehlungen wie Zinsmanipulationen und fragwürdige Hypothekengeschäfte zahlen.

"Wir gehen nicht davon aus, dass 2016 und 2017 starke Jahre sein werden. Die Kosten für Rechtsstreitigkeiten und regulatorische Aufwendungen werden unsere Ergebnisse belasten", mahnt Cryan. "2018 dürfte ein entscheidendes Jahr für uns sein, bis dahin werden wir ein zufriedenstellendes Niveau bei den Gewinnen haben."

Der ehemalige UBS-Finanzvorstand Cryan hatte zum 1. Juli Anshu Jain an der Führungsspitze der Bank abgelöst. Der zweite Co-Chef Jürgen Fitschen bleibt noch bis zur Hauptversammlung im Mai 2016 im Amt, ehe der Brite allein das Ruder übernimmt.

(TL) / Copyright: Deutsche Presse-Agentur (dpa)

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