Die National Security Strategy (NSS) der Vereinigten Staaten treibt eine neue Weltordnung voran.
23.01.2026 | 06:00 Uhr
Die „Donroe-Doktrin“ wird die US-Interessen stärken und die Lieferketten insbesondere mit Blick auf die Rohstoffe neu ordnen
Im November 2025 wurde die „National Security Strategy“ (NSS) der Vereinigten Staaten veröffentlicht in der nochmal klar artikuliert wurde, dass das Ziel „America First“ verfolgt wird und man bestrebt sei weiterhin die mächtigste und erfolgreichste Nation der Welt zu bleiben. Die Außenpolitik hat als alleiniges Ziel die nationalen Interessen zu schützen, dabei kann der Fokus nicht auf jedem Land oder Problem liegen, sondern ausschließlich auf Themen, die die nationalen Interessen gefährden. Dabei wird die vorherige Strategie in Richtung Globalisierung und free trade stark kritisiert, da diese Vorgehensweise die heimische Industrie und den Mittelstand belastet hat. Die neue Strategie wird dabei klassisch definiert als Verbindung von klar definierten Zielen (Ends) mit realistisch verfügbaren Mitteln (Means).
Die Strategie formuliert ein umfassendes, aber klar hierarchisiertes Zielsystem:
Außenpolitisch leiten sich daraus fünf Kerninteressen ab: Stabilität in der westlichen Hemisphäre, wirtschaftliche und strategische Konkurrenzfähigkeit im Indo-Pazifik, ein handlungsfähiges Europa, Machtbalance im Nahen Osten sowie globale Durchsetzung US-amerikanischer Technologie- und Standards.
Die weltweit einzigartigen Machtressourcen (größte Volkswirtschaft; militärische Überlegenheit, technologische Führerschaft, US-Dollar als Leitwährung etc.) sollen durch innenpolitische Maßnahmen verstärkt werden, insbesondere durch Deregulierung, Reindustrialisierung, Energieausbau, Steuererleichterungen und Investitionen in Zukunftstechnologien.
Zusammenfassend markiert die National Security Strategy 2025 eine konsequent interessengeleitete, machtpolitisch fundierte und innenpolitisch rückgebundene Ausrichtung der US-Außen- und Sicherheitspolitik. Sie verzichtet bewusst auf globale Ordnungsansprüche zugunsten klarer Prioritäten, ökonomischer Stärke und nationaler Souveränität. Sicherheit wird umfassend verstanden – militärisch, wirtschaftlich, technologisch und gesellschaftlich.
Welche Konsequenzen leiten sich daraus für die Geopolitik und die Kapitalmärkte ab?
Die USA beanspruchen in der westlichen Hemisphäre erneut strategische Vorherrschaft („Trump-Korollar zur Monroe-Doktrin“). Ziele sind Migrationskontrolle, Bekämpfung von Kartellen, Ausschluss externer Mächte und Sicherung kritischer Infrastruktur. Wirtschaftliche Integration und sicherheitspolitischer Druck sollen Hand in Hand gehen. Eine erste Umsetzung dieser Ideologie haben wir bereits Anfang des Jahres durch die Absetzung des Machthabers in Venezuela Nicolás Maduro gesehen. Es muss damit gerechnet werden, dass weitere Länder in der westlichen Hemisphäre unter Druck geraten, die strategische Rohstoffreserven haben, hohem ausländischen Einfluss (v.a. seitens China und Russland) unterliegen und einen negativen Wanderungssaldo aufweisen. Als Legitimation wird oftmals die Bekämpfung von Drogenkartellen angeführt. In der sog. „Donroe-Doktrin“ (Neuinterpretation und Verschärfung der Monroe-Doktrin innerhalb der US-Außen- und Sicherheitspolitik) möchte man zudem die Lieferketten und den Zugang zu kritischen Rohstoffen sichern. Anders als frühere US-Ansätze akzeptiert das Trump-Korollar: offenen wirtschaftlichen Druck, Sanktionen, militärische Präsenz, selektive Gewaltanwendung als legitime Mittel zur Ordnung der Hemisphäre. Wir gehen davon aus, dass die Maßnahmen die US-Wirtschaft unterstützen.Gleichzeitig ist die US-Administration bestrebt erweiterten Zugriff auf Energieressourcen wie bspw. in Venezuela zu erlangen und Energie für US-Verbraucher erschwinglich zu halten. Zudem gehen wir davon aus, dass die Militärausgaben weiter erhöht werden. Die geopolitische Risikoprämie sollte zudem sichere Häfen wie das Gold unterstützen.
Für Europa bedeutet das aber, dass die USA ein verteidigungsfähiges Europa wollen, das seine sicherheitspolitische Hauptverantwortung selbst trägt. Dies dürfte sich auch in den Friedensgesprächen mit der Ukraine widerspiegeln. Auch dies spricht für höhere Militärausgaben Europas (die das NATO-Ziel von 5% des BIP erfüllen sollen). Unter dem Strich kann sich Europa nicht mehr im selben Maße der militärischen Unterstützung Amerikas sicher sein und muss bereit sein, weitere Investitionen (schuldenfinanziert) zu tätigen. Im Indo-Pazifik Raum gilt der Schutz Taiwans und freier Seewege als strategisch zentral, jedoch unter stärkerer Einbindung regionaler Verbündeter. Ein möglicher (militärischer) Konflikt zwischen China und Taiwan hätte aus unserer Sicht die größten negativen Auswirkungen auf die Lieferketten und die Kapitalmärkte! Der Nahen Osten bleibt relevant für Energie- und Sicherheitsfragen- insbesondere die Eindämmung Irans und die Sicherung Israels. Es soll auf jeden Fall ein dauerhafter Krieg unter der Beteiligung der USA vermieden werden. Wir sind skeptisch, dass „Peace Through Strength“ erreicht werden kann. Es zeigt allerdings, dass wirtschaftliche und militärische Stärke dazu führen werden, dass man in der neuen Weltordnung eine Rolle spielen wird.
Eine Begleiterscheinung dieser protektionistischen Politik dürfte eine höhere Inflation sein. Zum einen wird die Verlagerung der Lieferketten teurer werden und zum anderen dürfte das Instrument der Handelszölle die Güterinflation beschleunigen. Außerdem wird die Lohninflation unseres Erachtens mit Blick auf die Migrationspolitik ansteigen und das Potenzialwachstum mittelfristig senken. Inwiefern die Neuordnung der Lieferketten von Rohstoffen diesen Effekt konterkarieren können, bleibt abzuwarten.
Quellen:
National Security Strategy of the United States of America: https://www.whitehouse.gov/wp-content/uploads/2025/12/2025-National-Security-Strategy.pdf
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