Capital Group: Mit Multinationals sicher durch schwierige Zeiten

Steven Smith, Investment Specialist bei Capital Group

Derzeit werden rund um den Globus Strafzölle angedroht oder verhängt. Es stellt sich die Frage, ob die großen handelsabhängigen multinationalen Unternehmen - kurz Multinationals - als Marktakteure nun besonders stark gefährdet sind?

26.09.2018 | 14:42 Uhr

Um multinationale Konzerne mit gutem Management brauche man sich allerdings nicht übermäßig zu sorgen, erklärt Steven Smith, Investment Specialist bei Capital Group. „Sie haben von allen Firmentypen die besten Voraussetzungen, das unsichere Terrain mit festem Kurs zu durchschiffen und wirksame Lösungen zu finden. Einige von ihnen arbeiten an flexiblen multilokalen Geschäftsstrategien, um näher an die Verbraucher und Konsumtrends vor Ort zu rücken.“ Mitunter verfolgten sie diesen Ansatz schon seit Jahren und ernteten bereits die Früchte ihrer maßgeschneiderten lokalen Strategien. 

Gelassene Haltung trotz herausforderndem Umfeld

Weltwirtschaft und Finanzmärkte werden heute zunehmend vonMultinationals dominiert, stellt Smith fest. „Die meisten dieser Firmen werden voncleveren und knallharten erfahrenen Managern angeführt, die jedes noch sorosige oder widrige Wirtschaftsumfeld schon erlebt haben. Dadurch haben diesekrisenerprobten Player beste Voraussetzungen, um in einem feindlichen Umfeldzu überleben oder gar zu prosperieren“, weiß Smith. 

Für Anleger sei es sehr wichtig, dem ganzen Getöse um Welthandel und Protektionismus nicht allzu viel Beachtung zu schenken. Man verliere sich leicht in den Wortgefechten um Stahl und Sojabohnen oder um die Frage, welchen Rohstoff es als nächstes treffen könnte. Der Experte warnt: „Wenn diese Rhetorik Anleger zum Schluss verleitet, sie sollten aufgrund der Handelskonflikte multinationale Konzerne meiden, können sie damit ihren langfristigen Anlageerfolg gefährden.“ 

Multilokale Marktstrategien bringen Flexibilität 

„Starke globale Player mit erfahrenen Managementteams finden auch bei widrigen Marktbedingungen meistens einen Weg zum Erfolg.“ Die bestgeführten Konzerne der Welt könnten aus jeder Situation Nutzen ziehen ‒ selbst, wenn Staatsoberhäupter versuchten, die Karten in der Weltwirtschaft neu zu verteilen, so Smith. „Heute gewinnen zum Beispiel multilokale Marktstrategien an Bedeutung. Dabei wollen Konzerne die Traktion im einzelnen Ländermarkt durch lokale Anpassung erhöhen anstatt sich wegen globaler Handelsbarrieren aus Märkten zurückzuziehen. Unter anderem wird es für Multinationals immer wichtiger, ihre Produktion vor Ort in die Absatzmärkte zu bringen“. Sie müssten agil und anpassungsfähig sein und wirksam auf lokale Konkurrenten reagieren können. 

Auch der US-Sportartikelgigant Nike verfolge laut Smith einen multilokalen Ansatz und habe ihn zuletzt mit neuen Vertriebskonzepten weiter optimiert. „In Los Angeles eröffnete diesen Sommer ein neuer Nike-Store mit einem datengetriebenen Konzept, das den Warenbestand automatisch an die Online-Kauftrends in den benachbarten Postleitzahlbezirken anpasst. Mehr lokale Ausrichtung ist wohl kaum möglich. In Europa lancierte Nike einen Supply-Chain-Ansatz, der die Bereitstellung von Farben und Materialien in jeder Stadt nach den dortigen Kundenvorlieben richtet“. US-amerikanische, europäische und japanische Multinationals, die in wachstumsstarken Schwellenmärkten relevant bleiben oder dorthin expandieren wollten, kämen um solche multilokalen Ansätze nicht herum. „Viele Schwellenländer wie China, Indien oder Brasilien ziehen eigene multinationale Giganten sowie wendige nationale Player heran und bringen dadurch die klassischen globalen Akteure in Zugzwang“, schließt Steven Smith.

Bei den Handelsstreitigkeiten werden sich laut dem Experten früher oder später die kühleren Köpfe durchsetzen und die Konflikte beilegen. Im Gegensatz dazu sind dynamische lokale Wettbewerbskräfte schon seit jeher eine wichtige Triebfeder im globalen Wirtschaftsgeschehen und werden es auch weiter bleiben.


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