Glänzendes schwarzes Gold

TiAM FundResearch blickt auf die Woche zurück und gibt einen Ausblick auf die kommenden Tage. Diesmal im Fokus: Warum den Ölkonzernen die Golf-Krise relativ egal ist.

11.05.2026 | 08:00 Uhr von «Matthias von Arnim»

Rückblick auf die vergangene Woche

Wenn Sie diese Zeilen lesen, hat sich seit dem Zeitpunkt, als sie geschrieben wurden, die Situation rund um den Konflikt am Persischen Golf vermutlich mindestens dreimal geändert – je nachdem, ob Sie den Worten Donald Trumps oder den Verlautbarungen der islamischen Revolutionswächter in Teheran mehr Vertrauen schenken. Abseits des Propaganda-Getöses sieht die Lage jedoch seit Wochen unverändert aus: Die USA und der Iran befinden sich in einer klassischen Patt-Situation. Für beide Seiten ist die derzeitige Konstellation schlecht. Beide Seiten zahlen einen hohen ökonomischen Schaden. Gleichzeitig gilt: Wer zuerst blinzelt, verliert. Wobei das iranische Regime ein As im Ärmel hat: Dass die Weltwirtschaft zusätzlich in Mitleidenschaft gezogen wird, ist den Mullahs nicht nur egal, sondern sogar recht. Skrupel sollte man ihnen also nicht unterstellen.

Die ganze Welt leidet unter der Blockade der Straße von Hormus. Tatsächlich die ganze Welt? Nein, eine kleine, aber nicht ganz unbedeutende Gruppe von Unternehmen lacht sich derzeit ins Fäustchen. Gemeint sind die großen Öl- und Gasunternehmen – und vor allem diejenigen unter ihnen, die auch Raffinerien ihr Eigen nennen, die Vertriebsnetze kontrollieren und Tankstellen betreiben. Firmen wie BP, Chevron, Shell und TotalEnergies profitieren aktuell davon, dass sie ihre Produkte nicht nur an den Rohstoffmärkten, sondern auch direkt an der Zapfsäule teurer verkaufen können. Sinkt der Ölpreis, kommt dies jedoch nicht in gleichem Maße bei den Kunden an. Die Lieferengpässe am Golf sind für die global agierenden Unternehmen zwar ärgerlich, aber kein Drama. Die Preissteigerungen am Rohstoffmarkt sorgen dafür, dass sich der Schaden in Grenzen hält – und langfristig mindestens ausgleicht. Denn irgendwann werden auch die im Persischen Golf festsitzenden Schiffe wieder fahren. Aufgeschoben ist ja nicht aufgehoben.

Und langfristig sieht die Welt für die großen Energieunternehmen ohnehin rosig aus. Zwar könnte der Schwenk hin zur Elektromobilität den Kraftstoffbedarf auf der Straße langfristig senken. Doch die Nachfrage von Unternehmen, die Kunststoffe, Düngemittel und Textilien produzieren, wächst rasant. Gleichzeitig gilt: Einer steigenden Nachfrage aus der ölverarbeitenden Industrie stehen sinkenden Förderkapazitäten gegenüber. Laut Internationaler Energieagentur (IEA) investieren die Gas- und Ölförderer nur noch zehn Prozent in neue Projekte. Der Großteil der Investitionen fließt in den Erhalt der bestehenden Produktion, die trotz der Bemühungen weiter sinkt. Mit anderen Worten: Die Preise für Gas und Öl werden langfristig stabil bleiben oder eher steigen, aber nicht nachhaltig fallen. Der Irankrieg ist in diesem Zusammenhang nur ein Trendbeschleuniger, der uns wohl auch so lange erhalten bleiben wird, wie in Teheran Mullahs und Revolutionswächter herrschen. So oder so profitieren die Öl- und Gasunternehmen. Sie generieren nicht nur bei hohen Ölpreisen hohe freie Cashflows. Dass BP, Chevron und Co. ungebremst Dividendenrenditen zwischen 3,5 und 5 Prozent ausschütten können, spricht für sich.

Damit wir uns nicht missverstehen: Dies ist keine Empfehlung, genau jetzt in Ölaktien zu investieren. Denn die Kapriolen beim Ölpreis haben die Kurse der Öl- und Gasförderer zwischenzeitlich spekulativ nach oben gezogen. Dieser Sprung wird bereits an der Börse korrigiert. Ohnehin ist zu erwarten, dass sich die Nervosität weiter legen wird – entweder, weil der aktuelle Konflikt zu einem Frieden führt oder weil man sich an die Situation gewöhnt hat und die Märkte den Effekt einfach einpreisen. Erst dann lohnt ein prüfender Blick auf die Bewertungen der Unternehmen an der Börse. Also keine Angst: Die Chancen auf langfristig hohe Gewinne mit Ölaktien bleiben erhalten. Ganz gleich, was Donald Trump oder die Mullahs auf ihren Propagandakanälen erzählen.

Interessante Termine in den kommenden Tagen

Am Dienstag startet in der Kühne Logistic University das zweitägige Albert-Ballin-Forum zum Thema Krieg und Frieden auf See. Das Forum wird gemeinsam mit dem Verband Deutscher Reeder, der Kühne Logistics University, dem Museum für Hamburgische Geschichte, dem Deutschen Hafenmuseum und der Sigmund Freud Privat Universität Wien veranstaltet. Als interdisziplinäres Forum beleuchtet es Globalisierungsprozesse in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Wenn am Dienstag im Hamburg die Sicherheit auf den Weltmeeren im Fokus steht, findet zeitgleich in Düsseldorf die Hauptversammlung der Rheinmetall AG statt. Auch dort werden die Themen Krieg und Frieden vermutlich am Rande der Veranstaltung erörtert werden.

Am Mittwoch entscheidet das Landgericht Bremen zu einem Fall von „Shrinkflation“. Es geht um Milka-Schokolade. Motto: Die lila Packung bleibt, es ist aber weniger drin: Weil Schokoladentafeln von Milka inzwischen 90 statt bisher 100 Gramm wiegen, reichte die Verbraucherzentrale Hamburg eine Klage wegen unlauteren Wettbewerbs gegen den Hersteller Mondelez beim Landgericht Bremen ein. Anregung der Redaktion: Vielleicht könnte bei dem Termin auch gleich geklärt werden, ob die Milka-Kühe wirklich lila sind? Ganze Generationen von Deutschen sind schließlich in diesem Glauben aufgewachsen.

Ein weiterer interessanter Termin findet in Brüssel statt. Dort stellt die EU-Kommission Pläne für ein Mobilitätspaket vor. Erwartet werden Vorschläge zur Überarbeitung der Verordnung über die Rechte und Pflichten von Bahnreisenden, zur digitalen Buchung und Ticketausstellung (mit dem Schwerpunkt auf Zugreisen) und digitalen Reiseplanern, die verschiedene Verkehrsträger berücksichtigen.

Am Donnerstag startet in Friedrichshafen die Tuning World Bodensee in den zweiten von drei Tagen. Die Messe ist nach Veranstalterangaben Europas größtes Event für Auto-Tuning, Lifestyle und Club-Szene. Ob die Vorschläge vom Vortag aus Brüssel am Bodensee Anklang finden? Schließlich soll es sich in Zukunft auch für Fahrer tiefergelegter Straßenschlachtrosse lohnen, mit ihrem Geschoss zum P+R-Platz zu fahren, um dort in die Bahn umzusteigen.

Ach ja, auch ein spannendes Event: Donald Trump reist am Donnerstag nach Peking zu Staatschef Xi Jinping. Ein schlechter Witz würde so anfangen: Treffen sich zwei Diktatoren zum Dinner… 

Am Freitag wird am Oberlandesgericht Köln die Klage von Verbraucherschützern gegen Penny in zweiter Instanz verhandelt. In erster Instanz hatte Penny vor dem Landesgericht Köln (Az. 84 O 92/24) verloren. Der Discounter hatte in der Werbung als Bezugsgröße eine unverbindliche Preisempfehlung angegeben und nicht den günstigsten Preis der letzten 30 Tage. Nach der Berufung liegt der Fall nun vor dem OLG Köln (6 U 92/25).

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