KI-Wachstum, Globalität, Dividenden – drei Anker für Aktienportfolios in 2026

Christophe Braun, Equity Investment Director bei Capital Group
Aktien

2026 dürften die Aktienmärkte weniger von einer einzigen, dominanten Story geprägt werden, als dies in den letzten Jahren der Fall war.

08.01.2026 | 09:32 Uhr

Zu diesem Schluss kommt Christophe Braun, Equity Investment Director bei Capital Group. Nach Jahren, in denen vor allem wenige große US-Tech-Titel die Renditen getrieben hätten, sieht er Anzeichen für eine zunehmende Marktbreite: „Wir bewegen uns weg von einem binären Markt hin zu einem ausgewogeneren Umfeld mit vielfältigen Chancen“, so Braun.

Gleichzeitig würden bestimmte Risikofaktoren präsent bleiben: Bewertungen seien in Teilsegmenten ambitioniert und geopolitische sowie handelspolitische Entscheidungen könnten jederzeit neue Volatilität auslösen. Zudem verlaufe die Inflationsentwicklung nicht überall geradlinig. Auch deshalb plädiert Braun dafür, Portfolios nicht auf wenige binäre Szenarien auszurichten, sondern aktiv und diversifiziert zu positionieren.

1) Dynamisches Wachstum: KI als Produktivitätshebel, nicht als Einbahnstraße
Braun betont, dass Künstliche Intelligenz (KI) auch 2026 ein zentraler Wachstumstreiber bleiben werde. „Der Investitionszyklus rund um Chips, Rechenzentren, Software und Infrastruktur ist intakt“, so der Experte. „Und die Effekte reichen über den Technologiesektor hinaus in zahlreiche weitere Branchen.“ Die Diskussion über eine mögliche Überhitzung nehme Braun ernst, halte pauschale Urteile jedoch für verfrüht: „Anleger sollten die Chancen durch KI wegen der Angst vor einer Blase nicht vorschnell ausblenden.“

Aus seiner Sicht komme es auf Differenzierung an: Neben offensichtlichen Profiteuren könne auch die zweite und dritte Reihe der Wertschöpfungskette interessant sein, etwa Unternehmen, die die KI-Infrastruktur ermöglichen, wie beispielsweise die Bereiche Energieversorgung, Netzwerktechnik, Kühlung oder Halbleiter-Equipment. Maßstab seien Fundamentaldaten und Kapitaldisziplin. „Am Ende zählt die Fähigkeit, Erträge planbar in freien Cashflow zu übersetzen“, so Braun.

2) Global investieren: Europa und Asien als zusätzliche Renditequellen
Für Braun spricht vieles dafür, Portfolios international breiter aufzustellen. Die relative Stärke der USA bedeutet aus seiner Sicht keine Exklusivität. Auch Europa und Asien würden über Investitionen, Modernisierung und Produktivitätsgewinne Impulse setzen. „In Europa könnten Infrastruktur- und Industrieprogramme sowie Investitionen in Energieeffizienz als zusätzliche Wachstumskatalysatoren wirken“, so Braun. „Wenn Investitionsbudgets in Europa wieder nach oben drehen, entstehen entlang ganzer Wertschöpfungsketten neue Chancen.“

In Asien sieht Braun strukturelle Rückenwinde durch Governance-Verbesserungen, steigende Kapitaldisziplin und aktionärsfreundlichere Maßnahmen wie Rückkäufe oder höhere Ausschüttungen. Dadurch werde das Anlageargument aus seiner Sicht substanzieller. „Es geht nicht nur um Bewertung, sondern auch um bessere Unternehmensführung und eine klarere Ausrichtung auf Kapitalrenditen“, betont Braun.

Gleichzeitig unterstreicht er, dass Internationalisierung nicht bedeute, passiv „alles“ zu kaufen. Währungseffekte, unterschiedliche Konjunkturverläufe und politische Risiken müssten aktiv gemanagt werden. „Global investieren heißt nicht, überall gleich viel zu besitzen, sondern dort zu investieren, wo Katalysatoren, Qualität und Bewertung zusammenpassen“, sagt Braun.

3) Dividenden als Stabilitätsbaustein – Verteidigung in volatilen Phasen
Mit Blick auf erwartbare Volatilitätsschübe betont Braun die Rolle von Dividenden als Stabilitätsbaustein. Ausschüttungen könnten in schwächeren Marktphasen einen Teil der Gesamtrendite stützen, ohne die Partizipation an Aufwärtsphasen grundsätzlich zu verhindern. „Dividenden sind für mich kein Ersatz für Wachstum, sondern ein Qualitäts- und Disziplinfilter im Portfolio“, so Braun.

Wichtig sei die Selektion: Das Dividendenuniversum sei heute breiter als klassische „Value“-Segmente und umfasse unterschiedliche Geschäftsmodelle und Sektoren. Ausgewählte Dividendenzahler könnten Ertragsqualität und Bewertung im Portfolio zusammenbringen und damit helfen, die Schwankungsanfälligkeit zu reduzieren, ohne Renditeambitionen aufzugeben.

Fazit
„2026 wird ein Jahr, in dem Anleger widersprüchliche Signale in ein robustes, ausgewogenes Portfolio übersetzen müssen“, resümiert Braun. KI bleibe ein bedeutender Wachstumstreiber, internationale Chancen nähmen zu, und Dividenden könnten die Widerstandsfähigkeit erhöhen. „Am Ende geht es darum, mehrere Renditetreiber zu kombinieren und dabei konsequent auf Fundamentaldaten zu setzen“, so der Experte.

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