Capital Group: Was tun bei Markteinbrüchen?

Emotionales Investieren kann gefährlich sein

Sie wären kein Mensch, wenn Sie keine Angst vor Verlusten hätten: Sechs Fakten gegen die Angst.

29.03.2019 | 08:35 Uhr

Wirtschaftsnobelpreisträger Daniel Kahneman zeigte dies mit seiner Theorie der Verlustaversion. Der Psychologe hat herausgefunden, dass Menschen stärker unter Verlusten leiden, als sie sich über Gewinne freuen. Es ist daher nur zu natürlich, dass Investoren aus dem Markt fliehen, wenn er zu fallen beginnt – und dass die Gier sie wieder zurücktreibt, wenn die Kurse erneut massiv steigen. Beides kann aber dem Anlageerfolg schaden.

Mit klugem Investment lassen sich Emotionen aber überlisten – indem man sich ausschließlich auf relevante Analysen, verlässliche Daten und bewährte Strategien stützt. Die folgenden sechs Erkenntnisse können Ihnen helfen, sich in turbulenten Marktphasen nicht von Emotionen davontragen zu lassen.

1. Kursrückgänge gehören zum Investieren dazu

Seit fast zehn Jahren sind die Aktienkurse stetig gestiegen. Doch die Vergangenheit lehrt uns, dass Kursrückgänge zum Investieren einfach dazugehören. Die gute Nachricht ist, dass Korrekturen (definiert als mindestens 10% Minus), Baissen (ein längerer Rückgang um 20% oder mehr) sowie andere Herausforderungen für Investoren niemals von Dauer waren.

Im Schnitt ist der Dow Jones Industrial Average von 1900 bis 2018 etwa einmal jährlich um mindestens 10% gefallen, und etwa alle vier Jahre musste er 20% Verlust und mehr hinnehmen. Zwar sind die Ergebnisse der Vergangenheit kein Hinweis auf künftige Entwicklungen, doch folgte bislang jeder Schwächephase eine Erholung mit einem neuen Höchststand.

2. Entscheidend ist nicht der Anlagezeitpunkt, sondern die Anlagedauer

Niemand kann kurzfristige Marktbewegungen wirklich prognostizieren. Wer abwartet, riskiert daher, hohe Kursgewinne nach Verlustphasen zu verpassen.
Von 1929 bis 2018 folgte auf jeden Rückgang des Standard & Poor’s 500 Index um mindestens 15% eine Erholung. Der Ertrag im ersten Jahr nach dem Verlust betrug im Schnitt fast 55%.

Selbst wenn man nur wenige Handelstage verpasst, kann das teuer werden. Eine hypothetische Anlage von 1.000 US-Dollar in den S&P 500 im Jahr 2009 wäre bis Ende 2018 auf 2.775 US-Dollar gestiegen. Doch wenn ein Investor in dieser Zeit die 30 Tage mit den höchsten Kursgewinnen verpasst hätte, besäße er oder sie am Ende nur 918 US-Dollar – und damit weniger als die ursprüngliche Anlage.

3. Emotionales Investieren kann gefährlich sein

Kahneman gewann seinen Nobelpreis 2002 für seine Arbeiten zur Verhaltensökonomie. Ein Teilgebiert davon, die Behavioral Finance, untersucht, wie Menschen Finanzentscheidungen treffen. Ein wichtiges Ergebnis von Kahneman und seinen Kollegen ist, dass diese Entscheidungenoft nicht rational sind.

Emotionale Reaktionen auf Marktereignisse sind völlig normal. Investoren sind zu Recht nervös, wenn die Märkte fallen. Doch die Entscheidungen, die sie dann treffen, können den Unterschied machen zwischen Gewinn und Verlust.
Ein Weg zu rationalen Anlageentscheidungen ist die grundlegende Kenntnis der Verhaltensökonomie. Investoren, für die beispielsweise Ankereffekt, Bestätigungsfehler und Verfügbarkeitsheuristik1 keine Fremdwörter sind, können Fehlerquellen erkennen, bevor sie ihnen zum Opfer fallen.

4. Mache einen Plan und bleibe ihm treu

Vor kurzsichtigen Anlageentscheidungen schützt auch ein sorgfältig ausgearbeiteter Anlageplan, dem man dann treu bleibt. Dies gilt insbesondere bei fallenden Märkten. Der Plan sollte viele Faktoren berücksichtigen, unter anderem die Risikobereitschaft sowie die kurz- und langfristigen Ziele.

Nutzlose Market-Timing-Versuche kann man mit Cost Averaging vermeiden. Dabei investiert man in regelmäßigen Abständen konstante Beträge – unabhängig davon, ob die Märkte gestiegen oder gefallen sind. Man kauft dann bei niedrigen Kursen mehr Aktien und bei hohen Kursen weniger, sodass die Investoren im Schnitt weniger für eine Aktie bezahlen. Regelmäßiges Investieren garantiert zwar keinen Gewinn und schützt auch nicht vor Verlusten, doch sollten Investoren erwägen, auch bei fallenden Kursen noch zu investieren.

Wenn die Aktienkurse fallen, bekommt man für denselben Betrag mehr Aktien und sorgt für niedrigere durchschnittliche Einstiegskurse
In den zwölf Monaten wurden für insgesamt 6.000 USD 439,94 Aktien gekauft. Der durchschnittliche Marktpreis in dieser Zeit betrug 15 USD, der durchschnittliche Kaufpreis der Aktie aber nur rund 13,64 USD (6.000/439,94). Die Abbildung dient nur zur Illustration und gibt in keiner Weise die tatsächlichen Ergebnisse einer bestimmten Anlage an.

5. Auf die Diversifikation kommt es an

Ein diversifiziertes Portfolio garantiert keine Gewinne und schützt nicht vor Verlusten, aber es verringert das Risiko. Wenn man in eine Vielzahl von Assetklassen investiert, werden starke Wertschwankungen unwahrscheinlicher. Die Gesamterträge werden zwar niedriger sein als die besten Einzelerträge, aber auch besser als die schwächsten.
Diversifikation kann helfen, die Volatilität zu verringern – und damit auch den Stress fallender Märkte.

6. Meist belohnt der Markt langfristige Investoren

Kann man wirklich jedes Jahr 30% Ertrag erwarten? Natürlich nicht. Aber wenn die Aktienkurse fallen, sollte man das auch nicht für den Beginn eines langfristigen Negativtrends halten. Die Behavioral Finance zeigt uns, dass unsere Wahrnehmungen und Entscheidungen viel zu stark von den letzten Entwicklungen abhängen.
Wenn die Aktienmärkte fallen, muss man weiterhin langfristig denken. Auch wenn Aktien kurzfristig steigen und fallen, zahlen sich langfristige Investments meist aus. Selbst wenn man alle Verlustphasen berücksichtigt, betrug der mittlere Ertrag des S&P 500 10,43% in allen Zehnjahreszeiträumen von 1937 bis 2018.

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