
Höhere Kapitalkosten könnten Substanzaktien mit kurzfristigeren Cashflows weiter beflügeln.
03.11.2026 | 06:10 Uhr
An den KI-dominierten Märkten der letzten Jahre wurden Unternehmen mit langfristigem Gewinnpotenzial bevorzugt. Doch höhere Zinsen könnten das Kalkül ändern und einen neuen Vorteil für Substanzaktien schaffen, deren Geschäftsmodelle tendenziell kurzfristig besser planbare Cashflows aufweisen.
Aktienanleger stehen Ende 2026 vor zwei großen Herausforderungen. Erstens zieht der allgegenwärtige Einfluss der KI ein immer breiteres Spektrum an Unternehmen und Branchen in ihren Bann. Zweitens treiben die hartnäckige Inflation und die Erwartungen an eine weitere geldpolitische Straffung die Anleiherenditen in die Höhe. Diese Trends stellen traditionelle Diversifizierungsstrategien auf die Probe.
In der neuen Diskussion über Diversifizierung verdienen die Zinsen besondere Beachtung. Die Zinsen haben als Marktthema an Bedeutung gewonnen, seit die US-Notenbank Fed ihren Leitzins im September vor dem Hintergrund wachsender Sorgen über eine hartnäckige Inflation erhöht hat – die erste Anhebung seit dem nach der Pandemie eingeleiteten Abwärtstrend, der Mitte 2023 begann. Auch andere wichtige Zentralbanken befinden sich auf einem restriktiven Kurs.
Historische Daten deuten darauf hin, dass Substanzaktien in einem Umfeld steigender Zinsen vergleichsweise widerstandsfähig waren. Unsere Analysen deuten darauf hin, dass US-amerikanische und globale Substanzaktien ihre Wachstums-Pendants 3, 6 und 12 Monate nach Beginn der Zinsanhebungszyklen übertroffen haben (Abbildung).

Höhere Zinsen sind für Aktienanleger nicht unbedingt das günstigste Umfeld. Mit steigenden Anleiherenditen werden Anleihen gegenüber Aktien konkurrenzfähiger, was die Aktienbewertungen und -erträge potenziell belastet.
Doch die Auswirkungen variieren je nach Aktien-Stil. Niedrigere Zinsen senken auch den Abzinsungssatz, der auf zukünftige Cashflows angewendet wird. Das wiederumerhöht den Barwert zukünftiger Cashflows, was tendenziell Wachstumsaktien begünstigt, deren Bewertungen häufig stärker von „Long-Duration“-Gewinnen abhängen, die erst in fernerer Zukunft erwartet werden.
Steigende Zinsen kehren diese Dynamik um. Höhere Abzinsungssätze wirken sich stärker auf weit in der Zukunft liegende Cashflows aus, wodurch wachstumsstarke Aktien mit langer Duration anfälliger für Änderungen der Zinsen und Kapitalkosten sind. Im Gegensatz dazu leiten viele Substanz-Unternehmen einen größeren Teil ihres Wertes aus sichtbaren „Short-Duration“-Cashflows der nächsten drei bis fünf Jahre ab, was ihre Bewertungen weniger abhängig von weit in der Zukunft liegenden Annahmen macht.
Der heutige Markt reagiert möglicherweise empfindlicher auf Zinsen, als vielen Anlegern bewusst ist. In den vergangenen Jahrzehnten stieg der S&P 500 häufig bei steigenden Zinsen, insbesondere wenn zyklische Sektoren ein höheres Gewicht im Index hatten. Heute machen Wachstumstitel einen deutlich größeren Anteil an der Marktkapitalisierung aus, wodurch Zinsänderungen stärkere Auswirkungen auf Marktführerschaft und Bewertungen haben (Abbildung). Unserer Ansicht nach erklärt dies, warum Value-Aktien eine wichtigere Rolle bei der Diversifizierung spielen könnten, sollten die Zinsen auf dem aktuellen Niveau verharren oder weiter steigen.

Doch trotz sich wandelnder Bedingungen hat sich die Analyseherausforderung für aktive Substanzanleger nicht geändert. Die Erschließung von langfristigem Ertragspotenzial erfordert mehr als nur die Identifizierung statistisch günstig bewerteter Aktien. Wir sind der Auffassung, dass ein disziplinierter Value-Anlageprozess auf fundamentaler Analyse basieren sollte, die darauf abzielt, Unternehmen zu identifizieren, deren aktuelle Kurse die Beständigkeit, den Zeitpunkt und das Reinvestitionspotenzial ihrer freien Cashflows unterbewerten. Aus unserer Sicht haben Barmittel, die früher zufließen, bei höheren Kapitalkosten ein höheres Gewicht, während Geschäftsmodelle, die auf weit in der Zukunft liegenden Erträgen basieren, eine höhere Beweislast tragen.
Dieser Blickwinkel kann auch dabei helfen, andere Kräfte, die die Märkte umgestalten, zu navigieren. Die Infrastruktur, die die KI antreibt, erhöht die Nachfrage nach Strom, Rechenzentren, Halbleiterkapazitäten und sonstiger physischer Infrastruktur. Das schafft Chancen sowohl für Unternehmen, die am KI-Ausbau selbst beteiligt sind, als auch für Betriebe, die die Vermögenswerte und Dienstleistungen bereitstellen, die für den langfristigen Betrieb der KI-Infrastruktur erforderlich sind. Asset-intensive Unternehmen dürften profitieren, einschließlich jener im Substanz-Universum, deren langlebige Vermögenswerte kostspielig oder zeitaufwendig zu replizieren wären. Unterdessen können Substanzaktien Widerstandsfähigkeit gegenüber KI-Disruption bieten. Value-Aktien sind nicht immun, aber viele sind in Branchen verwurzelt, die entweder den Ausbau beliefern oder weniger direkt von technologischer Verdrängung betroffen sind – von der Landwirtschaft bis zur Luft- und Raumfahrt.
Insgesamt sind wir der Ansicht, dass diese Dynamiken die Argumente für eine breitere Aufstellung bei Substanzaktien stärken. Wir sehen attraktive Value-Chancen in verschiedenen Sektoren, darunter Gesundheitswesen, Finanzwerte, Immobilien und Industrie, die für ein Umfeld steigender Zinsen und KI-gestützte Marktdynamiken gut positioniert sind. Unserer Ansicht nach sind aktive Substanzanleger aufgrund ihres langjährigen Fokus auf normalisierte Gewinne und Cashflow-Stabilität besonders gut gerüstet, um diese Chancen zu bewerten. Diese Disziplin hilft dabei, zyklische Unternehmen mit nachhaltigem Gewinnpotenzial von solchen zu unterscheiden, die von eher vorübergehenden Bedingungen profitieren.
Wachstumsunternehmen mit robusten Geschäftsmodellen haben weiterhin ihren Platz in diversifizierten Allokationen. Doch Portfolios, die sich in der Niedrigzinsphase stark auf Long-Duration-Wachstumswerte konzentriert haben, könnten von einem selektiven Engagement in Substanzaktien profitieren, die sich durch sichtbaren Free Cashflow, disziplinierte Kapitalallokation und glaubwürdige, normalisierte Erträge auszeichnen. Höhere Zinsen haben möglicherweise die Investmentgleichung verändert – und die Waagschale zugunsten einer bedeutungsvolleren Rolle von Value-Titeln in Aktienallokationen ausschlagen lassen.
Die hierin geäußerten Ansichten stellen keine Research-, Anlageberatungs- oder Handelsempfehlungen dar, stellen nicht notwendigerweise die Ansichten aller AB-Portfoliomanagementteams dar und können sich im Laufe der Zeit ändern.
Dies ist eine Marketing-Anzeige. Diese Informationen werden
von AllianceBernstein (Luxemburg) S.à.r.l. gegeben, einer im Luxemburger
Handels- und Unternehmensregister (R.C.S.) eingetragenen Gesellschaft mit
beschränkter Haftung. Luxemburg B 34 305, 2-4, rue Eugène Ruppert, L-2453
Luxemburg. AllianceBernstein S.à.r.l. unterliegt der Aufsicht durch die
Aufsichtskommission des Finanzsektors (CSSF). Dies wird nur zu
Informationszwecken angegeben und ist nicht als Anlageberatung oder
Aufforderung zum Kauf eines Wertpapiers oder einer sonstigen Anlage zu
verstehen. Die hier geäußerten Ansichten und Meinungen basieren auf unseren
internen Prognosen und geben keine zuverlässigen Hinweise auf die zukünftige
Marktperformance. Die Fondsanlagen können an Wert gewinnen und verlieren, und
es kann vorkommen, dass die Anleger nicht den vollen angelegten Betrag
zurückerhalten. Die Performances der Vergangenheit bieten keine Gewähr für
zukünftige Ergebnisse.
Diese Informationen richten sich lediglich an Privatpersonen und sind nicht für
die Öffentlichkeit bestimmt.
© 2026 AllianceBernstein L.P.
Diesen Beitrag teilen: