Metzler: Überrascht die Inflation in den USA?

Gut beschäftigt am Walk of Fame: Der US-Jobmotor brummt (Bild: picture alliance/imageBROKER)

Bisher blieb der Preisauftrieb in den USA verhalten; nun mehren sich Indikatoren, dass mit zunehmender Lohndynamik die Inflationsrate in den kommenden Monaten steigt.

31.08.2018 | 16:03 Uhr

Derzeit schätzt das Congressional Budget Office (CBO) die langfristig gleichgewichtige Arbeitslosenquote in den USA auf etwa 4,5 %.Laut der Prognose des CBOs wird die Arbeitslosenquote (Freitag) jedoch in diesem Jahr durchschnittlich bei etwa 3,8 % liegen und im nächsten Jahr sogar bei etwa 3,4 %. Damit kann der Arbeitsmarkt in den USA als überhitzt bezeichnet werden. Idealerweise würde die US-Regierung in diesem Umfeld mit Sparmaßnahmen das Wirtschaftswachstum etwas bremsen, sodass sich die Arbeitslosenquote bei 3,8 % stabilisieren oder sogar wieder leicht steigen würde. Tatsächlich ist für dieses und das nächste Jahr mit einer expansiven Fiskalpolitik zu rechnen, die jeweils in beiden Jahren zu einem merklichen Anstieg des um Konjunktureffekte bereinigten staatlichen Haushaltsdefizits beitragen dürfte.

USA: Prozyklische Fiskalpolitik
Fiskalpolitik* und Arbeitsmarkt** von 1966 bis 2019 

US Arbeitsmarkt
US Arbeitsmarkt

* Änderung des um den Konjunkturzyklus bereinigten Haushaltssaldos in %-Punkten des BIP;                         ** Arbeitslosenquote abzgl. geschätzter Gleichgewichtsarbeitslosenquote in %-Punkten; Quelle: Congressional Budget Office, IWF und https://www.moneyandbanking.com; Prognosen des CBO und IWFs für 2018 und 2019; Stand: 31.12.2017 

Die zusätzliche staatliche Nachfrage nach Gütern und Dienstleistungen trifft somit auf einen leergefegten Arbeitsmarkt, sodass nur die Preise steigen, während die Produktion nicht zulegt – soweit der volkswirtschaftliche Zusammenhang, wie er in den Lehrbüchern idealtypisch beschrieben ist. Bisher blieb jedoch der Preisauftrieb nur sehr verhalten und lag meistens sogar merklich unter den Prognosen der US-Notenbank. Vielleicht dämpften die Nachwirkungen der Finanzmarktkrise lange Zeit die Inflation. Jetzt scheint es jedoch erste Anzeichen für eine Trendwende der Inflation zu geben. So zeigen erste Frühindikatoren, dass die US-Inflationsrate im August (Veröffentlichung am 13. September) überraschend gestiegen sein könnte. Auch andere Indikatoren wie die NFIB-Umfrage zur Lohnentwicklung bei kleineren und mittleren Unternehmen signalisieren steigende Inflationsraten für die kommenden Monate.

USA: Steigende Löhne = steigende Inflation NFIB-Umfrage zur Lohnentwicklung bei US-Unternehmen
(3 Monate im voraus)
 

US Löhne
US Löhne

Quellen: Thomson Reuters Datastream, https://www.newyorkfed.org/research/policy/underlying-inflation-gauge, Metzler; Stand: 15.7.2018 

Vor diesem Hintergrund wird sich der Fokus auf die Lohnentwicklung (Freitag) in der Gesamtwirtschaft richten. So spricht vieles für eine Beschleunigung der Lohndynamik von 2,7 % im Juli auf 2,8 % oder mehr im August. 

Solange der Inflationsanstieg jedoch moderat bleibt, dürften die Finanzmarktakteure ihre Erwartungen an die US-Notenbankpolitik nicht wesentlich ändern, und die Auswirkungen auf den Rentenmarkt dürften begrenzt bleiben. Die Risiken eines stärkeren Inflationsanstiegs sollten jedoch nicht unterschätzt werden.

Daneben werden noch die US-Einkaufsmanagerindizes (Dienstag und Donnerstag) veröffentlicht, die eine moderate Wachstumsverlangsamung von dem außerordentlich hohen Wachstumstempo von 4,2 % im zweiten Quartal signalisieren dürften.

Europa: Konjunkturdaten überschattet von Handelskonflikt
US-Präsident Trump schürte gegen Ende dieser Woche wieder Ängste vor einer Eskalation des Handelskonflikts mit China und der EU. Zu Wochenanfang verkündete er noch einen Durchbruch der Verhandlungen mit Mexiko. Darüber hinaus mehrten sich die Anzeichen, dass sich auch Kanada bald der Einigung anschließen könnte.  

Die Einigung mit Mexiko wurde von den Finanzmarktakteuren als positiv eingestuft, da daraus abgeleitet wurde, dass US-Präsident Trump die Handelsverträge in einem nicht zu großen Umfang zugunsten der USA ändern, aber den Welthandel nicht zu stark beschädigen möchte. Anscheinend möchte er auch lieber einen „guten Deal“ als eine konkrete Verringerung des Handelsbilanzdefizits, was deutlich schwieriger zu erreichen wäre.

Die Unsicherheit über die zukünftige Handelspolitik der USA hat nach dem positiven Wochenauftakt also wieder zugenommen. Es bleibt abzuwarten, ob doch noch eine Verhandlungslösung gefunden werden kann oder ob es zu der gefürchteten Eskalation kommt.

Der Anstieg des ifo-Index zu Wochenanfang beruhte vor allem auf der Einschätzung deutscher Unternehmen, dass die Risiken eines Handelskonflikts nach dem Besuch von EU-Kommissionspräsidenten Junker gesunken seien. Die verbale Eskalation zuletzt könnte jedoch die Stimmung in der gesamten Eurozone wieder belasten, was dann die Einkaufsmanagerindizes (Montag und Mittwoch) spiegeln würden. Immerhin signalisierten die Konjunkturdaten trotz aller Unsicherheiten immer noch ein Wirtschaftswachstum von etwa 2,0 % in der Eurozone. Daher sollte es auch zu einem Rebound der zuletzt schwachen deutschen Auftragseingänge (Donnerstag) und der deutschen Industrieproduktion (Freitag) kommen.

Japan: Starker Fokus auf die Löhne
Im August überraschte die Inflation im Großraum Tokyo mit einem Anstieg auf 1,2 % – eine Folge des merklichen Anstiegs der Lohndynamik in den vergangenen Monaten? Die Lohndaten (Freitag) können auf monatlicher Ebene sehr volatil sein, sodass ein deutlicher Rückgang der Wachstumsrate der Löhne im August von noch 3,3 % im Juli nicht auszuschließen ist. Die grundsätzliche Dynamik dürfte jedoch aufgrund des überhitzten Arbeitsmarktes mit der niedrigsten Arbeitslosenquote seit 1993 weiterhin steigend bleiben.  


Eine gute und erfolgreiche Woche wünscht

Edgar Walk
Chefvolkswirt Metzler Asset Management

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