
Die von den Vereinigten Staaten und Israel gegen das iranische Regime gestartete Operation „Epic Fury” hat die Karten auf den Finanzmärkten neu gemischt.
10.03.2026 | 08:38 Uhr
Europa hat die seit Jahresbeginn verzeichnete Outperformance seines Aktienmarktes eingebüßt, da der Kontinent angesichts steigender Energiepreise als risikoreicher gilt. Die Schwellenländer liegen zwar weiterhin an der Spitze, haben aber an Glanz verloren – insbesondere die asiatischen Länder, die am stärksten vom Transit durch die Straße von Hormus abhängig sind. Die Zinssätze, die zuletzt aufgrund positiver Überraschungen bei den jüngsten Inflationszahlen auf beiden Seiten des Atlantiks rückläufig waren, sind deutlich gestiegen. Dies bestätigt die Befürchtungen einer inflationsbedingten Rückkehr der Energiepreise.
Im Gegensatz dazu haben die in den letzten Monaten weniger beliebten Finanzmärkte der Vereinigten Staaten dem Stress standgehalten, während der Dollar stark aufgewertet wurde. Die weiteren Auswirkungen des Nahost-Kriegs auf Wirtschaft und Märkte sind derzeit noch sehr ungewiss und hängen stark von der Dauer und Intensität ab.
Breiteres Wachstum in den USA verändert die Marktstruktur
Hinter diesen heftigen Bewegungen und der erhöhten geopolitischen Unsicherheit verbessert sich jedoch das wirtschaftliche Umfeld. In den USA deuten die neuesten Umfragedaten auf eine wesentliche Verbesserung der Stimmung in der Wirtschaft hin. Viele Unternehmen geben an, das Thema Zölle verdaut zu haben. Gleichzeitig zeichnet die Dynamik der Gewinne pro Aktie ein Bild von einem Wachstum, das sich über den Technologiesektor hinaus ausbreitet.
Die Beschäftigung bleibt zwar ein wichtiger Knackpunkt, da die jüngsten Zahlen schwach ausgefallen und teilweise widersprüchlich sind. Es gibt jedoch Anzeichen für eine Stabilisierung in den zyklischsten Beschäftigungsbereichen, was der Auftakt zu einer erneuten Beschleunigung sein könnte. Dies würde den Konsum der Haushalte begünstigen, die am stärksten von Arbeitseinkommen abhängig sind, und somit das Phänomen des „K-förmigen Wachstums” abmildern.
Wir gehen davon aus, dass die massiven Ausgaben im Bereich der KI anhalten werden, was die Wahrnehmung der Anleger gegenüber den großen Technologiewerten – die über weniger liquide Mittel verfügen und weniger großzügig gegenüber ihren Aktionären sind – verändern dürfte. Dieses Umfeld würde eine Fortsetzung der Rotation seit Jahresbeginn begünstigen und könnte sich positiv auf die in den letzten Jahren weniger beliebten Segmente auswirken, insbesondere auf kleine und mittlere Qualitätswerte.
Europa profitiert von Investitionen und stabiler Nachfrage
In Europa sieht die Lage anders aus, ist aber nicht weniger positiv. Die Stimmung in den Unternehmen ist zwar noch verhalten, aber ebenfalls gut. Die Investitionen aus den deutschen Ausgabenplänen werden umgesetzt, die Beschäftigungsaussichten stabilisieren sich und steigen sogar leicht an. Gleichzeitig erholen sich die Industrieproduktion und das Baugewerbe. Sogar die Stimmung der Verbraucher scheint sich zu verbessern. Die Sparquote ist wieder rückläufig – auch in Frankreich – während das Einzelhandelsvolumen weiter steigt. Wie auf den amerikanischen Märkten ist dieses Umfeld günstig für eine Aufholjagd kleiner und mittlerer Werte und spricht für eine prozyklische Positionierung.
Warum die Weltwirtschaft geopolitische Schocks verkraften kann
Selbstverständlich könnte eine erhebliche Verschärfung und ein Festfahren des Nahost-Kriegs dieses Szenario infrage stellen. Es ist jedoch wichtig anzumerken, dass die Weltwirtschaft in der Lage ist, Schocks zu verkraften. Dies gilt insbesondere für die Inflationsfrage. Man darf nicht vergessen, dass der Preisanstieg aufgrund des Kriegs in der Ukraine in einem Umfeld stattfand, in dem die Inflation mit 7,5 % in den USA und 6 % in Europa bereits hoch, der Arbeitsmarkt angespannt und die Lohninflation aufgrund der durch die Corona-Pandemie verursachten Störungen sehr stark war.
Die aktuelle Situation ist anders: Die Inflation hat sich normalisiert und verlangsamt sich weiterhin leicht, während der Arbeitsmarkt deutlich flexibler ist. Auch in dieser Hinsicht ist die Weltwirtschaft also widerstandsfähig. Für Anleger ist dies ein entscheidender Punkt, den sie im Auge behalten sollten, um übertriebene Reaktionen zu vermeiden.
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