
Großereignisse wie Olympische Spiele oder Fußball-Weltmeisterschaften werden regelmäßig mit hohen Erwartungen verbunden: zusätzliche Touristen, steigende Umsätze, neue Arbeitsplätze und positive Konjunkturimpulse.
07.07.2026 | 08:42 Uhr
Für die USA gilt jedoch, dass die Dimensionen der Volkswirtschaft so groß sind, dass selbst ein Event vom Kaliber einer Fußball-WM volkswirtschaftlich kaum ins Gewicht fällt.
Der Chart verdeutlicht die Größenverhältnisse. Die erwarteten wirtschaftlichen Effekte der WM 2026 werden auf rund 17 Mrd. US-Dollar geschätzt. Das klingt zwar beeindruckend, entspricht jedoch weniger als 0,1 % des US-Bruttoinlandsprodukts von rund 32 Billionen US-Dollar. Zum Vergleich: Allein der Einzelhandel setzt jährlich mehr als 9 Billionen US-Dollar um. Die privaten Dienstleistungen kommen auf rund 24 Billionen US-Dollar, darunter das Gesundheitswesen, Finanzdienstleistungen, Unternehmensdienstleistungen oder die Informationstechnologie. Selbst vergleichsweise kleine Teilbereiche wie der Sportartikelhandel erreichen ein Vielfaches des erwarteten WM-Effekts.

Hinzu kommt, dass ein Großteil der Ausgaben keine zusätzliche Wertschöpfung darstellt, sondern lediglich einen zeitlich oder regional verlagerten Konsum. Wer während der WM ein Hotelzimmer in Dallas oder Miami bucht, reist möglicherweise zu einem anderen Zeitpunkt nicht mehr an. Deshalb kommen viele Studien zu Sportgroßveranstaltungen zu dem Ergebnis, dass die tatsächlichen gesamtwirtschaftlichen Effekte häufig deutlich geringer ausfallen als die vorher prognostizierten Zahlen.
In Schwellenländern kann die Situation anders aussehen. Dort gehen Großereignisse oft mit umfangreichen Investitionen in Verkehrswege, Flughäfen, Telekommunikation oder die öffentliche Infrastruktur einher. Solche Projekte können langfristige Produktivitätsgewinne erzeugen und damit einen höheren wirtschaftlichen Multiplikator entfalten. In den USA existierte die überwiegende Mehrheit der benötigten Infrastruktur bereits.
Für einzelne Unternehmen und Branchen kann die Rechnung trotzdem aufgehen. Hotelbetreiber, Reiseanbieter, Ticketplattformen, Gastronomieunternehmen oder Sportartikelhersteller können von einer temporär höheren Nachfrage durchaus profitieren. Auf Unternehmensebene entscheidet deshalb weniger das makroökonomische Narrativ als vielmehr die Frage, welche Firmen tatsächlich zusätzliche Umsätze und Gewinne erzielen können.
Die WM 2026 dürfte damit vor allem eines sein: ein globales Medienereignis. Für die US-Wirtschaft insgesamt ist sie hingegen eher ein Rundungsfehler als ein Konjunkturprogramm.
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