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Wie wird es enden mit der Kryptoregulierung?

Wie wird es enden mit der Kryptoregulierung?
06/2022
Kenneth Rogoff
Project Syndicate

@ Feedback an Redaktion

Bedingt durch die steil fallenden Preise für Kryptowährungen angesichts der von den Notenbanken eingeleiteten Zinserhöhungen fragen sich viele, ob dies der Anfang vom Ende der Blase ist. Womöglich noch nicht.

22.06.2022 | 07:45 Uhr

Doch treiben höhere Opportunitätskosten des Geldes die Preise für Vermögenswerte, deren hauptsächliche Verwendung in der Zukunft liegt, überproportional stark nach unten. Die ultraniedrigen Zinssätze begünstigten die Kryptowährungen, und junge Anleger erhalten nun einen Vorgeschmack darauf, was passiert, wenn die Zinsen nach oben gehen.

Eine interessantere Frage ist, was passiert, wenn die Regierungen endlich ernst machen mit der Regulierung von Bitcoin und Co. Von den wichtigen Volkswirtschaften hat bisher nur China angefangen, dies zu tun. Die meisten politischen Entscheidungsträger haben stattdessen versucht, das Thema auf digitales Notenbankgeld zu verlagern.

Aber das ist ein etwas unlogischer Gedankensprung. Obwohl digitales Notenbankgeld voraussichtlich Datenschutzfunktionen für kleinere Transaktionen umfassen wird: Bei größeren Transaktionen wird von den Beteiligten fast mit Sicherheit verlangt werden, ihre Identität offenzulegen. Im Gegensatz dazu ist einer der größten Reize privater Kryptowährungen die Möglichkeit, die sie bieten, sich staatlichem Einfluss zu entziehen. Zwar stimmt es, dass Kryptotransaktionen über das Blockchain-Ledger komplett nachvollziehbar sind. Doch richten die Nutzer ihre Konten normalerweise unter einem Pseudonym ein und sind daher ohne zusätzliche Informationen, deren Beschaffung kostspielig ist, schwer identifizierbar.

Einige Ökonomen argumentieren in naiver Weise, dass die Regulierung von Bitcoin und Co. nicht sonderlich dringend sei, weil der Einsatz von Kryptowährungen zu Transaktionszwecken schwierig und teuer sei. Erzählen Sie das den Politikern in den Entwicklungsländern, wo sich Kryptowährungen zu einem wichtigen Instrument entwickelt haben, um Steuern zu vermeiden und um Regulierung und Kapitalkontrollen auszuweichen.

Für ärmere Länder mit begrenzten staatlichen Kapazitäten sind Kryptowährungen ein wachsendes Problem. Die Bürger müssen keine Computer-Genies sein, um behördliche Vorgaben zu umgehen. Sie müssen nur auf eine der verschiedenen simplen „Off-Chain-Börsen“ zugreifen. Obwohl durch Dritte vermittelte Kryptotransaktionen im Prinzip nachverfolgbar sind, haben diese Börsen ihren Sitz in den hochentwickelten Ländern. In der Praxis macht dies die Informationen für die Behörden armer Länder unter den meisten Umständen unerreichbar.

Aber bedeutet das nicht bloß, dass die Kryptowährungen ihr Versprechen erfüllen, den Bürgern zu helfen, sich dem Einfluss korrupter, ineffizienter und nicht vertrauenswürdiger Regierungen zu entziehen? Mag sein. Doch wie 100-Dollar-Scheine werden Kryptowährungen in den Entwicklungsländern genauso von böswilligen Akteuren wie von normalen Bürgern genutzt.

So ist etwa Venezuela heute ein bedeutender Akteur auf den Kryptomärkten. Das liegt zum Teil daran, dass Expatriates diese Märkte nutzen, Geld hin und her zu schicken, ohne dass es vom korrupten Regime des Landes beschlagnahmt wird. Doch mit Sicherheit wird das Kryptogeld auch vom venezolanischen Militär beim Drogenschmuggel genutzt – von reichen, politisch vernetzten Personen, die Finanzsanktionen unterliegen, gar nicht zu reden. Da die USA derzeit mehr als ein Dutzend Länder mit derartigen Sanktionen belegt haben, sind Kryptowährungen für hunderte von Organisationen und tausende von natürlichen Personen eine logische Zuflucht.

Ein Grund, warum die Regulierungsbehörden der hochentwickelten Länder so langsam reagiert haben, ist die Ansicht, dass sie sich mit kryptobedingten Problemen nicht befassen müssen, solange diese Probleme primär die übrige Welt betreffen. Die Regulierungsbehörden machen sich anscheinend die Idee zu eigen, dass Kryptowährungen im Wesentlichen Anlageobjekte sind – und dass der Wert einer Transaktion unwichtig ist –, und sie sorgen sich mehr über den Schutz inländischer Anleger und die Finanzstabilität.

Doch hat die Wirtschaftstheorie schon vor langer Zeit gezeigt, dass der Wert einer Währung letztlich von ihren potenziellen Verwendungszwecken abhängig ist. Die größten Anleger in Kryptowährungen mögen in den hochentwickelten Ländern sitzen, doch den Zweck – und die angerichteten Schäden – betrafen bisher überwiegend die Schwellen- und Entwicklungsländer. Man könnte sogar argumentieren, dass Investitionen in einige Kryptoinstrumente in den hochentwickelten Ländern sich nicht wesentlich von Investitionen in Blutdiamanten unterscheiden.

Die Regierungen der hochentwickelten Länder werden höchstwahrscheinlich feststellen, dass die Probleme mit Kryptowährungen letztlich auf sie zurückschlagen werden. Wenn das geschieht, werden sie gezwungen sein, ein umfassendes Verbot digitaler Währungen zu erlassen, die keine problemlose Rückverfolgung der Nutzeridentität zulassen (sofern nicht der technologische Fortschritt alle Überreste der Anonymität aus dem Weg räumt, in welchem Falle die Preise für Kryptowährungen von allein einbrechen werden). Dieses Verbot würde mit Sicherheit für Finanzinstitute und Unternehmen gelten und voraussichtlich auch gewisse Beschränkungen für Privatpersonen umfassen.

Ein derartiger Schritt würde durch Verringerung der Liquidität die heutigen Kryptopreise steil untergraben. Natürlich werden die Beschränkungen umso wirksamer sein, je mehr Länder diese anwenden, doch ist eine universelle Umsetzung nicht erforderlich, damit sie lokal eine deutliche Wirkung entfalten.

Lässt sich irgendeine Version eines Verbots umsetzen? Wie China gezeigt hat, ist es relativ einfach, die Kryptobörsen dichtzumachen, die die große Mehrheit der Menschen für den Handel mit digitalen Währungen nutzt. Schwieriger ist es, „On-Chain-Transaktionen“ zu verhindern, da die an diesen beteiligten Personen schwieriger zu ermitteln sind. Ironischerweise könnte ein wirksames Verbot der Kryptowährungen des 21. Jahrhunderts die allmähliche Abschaffung (oder zumindest Begrenzung) des viel älteren Instruments des Papiergeldes erfordern, weil Bargeld die deutlich praktischste Methode ist, um Geld auf digitale „Wallets“ einzuzahlen, ohne dabei ohne Weiteres erkannt zu werden.

Um es klar zu sagen: Ich will hier nicht suggerieren, dass man alle Blockchain-Anwendungen beschränken sollte. So können etwa regulierte Stablecoins, die über die Bilanzen der Notenbanken abgesichert sind, weiterhin erfolgreich Verwendung finden. Aber es muss einen einfachen rechtlichen Mechanismus geben, um bei Bedarf die Identität des Nutzers zu ermitteln.

Wann (wenn überhaupt) könnte es tatsächlich zu einer strengeren Regulierung der Kryptowährungen kommen? Sofern keine Krise eintritt, könnte das viele Jahrzehnte dauern, insbesondere da die wichtigen Kryptoakteure – ähnlich wie der Finanzsektor im Vorfeld der globalen Finanzkrise von 2008 – enorme Summen für Lobbyismus ausgeben. Vermutlich jedoch wird es nicht annähernd so lange dauern. Unglücklicherweise dürfte es eher früher als später zur Kryptokrise kommen

Copyright: Project Syndicate

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