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Planung für eine Konkurs-Epidemie in den USA

Planung für eine Konkurs-Epidemie in den USA
Planung für eine Konkurs-Epidemie in den USA
06/2020
Ben Iverson und Mark Roe
Project Syndicate

@ Feedback an Redaktion

Neiman Marcus und J.C. Penney, zwei der großen Einzelhandelsunternehmen in den USA, haben vor kurzem die Zinszahlungen für ihre Kredite eingestellt. Es steht zu erwarten, dass eins oder beide von ihnen in Kürze Konkurs anmelden werden – ein Vorspiel für eine Welle COVID-19-bedingter Unternehmenskonkurse in den USA.

16.06.2020 | 08:20 Uhr

Und da die meisten US-Haushalte derzeit nicht die Reserven haben, um ihre Ausgaben für drei Monate zu bezahlen, werden viele Familien und Einzelpersonen ebenfalls Privatinsolvenz anmelden.

Es wird womöglich nicht mehr lange dauern, bis sich die USA einem Dreiklang aus Millionen von insolventen Verbrauchern, tausenden von gescheiterten Kleinunternehmen und einer Vielzahl von Konkursen großer börsennotierter Gesellschaften ausgesetzt sehen. Ganze Branchen könnten gleichzeitig Pleite gehen.

Die Zahl der Konkursanmeldungen in den USA erreicht ihren Höhepunkt historisch gesehen jeweils mehrere Monate nach einem steilen Anstieg der Arbeitslosigkeit. Und die Arbeitslosigkeit in den USA steigt derzeit in nie dagewesenem Tempo: In den letzten sechs Wochen wurden mehr als 30 Millionen Anträge auf Arbeitslosenunterstützung gestellt. Sollten sich die historischen Muster in den kommenden Monaten wiederholen, könnte der Anstieg bei den Konkurszahlen der größte sein, den das US-Gerichtswesen je erlebt hat.

Konkursverfahren verlaufen in normalen Zeiten relativ gut und schnell, insbesondere was die Sanierung großer börsennotierter Unternehmen angeht. Doch sie können nicht ordentlich funktionieren, und die Wirtschaft wird leiden, wenn das System überlastet ist und die Unternehmen in rechtlichen Verfahren feststecken.

Würde die Zahl der Konkurse so steigen wie nach der Finanzkrise von 2008-10, müsste ein US-Konkursrichter – auf Grundlage der Bearbeitungszeit jedes Verfahrens – nach unseren Berechnungen knapp 50 Stunden pro Woche arbeiten, um die erhöhte Arbeitsbelastung zu bewältigen. Tatsächlich jedoch schrumpft die Volkswirtschaft schon jetzt stärker als nach dem Finanzkollaps von 2008, was einen doppelt so starken Anstieg der Konkurszahlen wie 2010 plausibel macht. Selbst wenn nur minimale 0,9% der 30 Millionen neuen Arbeitslosen Privatinsolvenz anmelden würden, würde die hierdurch bedingte Arbeitsbelastung den Spitzenwert des Jahres 2010 überschreiten. Niemand kann von Konkursrichtern erwarten, dass sie 100 Stunden pro Woche arbeiten. Sie werden Abstriche machen müssen und einige Fälle im Rahmen einer richterlichen Triage vernachlässigen müssen.

Die staatliche Unterstützung im Rahmen des Coronavirus Aid, Relief, and Economic Security (CARES) Act wird einige sofortige Konkurse verhindern. Trotzdem werden sich viele Unternehmen schwer tun, ihren Verpflichtungen gegenüber ihren Gläubigern, Beschäftigten und Lieferanten nachzukommen. Und dann werden sie wie Neiman Marcus, J.C. Penney und große Teile der Ölindustrie noch immer unfähig sein, ihre Schulden zu bezahlen. Auch während der Krise von 2008-10 stieg die Zahl der Konkurse trotz beträchtlicher staatlicher Hilfen für die Unternehmen steil an.

Anders als viele glauben mögen ist ein Konkurs, insbesondere für börsennotierte Unternehmen mit einem tragfähigen Geschäftsmodell, kein Todesstoß. Für Unternehmen, die Geld verdienen können, bedeutet ein Konkurs nicht die Schließung und Abwicklung. Mit angemessenen Ressourcen sind Konkursrichter äußerst effektiv dabei, derartige Unternehmen zu sanieren und wieder lebens- und konkurrenzfähig zu machen. So wurden im Laufe der letzten Jahrzehnte die meisten US-Fluglinien im Rahmen von Konkursverfahren saniert und gingen gesund daraus hervor. Darüber hinaus erlaubt ein Konkurs den Inhabern von Kleinunternehmen – etwa gescheiterten Restaurantbetreibern –, ihre Schulden hinter sich zu lassen und neu anzufangen. Die Aufrechterhaltung eines effektiven Konkurssystemprozesses ist daher wichtig für die Gesundheit der US-Wirtschaft.

Überlastete Konkursgerichte werden negative Rückkoppelungseffekte für die Wirtschaft zur Folge haben. Zunächst einmal sind besondere Verfahren für Bankrotteure erforderlich, um wichtige Lieferanten und manchmal auch Beschäftigte zu bezahlen. Kommt es zu Staus bei den Gerichten, verzögern sich diese Zahlungen, sodass sich Störeffekte die Lieferketten hindurch fortsetzen.

Darüber hinaus müssen bestimmte Konkursentscheidungen praktisch sofort getroffen werden, damit die Unternehmen genügend Bargeld erhalten und behalten, um den nächsten Gehaltstermin zu überstehen. Einer von uns hat kürzlich eine Studie veröffentlicht, die zeigt, dass, wenn sich die Beilegung von Fällen bei einer Überlastung der Konkursgerichte verlangsamt, zu viele kleine Unternehmen abgewickelt werden und die Gläubiger einen geringeren Teil ihrer Außenstände zurückerhalten.

Schlimmer noch: Die am Rande des Konkurses stehenden Unternehmen werden in ein paar Monaten viel zu hohe Schulden haben, um noch wirksam zu operieren. Überschuldete Firmen lehnen es häufig ab, selbst gute Geschäftsprojekte zu verfolgen, oder können es nicht, wodurch sich Beschäftigung und Investitionen weiter reduzieren. Derart überschuldete Unternehmen lassen sich derzeit rasch im Rahmen eines Konkursverfahrens heute rasch sanieren. Doch das wird bei einer Überlastung der Gerichte in sechs Monaten nicht möglich sein.

Als wäre all dies nicht schlimm genug, sind 65% aller US-Konkursrichter über 60 Jahre alt. Angesichts coronabedingter gesundheitlicher Gründe für eine Arbeit von zu Hause aus werden sie auf jene Hinterzimmergespräche verzichten, in denen sie Schuldner und Gläubiger sonst häufig zu Kompromissen bewegen.

Auch wenn dies düstere Aussichten sind: Wenn das historische Muster Bestand hat und die Konkursanmeldungen ihren Höhepunkt erst mehrere Monate nach Rezessionsbeginn erreichen, besteht noch ein Zeitfenster. Wenn sie ihren Gipfel diesmal schneller erreichen, ist keine Zeit zu verlieren.

Der US-Kongress sollte die Zahl verfügbarer Konkursrichter und des sie unterstützenden Personals verdoppeln. Insbesondere sollte der Gesetzgeber neue, vorläufige Richterstellen schaffen, andere Bundesrichter versetzen und die Konkursrichter weniger stark beschäftigter Gerichte dort einsetzen, wo sie am dringendsten gebraucht werden.

Dies sind preiswerte Maßnahmen mit hohem Nutzen. Während die zunehmend parteiische Beschaffenheit der Nominierungsverfahren für Richter einige im Kongress zögern lassen könnte, werden Konkursrichter von den Bundesberufungsgerichten und nicht vom Präsidenten ernannt und sie müssen vom Senat bestätigt werden. Parteikonflikte sollten die Kapazitätsausweitung an den Konkursgerichten also nicht behindern.

Wir müssen diese Kapazitäten jetzt stärken, genau wie wir uns wünschen, dass wir die COVID-19-Kapazitäten unseres Gesundheitswesens vor Monaten ausgeweitet hätten. Die beste Lösung für eine drohende Überlastung der Gerichte durch zu viele Konkursverfahren sind ein frühes Ende der Gesundheitskrise und eine rasche Wirtschaftserholung. Aber darauf können wir nicht zählen. Wir haben jetzt ein Zeitfenster, um das wirtschaftliche Gegenstück zu den fehlenden Virustests und Beatmungsgeräten zu beschaffen. Wir sollten den Fehler, es zu vertun, nicht wiederholen.

Die Autoren

Ben Iverson
Ben Iverson
Ben Iverson ist Professor an der Brigham Young University

Ben Iverson ist Professor an der Brigham Young University.

Mark Roe
Mark Roe
Mark Roe ist Professor für Gesellschaftsrecht an der Harvard Law School

Mark Roe ist Professor für Gesellschaftsrecht an der Harvard Law School.

Copyright: Project Syndicate

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