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Fragile Dollarhegemonie

Fragile Dollarhegemonie
Fragile Dollarhegemonie
04/2021
Kenneth Rogoff
Project Syndicate

@ Feedback an Redaktion

Der mächtige US-Dollar nimmt an den Weltmärkten weiterhin unangefochten die Spitzenstellung ein. Doch könnte die Dominanz des Greenbacks fragiler sein als es den Anschein hat. Von Kenneth Rogoff

30.04.2021 | 07:25 Uhr

Weil voraussichtliche künftige Änderungen bei Chinas Wechselkurssystem eine deutliche Verschiebung in der internationalen Währungsordnung auslösen dürften.

Die chinesischen Behörden dürften aus einer Vielzahl von Gründen irgendwann aufhören, den Renminbi an einen Währungskorb zu knüpfen, und auf ein modernes, an Inflationsziele geknüpftes System umstellen, bei dem sie dann eine deutlich stärkere Fluktuation des Wechselkurses insbesondere gegenüber dem Dollar zulassen werden. Wenn das geschieht, ist zu erwarten, dass der größte Teil Asiens China folgt. Zu gegebener Zeit könnte der Dollar, der derzeit die Ankerwährung für rund zwei Drittel des globalen BIP darstellt, fast die Hälfte seines Gewichts verlieren.

Bedenkt man, wie stark die USA zur Finanzierung ihrer massiven öffentlichen und privaten Kreditaufnahme auf den Sonderstatus des Dollars – das, in den Worten des damaligen französischen Finanzministers Valéry Giscard d’Estaing, „exorbitante Privileg Amerikas“ – angewiesen sind, könnten die Auswirkungen einer derartigen Verschiebung beträchtlich sein. Und da die USA zur Bekämpfung der wirtschaftlichen Verheerungen durch COVID-19 aggressiv auf eine Defizitfinanzierung setzen, könnte die langfristige Tragbarkeit ihrer Schulden in Frage gestellt werden.

Das seit langem vorgebrachte Argument für eine flexiblere chinesische Währung ist, dass China schlicht zu groß sei, um zu erlauben, dass seine Wirtschaft nach der Pfeife der US Federal Reserve tanzt, selbst wenn die chinesischen Kapitalkontrollen dem Land ein gewisses Maß an Schutz bieten. Chinas BIP (gemessen in internationalen Preisen) hat das der USA bereits 2014 übertroffen und wächst nach wie vor deutlich schneller als das der USA und Europas, was die Argumente für größere Wechselkursflexibilität zunehmend zwingender macht.

Ein aktuelleres Argument ist, dass die zentrale Rolle des Dollars der US-Regierung einen zu starken Zugriff auf globale Transaktionsdaten verschafft. Dies macht auch Europa erhebliche Sorgen. Im Prinzip könnten Dollartransaktionen überall auf der Welt abgewickelt werden. Doch haben die US-Banken und -Clearingstellen dabei einen erheblichen natürlichen Vorteil, weil sie stillschweigend (oder ausdrücklich) von der Fed gestützt werden können, die in einer Krise unbegrenzt Dollars herausgeben kann. Im Vergleich dazu wird jede Dollar-Clearingstelle außerhalb der USA stets in stärkerem Umfang Vertrauenskrisen ausgesetzt sein – ein Problem, mit dem selbst die Eurozone zu kämpfen hatte.

Zudem werden die Maßnahmen von US-Präsident Donald Trump, die Chinas Dominanz im Handel Grenzen setzen sollten, so schnell nicht verschwinden. Dies ist eine der wenigen Fragen, in denen sich Demokraten und Republikaner weitgehend einig sind, und es steht kaum in Frage, dass die Deglobalisierung des Handels die Rolle des Dollars untergräbt.

Die chinesischen Politiker stehen bei dem Versuch, die derzeitige Währungsbindung des Renminbi aufzugeben, vor zahlreichen Hürden. Doch haben sie in charakteristischer Manier langsam an vielen Fronten die Grundlagen dafür gelegt. China hat es ausländischen institutionellen Anlegern schrittweise erlaubt, auf Renminbi lautende Anleihen zu kaufen, und 2016 hat der Internationale Währungsfonds den Renminbi zu einem Korb wichtiger Währungen hinzugefügt, der den Wert der Sonderziehungsrechte (der globalen Reservewährung des IWF) bestimmt.

Darüber hinaus ist die Chinesische Volksbank mit ihren Bemühungen, eine digitale Notenbankwährung zu entwickeln, sehr viel weiter als andere wichtige Notenbanken. Auch wenn sie derzeit ausschließlich dem Einsatz im Inland dient, wird die digitale Währung der Volksbank letztlich die internationale Verwendung des Renminbi erleichtern, insbesondere in Ländern im Dunstkreis von Chinas irgendwann entstehendem Währungsblock. Dies wird der chinesischen Regierung einen Einblick in die Transaktionen der Nutzer von digitalen Renminbis geben, genau wie das derzeitige System den USA eine Menge ähnlicher Informationen verschafft.

Werden andere asiatische Länder China wirklich folgen? Die USA werden sich mit Sicherheit große Mühe geben, so viele Volkswirtschaften wie möglich im Orbit des Dollars zu halten. Aber das wird ein schwieriges Unterfangen. Genau wie die USA Ende des 19. Jahrhunderts als weltgrößtes Handelsland an Großbritannien vorbeizogen, hat China die USA, was diese Messgröße angeht, längst hinter sich gelassen.

Natürlich könnten Japan und Indien ihren eigenen Weg gehen. Doch wenn China den Renminbi flexibler macht, werden sie der Währung in ihren Devisenreserven vermutlich zumindest ein vergleichbares Gewicht einräumen wie dem Dollar.

Es gibt auffällige Parallelen zwischen Asiens enger Anlehnung an den Dollar heute und der Situation in Europa in den 1960er und frühen 1970er Jahren. Diese Ära jedoch endete mit hoher Inflation und dem Zusammenbruch des Bretton-Woods-Systems fester Wechselkurse der Nachkriegszeit. Der größte Teil Europas erkannte damals, dass der innereuropäische Handel wichtiger war als der Handel mit den USA. Die führte zur Entstehung eines Blocks um die Deutsche Mark, der sich später in den Euro verwandelte.

Das bedeutet nicht, dass der chinesische Renminbi über Nacht die globale Währung werden wird. Der Übergang von einer dominanten Währung zur anderen kann lange dauern. Während der beiden Jahrzehnte zwischen den Weltkriegen etwa nahm der Neuankömmling (der Dollar) ungefähr dasselbe Gewicht in den Notenbankreserven ein wie das britische Pfund, das nach den Napoleonischen Kriegen des frühen 19. Jahrhunderts mehr als 100 Jahre lang die dominante globale Währung war.

Was also wäre schlimm daran, wenn sich drei Weltwährungen – Euro, Renminbi und Dollar – das Rampenlicht teilen würden? Gar nichts, abgesehen davon, dass weder die Märkte noch die politischen Entscheidungsträger im Entferntesten auf eine derartige Umstellung vorbereitet zu sein scheinen. Die Kreditzinsen der US-Regierung würden fast mit Sicherheit in Mitleidenschaft gezogen werden, auch wenn die wirklich großen Auswirkungen auf Kreditnehmer aus der Wirtschaft – insbesondere kleine und mittelständische Unternehmen – entfallen könnten.

Es scheint unter US-Politikern und vielen Ökonomen heute ein Glaubensbekenntnis zu sein, dass der weltweite Hunger nach Dollaranleihen praktisch unstillbar ist. Eine Modernisierung des chinesischen Wechselkurssystems jedoch könnte dem Status des Dollars einen schmerzhaften Schlag versetzen.

Copyright: Project Syndicate

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