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Die Zeitbombe COVID-19-bedingter Zahlungsausfälle

Die Zeitbombe COVID-19-bedingter Zahlungsausfälle
Die Zeitbombe COVID-19-bedingter Zahlungsausfälle
05/2020
Pierre-Olivier Gourinchas und Chang-Tai Hsieh
Project Syndicate

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Ohne umfassendes Schuldenmoratorium wird die COVID-19-Pandemie zu einer Welle unkontrollierter staatlicher Zahlungsausfälle insbesondere unter Schwellen- und Entwicklungsländern führen. Von Pierre-Olivier Gourinchas und Chang-Tai Hsieh.

26.05.2020 | 08:00 Uhr

Falls das passiert, werden die weltweiten Anstrengungen zur Eindämmung der Gesundheitskrise scheitern, und der aktuelle wirtschaftliche Zusammenbruch könnte dann in einen dauerhaften Niedergang münden.

Reiche und arme Länder sehen sich gleichermaßen einer beispiellosen Wirtschaftskrise ausgesetzt; Unternehmen schließen und Arbeitnehmer verlieren ihr Einkommen. Ein Abschwung dieser Größenordnung kann enorme langfristige Schäden anrichten, da wichtige wirtschaftliche Verknüpfungen verschwinden. Wenn nicht schnell etwas passiert, werden zahllose Firmen dauerhaft schließen.

Daher hat der US-Kongress vor kurzem ein Rettungspaket im Umfang von zwei Billionen Dollar verabschiedet, während etwa die Regierungen Dänemarks und Kanadas 75% der Lohnkosten der kleinen und mittelständischen Unternehmen (KMUs) ihrer Länder subventionieren. China hat derweil das Kreditvolumen erhöht und die Sozialabgaben gestrichen, und es hat gerade ein Rettungspaket im Umfang von fast einer Billion Dollar angekündigt.

Noch größere Probleme bereitet COVID-19 Schwellenländern wie Indien und Mexiko. Dort sind die wirtschaftlichen Kosten des Social Distancing noch höher als in den USA und Europa, und ein deutlich höherer Anteil der Wirtschaft entfällt auf anfällige KMUs mit geringen Barreserven. Diese Länder haben zudem sehr viel instabilere Gesundheitssysteme. Die benötigten Mittel zur Unterstützung gefährdeter Arbeitnehmer und Unternehmen sowie zur Behandlung von COVID-19-Patienten könnten sich auf bis zu 10% ihres BIP belaufen.

Wo soll dieses Geld herkommen? Einige hochentwickelte Länder, wie etwa die USA, können zu geringen zusätzlichen Kosten deutlich mehr Geld aufnehmen. Doch ein Teil dieser Gelder kommt von um finanzielle Sicherheit bemühten ausländischen Anlegern, und ein Teil von privaten US-Anlegern, die ihre ausländischen Beteiligungen liquidieren. Anders ausgedrückt: Die von den USA und anderen hochentwickelten Volkswirtschaften benötigten Finanzmittel kommen zum Teil aus Ländern wie Mexiko.

Darüber hinaus müssen anders als während der globalen Finanzkrise von 2008 diesmal alle Schwellen- und Entwicklungsländer genau zur selben Zeit Kredite aufnehmen. Selbst wenn Mexiko also imstande wäre, Anleihen zu begeben, würde es mit vielen anderen Ländern konkurrieren, die sich in derselben Lage befinden. Es ist eine traurige Tatsache, aber Länder können bei niemand anderem borgen als anderen Ländern.

Wenn man sie machen lässt, werden die Finanzmärkte die Gewinner und Verlierer bestimmen. Die Gewinner werden die Länder mit ausreichend Kapazitäten zur Ausgabe sicherer Anleihen sein. Sie werden zudem enorme Summen zu ultraniedrigen Zinsen aufnehmen können. Die Verlierer werden die Mexikos dieser Welt sein, und sie werden gleich doppelt leiden: Nicht nur können sie zur Bewältigung der Krise kein Geld aufnehmen, sondern es wird aus diesen Ländern auch noch Kapital abfließen, so wie das aufgrund der Kreditaufnahmen durch die USA, China und die europäischen Länder bereits passiert. Es ist daher kein Wunder, dass sich bereits mehr als 90 Länder an den Internationalen Währungsfonds gewandt haben, um dort finanzielle Unterstützung zu erhalten.

Eine Kaskade ungeordneter staatlicher Zahlungsausfälle zöge – da die Regierungen der Entwicklungsländer derzeit enorme Summen aufwenden müssen, um ihrer Bürger gesund zu halten und ihre Volkswirtschaften vor dem Untergang zu bewahren – enorme menschliche und wirtschaftliche Kosten nach sich und würde unsere Chancen auf eine Eindämmung der Pandemie deutlich verringern. Schließlich muss man das Virus, um es irgendwo einzudämmen, überall eindämmen.

Um eine Katastrophe zu vermeiden, braucht die Welt dringend wirkungsstarke kollektive Maßnahmen. Der IWF schätzt, dass sich der Finanzierungsbedarf der Schwellenländer auf 2,5 Billionen Dollar beläuft, aber diese Zahl scheint niedrig. Doch sind die der Weltbank und dem IWF zur Verfügung stehenden Mittel so oder so viel zu begrenzt. Die Bemühungen, die Feuerkraft des IWF – die derzeit bei lediglich einer Billion Dollar liegt – auszuweiten, müssen aggressiv verfolgt werden.

In der Zwischenzeit sollte der IWF handeln, um die nahende Welle staatlicher Zahlungsausfälle abzuwehren, indem er ein umfassendes Schuldenmoratorium koordiniert. Dieses Moratorium würde alle staatlichen Tilgungszahlungen an private und öffentliche Gläubiger durch Schwellen- und Entwicklungsländer, die einen derartigen Tilgungsstopp beantragen, aussetzen, und Bestand haben, bis die Gesundheitskrise vorbei ist.

Unsere Schätzungen legen nahe, dass ein einjähriges Schuldenmoratorium mehr als eine Billion Dollar oder 3,3% des gemeinsamen Einkommens der Länder geringen und mittleren Einkommens freisetzen könnte – enorm viel mehr als die geschätzten 14 Milliarden Dollar, die durch das vorgeschlagene Tilgungsmoratorium gegenüber öffentlichen Gläubigern der ärmeren Länder allein freigesetzt würden. Dies wäre Ländern wie Mexiko und Indien bei der Bekämpfung der gegenwärtigen Krise eine große Hilfe.

Zwar lässt sich einwenden, dass ein Schuldenmoratorium die private Kreditvergabe an diese Länder weitgehend zum Erliegen bringen würde. Doch diese Kapitalströme sind bereits versiegt oder haben sich umgekehrt. Und obwohl ein Moratorium diesen Ländern den Zugang zu den internationalen Kapitalmärkten für lange Zeit versperren könnte, wäre das Stigma diesmal deutlich geringer, weil das Moratorium infolge einer weltweiten Pandemie und nicht aufgrund haushaltspolitischer Verantwortungslosigkeit verhängt würde. Das Plazet des IWF würde ebenfalls helfen.

Die privaten Gläubiger werden einem Moratorium mit höherer Wahrscheinlichkeit zustimmen, sobald sie begreifen, dass die Alternative eine Menge unkontrollierter Zahlungsausfälle sind, die sich auf ihren Gewinn nicht positiv auswirken würden. Ein Schuldenmoratorium erhält die Option aufrecht, eine formelle Umstrukturierung der Schulden zu vermeiden, falls sich die Wirtschaftslage nach der Pandemie verbessert.

Ein beträchtlicher Anteil dieser Staatsanleihen wurde diesmal nach lokalem Recht begeben, das man ändern kann. Problematischer sind nach ausländischem Recht begebene Anleihen ohne Umschuldungsklauseln. Was sie angeht, könnten die Gesetze zur Staatenimmunität in den USA und in Großbritannien vorübergehend abgeändert werden, um es den Gerichten zu erlauben, Verfahren von Holdouts gegenüber Ländern zu beenden, denen der IWF bescheinigt, dass sie aufgrund der Pandemie außerstande sind, ihre kurzfristigen Verbindlichkeiten zu bedienen. Eine derartige Lösung wäre auch im sozialen und wirtschaftlichen Interesse der reichen Länder.

Im Falle der lateinamerikanischen Schuldenkrise der 1980er Jahre dauerte es fast zehn Jahre, bis die Gläubiger, im Rahmen des sogenannten Brady-Plans, in ernsthafte Verhandlungen eintraten. Das muss diesmal anders laufen. Wir müssen unverzüglich ein umfassendes Schuldenmoratorium koordinieren, um ein weiteres verlorenes Jahrzehnt (oder zwei) für die Mexikos dieser Welt zu vermeiden.

Die Autoren

Pierre-Olivier Gourinchas ist Professor für Volkswirtschaft an der University of California in Berkeley und Gastprofessor an der Princeton University.

Chang-Tai Hsieh ist Professor für Volkswirtschaft an der Booth School of Business der University of Chicago.

Copyright: Project Syndicate

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