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Deutsche Konjunktur: Aufschwung mit Risiken

Dr. Michael Heise
Deutsche Konjunktur: Aufschwung mit Risiken
09/2020
Dr. Michael Heise
macrodavisors (Website)

@ Feedback an Redaktion

Obwohl die Erholung der deutschen Wirtschaft stärker ausgefallen ist als von vielen erwartet, hat die Corona-Pandemie tiefe Spuren hinterlassen. Auch für 2021 sieht Michael Heise noch Risiken. Er fordert daher, die Rahmenbedingungen für die Wirtschaft zu verbessern.

21.09.2020 | 12:45 Uhr

Die Corona-Pandemie hat im zweiten Quartal diesen Jahres einen beispiellosen  Einbruch der  realen Wirtschaftsleistung um fast 10 % gegenüber dem ersten Vierteljahr verursacht.. Mit der Lockerung der pandemiebedingten Beschränkungen ging die Wirtschaft dann wieder auf Erholungskurs. Nach aktuellen Indikatoren dürfte die gesamtwirtschaftliche Produktion im dritten Quartal wieder kräftig zulegen. . Ein Anstieg in der Größenordnung von bis zu 9% erscheint realistisch..

Deutschland-Produktion


So ist die Produktion im Produzierenden Gewerbe von ihrem Tiefpunkt im April bis Juli bereits wieder um etwa 19 % gestiegen und lag damit zu Beginn des dritten Quartals um ca 10  % über dem durchschnittlichen Niveau des zweiten Quartals. Beim Volumen der Auftragseingänge in der Industrie fällt dieser Überhang nach dem starken Anstieg im Juni (28,8 % gegenüber Vormonat) mit 24,4 % noch stärker aus. Auch die verbesserten Ergebnisse zu den Exporterwartungen im Verarbeitenden Gewerbe (ifo) und zur Beurteilung der Auftragseingänge unter Einkaufsmanagern deuten darauf hin, dass sich die Auftragslage weiter verbessert und die Wirtschaft im dritten Quartal ein hohes Tempo vorlegt.

Deutschland-Aussenwirtschaft


Die bisherige Erholung einzelner Indikatoren hat also im Ansatz durchaus Züge eines V-förmigen Verlaufs, den die meisten Kommentatoren als die am wenigsten wahrscheinliche Entwicklung angesehen hatten. In den Zeiten des beispiellosen Absturzes war es schwer, sich eine plötzliche Kehrtwende vorzustellen. Aber letztendlich gab es gute Gründe dafür. Die Wirtschaft war in ein künstliches Koma gelegt worden, Konsumwünsche konnten durch die Schließung von Verkaufsstätten (Waren-, Autohäuser etwa) und Dienstleistungsbereichen nicht umgesetzt werden.

Da der Onlinehandel das, insbesondere bei dauerhaften Konsumgütern, nicht kompensieren konnte, ist die Sparquote der privaten Haushalte in den Monaten des Lockdowns kräftig gestiegen. Mit der Lockerung der Beschränkungen belebte sich der Konsum ganz von selbst. Die Einzelhandelsumsätze haben das Vorkrisenniveau rasch wieder erreichen können (Schaubild). Auch in den nächsten Monaten werden Nachholeffekte beim Konsum wirksam sein. Unterstützend wirken dabei die Maßnahmen der Wirtschaftspolitik, die bisher bereits weitreichende Insolvenzen und – etwa dank des Kurzarbeitergelds – Einkommensverluste im Privatsektor verhindert haben.

Reale Einhandelsumsätze

Quelle: Bundesbank


Steigende Infektionszahlen sind ein Risiko

Die in vielen Ländern steigenden oder wieder gestiegenen Neuinfektionszahlen stellen allerdings ein erhebliches Risiko für die Konjunktur im weiteren Jahresverlauf und in 2021 dar. Sollte die Pandemie in Deutschland selbst oder in wichtigen Partnerländern wieder beschleunigt um sich greifen und restriktive staatliche Maßnahmen erforderlich machen, wird eine erneute Wachstumsschwäche kaum vermeidbar sein. Im Extremfall eines zweiten Lockdown, mit Teilstillegungen der Wirtschaft und erneuten Ausgangsbeschränkungen, wäre ein abermaliger Absturz, eine Art W-Verlauf der Konjunktur zu befürchten. Aufgrund der enormen volkswirtschaftlichen Kosten wird eine weitreichender Lockdown wohl nicht in Erwägung gezogen werden. Er wäre auch angesichts der verringerten Sterblichkeit und der verhältnismäßig geringen Zahl an schweren Verläufen der Infektion nicht vertretbar.

Auch verhältnismäßig moderate gezielte Maßnahmen zur Pandemiebekämpfung werden die wirtschaftlichen Erholungstendenzen allerdings verlangsamen. Höhere Kosten, um die Auflagen zu erfüllen sowie Einschränkungen bei größeren Veranstaltungen werden zahlreiche Branchen belasten. Auch die Erholung des Konsums wird durch Maßnahmen zur Pandemiebekämpfung verlangsamt. Der Abbau der Arbeitslosigkeit und der Kurzarbeit wird  noch länger andauern, zumal die Pandemie einen Strukturwandel hin zu digitalen Geschäftsmodellen, anderen Verkehrs- und Reisekonzepten sowie weniger tiefen und automatisierten Produktionsketten führt. Die Anforderungen an die Erwerbstätigen ändern sich dadurch und verlangen wirksame Umschulungs- und Qualifizierungsmaßnahmen.

Wie entwickeln sich unsere Handelspartner ?

Wie schnell wieder ein hoher Beschäftigungsgrad erreicht werden kann, hängt des weiteren von der Entwicklung bei wichtigen Handelspartnern ab. Festzustellen ist, dass die weltwirtschaftliche Entwicklung nach dem historischen Einbruch im ersten Halbjahr vielerorts besser verläuft, als das noch im Juni des Jahres erwartet wurde. Die damaligen Prognosen des Internationalen Währungsfonds, der Weltbank und der OECD waren zu negativ und mussten bereits oder werden nach oben angepasst werden – und zwar für die USA, die EU und Asien. Insbesondere die Stabilisierung der chinesischen Konjunktur, die bereits das Vorkrisenniveau wieder erreicht hat und im Durschnitt des Jahres etwa um 2 % wachsen dürfte, ist für die deutschen Unternehmen von erheblicher Bedeutung. Für die Entwicklung in anderen wichtigen Abnehmerländern sind die Aussichten allerdings noch sehr unsicher. In den USA nehmen die täglichen Infektionszahlen zwar ab, aber sie liegen nach wie vor auf sehr hohem Niveau und lassen anhaltende Auflagen für die Bevölkerung erwarten. Der Produktionsrückgang dürfte im Jahr 2020 trotz der großen Konjunkturprogramme bei 4% liegen. Großbritannien, der fünftgrößte Exportmarkt für Deutschland, hat einen massiven Einbruch erlitten und dürfte sich nur langsam erholen. Die Euro Zone ist ebenfalls noch von der Pandemie gezeichnet und dürfte einen Produktionsverlust von ca 7 Prozent in 2020 erleiden. Reisebeschränkungen nach Spanien oder steigende Fallzahlen in Frankreich könnten der wirtschaftlichen Erholungsdynamik in den kommenden Monaten Grenzen setzen. 

Das Risiko nach dem ersten Wiederanstieg der gesamtwirtschaftlichen Produktion in eine erneute Schwächephase hinein zu geraten, ist daher nicht gering. Für die Wirtschaftspolitik würde das neue Herausforderungen mit sich bringen. Die deutsche Finanzpolitik hat die Wirtschaft bereits in der ersten Welle mit sehr großen Beträgen und einem damit einhergehenden steilen Anstieg der Staatsverschuldung unterstützt. Eine erneute Verlangsamung der Wirtschaft würde weitere wirtschaftspolitische Schritte erforderlich machen. Erste Entscheidungen sind bereits in den letzten Tagen mit der Verlängerung des Kurzarbeitergeldes oder der Sonderregelung bei der Insolvenzantragspflicht getroffen worden.

Die Rahmenbedingungen für die Wirtschaft verbessern

Es ist richtig, Unternehmen und Selbständige zu unterstützen, die in besonderem Maße von der Pandemie betroffen und teilweise in Existenznöte geraten sind. Diese an sich richtige Strategie stellt gleichwohl eine Gradwanderung für die Politik dar, da ein langfristiger Kapazitätsabbau und Marktaustritte in manchen Branchen nicht vermeidbar sein werden und in einem marktwirtschaftlichen System auch zugelassen werden müssen. Die Verlängerung des Kurzarbeitergeldes bis zum 31.12.2021 ist unter dem Gesichtspunkt des starken Nachfragerückgangs in manchen Bereichen sicherlich an der Grenze dessen, was vertretbar ist.

Um eine möglichst reibungslose Anpassung an den Covid-Schock zu ermöglichen, ist es von zentraler Bedeutung, die Rahmenbedingungen für eine wettbewerbsfähige Wirtschaft zu verbessern. Das bedeutet, dass man die Kosten und die Belastung von Steuern und Abgaben für die Unternehmen und Selbständige im Auge haben muss und die Bedingungen für hohe Produktivität über Digitalisierungsfortschritte und gute Infrastrukturleistungen verbessert. Dann wird das Schrumpfen mancher Sektoren durch Wachstum in anderen Bereichen über die Zeit kompensiert werden.

Mit einem Fokus auf temporäre Maßnahmen der Nachfragepolitik, wie der Mehrwertsteuersenkung und dem Kinderbonus, wird man keinen nachhaltigen Erfolg haben. Insbesondere die kostspielige temporäre Mehrwertsteuersenkung wird nur im laufenden Halbjahr konsumstimulierend wirken. Mit der Rückkehr zu höheren Sätzen Anfang 2021 wird über Preiserhöhungen eine Bremswirkung einsetzen und – möglicherweise zur Unzeit – eine Konsumflaute auslösen.

Einen Bärendienst erweist man den Beschäftigten und Arbeitssuchenden in unserer Wirtschaft, wenn man für kurzfristige Konsumimpulse die Verschlechterung der Wettbewerbsbedingungen in Kauf nimmt. Die Vorschläge zur Anhebung von Einkommenssteuer oder Körperschaftsteuer oder rigidere Vorschriften in Bezug auf Arbeitsmärkte, Güter- und Wohnungsmärkte würden die Wettbewerbsfähigkeit der Wirtschaft schwächen und langfristig zu einer geringeren Investitionstätigkeit und weniger Arbeitsplätzen führen. Eine Konsolidierung der Staatsschulden wird auf diesem Wege nicht gelingen. Dazu bedarf es einer langfristig angelegten Politik, die nicht allein auf die Nachfrageentwicklung, sondern in starkem Maße auf die Wettbewerbsfähigkeit der Volkswirtschaft setzt. Maßnahmen zur Absenkung der in Deutschland besonders hohen Steuer- und Abgabenbelastung würden sowohl die Nachfrage- und die Angebotsseite der Wirtschaft stärken. Höheres Wachstum würde die anfänglichen Haushaltsdefizite zumindest vermindern. Beiträge zur Konsolidierung müssten darüber hinaus von einem langsameren Wachstum der konsumtiven Ausgaben und der Transferleistungen des Staates kommen, die in den vergangenen Jahren der Haupttreiber höhere Staatsausgaben und der steigenden Staatsquote gewesen sind.

Fazit

Die Erholung der deutschen Wirtschaft seit der Lockerung der zur Eindämmung der Coronavirus-Pandemie ergriffenen Maßnahmen ist stärker als von vielen erwartet. Die erneute Ausbreitung des Virus stellt jedoch ein großes Risiko für die kommenden Monate und 2021 dar. Jetzt kommt es darauf an, den wirtschaftlichen Erholungsprozess am Laufen zu halten, zum einen über gezielte und wirtschaftlich vertretbare Maßnahmen der Pandemiebekämpfung, zum anderen über eine Wirtschaftspolitik, welche die Wettbewerbsfähigkeit der Wirtschaft stärkt.
Dann wird das Schrumpfen mancher Sektoren durch Wachstum in anderen Bereichen über die Zeit kompensiert werden.


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