Homeoffice Story: Michael Hennig, Swiss Life Asset Managers

FundResearch TV dokumentiert im Rahmen der Web-Konferenz „Fonds im Fokus“ den in diesen Zeiten nicht alltäglichen Alltag von Finanzprofis. Heute: Michael Hennig, Marketing- und Vertriebschef bei Swiss Life Asset Managers.

25.11.2020 | 09:50 Uhr

Herr Hennig, wie sieht Ihr Tag aus?

Michael Hennig: Seit drei Wochen arbeite ich wieder verstärkt im Homeoffice. Wir haben ein System, demzufolge in den Büros maximal 20 Prozent der Mitarbeiter anwesend sein dürfen. Wir handhaben das flexibel und nach Absprache. Es ist also kein Muss, dass ich zum Beispiel jeden fünften Tag im Büro bin. Manche von uns haben mehr Lust, im Homeoffice zu sein, manche weniger. Die Erfahrung zeigt, dass die Abstimmung sehr gut funktioniert. Die vorgegebenen maximal 20 Prozent haben wir bisher nicht überschritten. Ich war auch schon mal spontan im Büro – und habe niemanden angetroffen. Es scheint so, als ob Heimarbeit durchaus eine sehr akzeptierte Alternative ist.

Was hat sich in den vergangenen Wochen für Sie verändert?

Michael Hennig: Anders als beim ersten Lockdown ist das Gefühl da, dass uns diese Sache längerfristig begleiten wird. Auch wenn es demnächst einen Impfstoff gibt. Die Pandemie hat uns vor Augen geführt, dass solche Szenarien nicht nur in Science-Fiction-Filmen möglich sind, sondern von jetzt auf gleich Realität werden. Auf jeden Fall setzt man sich intensiver mit dem Gedanken auseinander, wie das eigene Arbeitsleben in Zukunft so aussieht. Und ich stelle für mich fest: Ich genieße es, von zu Hause aus zu arbeiten. Natürlich hat die Medaille zwei Seiten. Positiv ist, dass ich keinen Anfahrtsweg zur Arbeit habe. Und ich habe mehr Zeit für die Familie. Mein zweijähriger Sohn ist ein energiegeladenes Bündel, das durchaus Aufmerksamkeit braucht. Gerade jetzt ist es gut, dass ich da bin. In den nächsten Tagen erwartet meine Frau unser zweites Kind.

Und wie sieht die zweite Seite der Medaille aus?

Michael Hennig: Mein Sohn weiß natürlich, dass Papa zu Hause ist. Dann klopft er einfach an meine Tür. Und wenn Papa nicht antwortet, wird er eben lauter und ruft nach mir. Wenn ich dann gerade in einer Konferenz auf MS Teams oder Webex bin, dann kann das zu merkwürdigen Situationen führen. Ich hole ihn dann schon mal rein. Er staunt dann, wer da auf dem Monitor zu sehen ist – bis meine Frau ihn rausholt. Immerhin kennen so ziemlich alle Mitdiskutierenden in den Videokonferenzen solche Situationen und haben Verständnis. Optimal ist das aber natürlich nicht. Zur Rückseite der Medaille gehört auch, dass der persönliche Austausch mit den Kunden fehlt. 

Michael Hennig, Marketing- und Vertriebschef bei Swiss Life Asset Managers.

Für meine Arbeit im Bereich Sales & Marketing ist MS Teams natürlich besser als das Telefon, aber es ersetzt nicht den persönlichen Kontakt. Das gilt natürlich auch für die Zusammenarbeit mit meinen Kollegen. Ich arbeite mit vielen Kollegen aus dem Vertrieb in Frankfurt, meine Marketing Teams sitzen aber in Berlin und Köln. Wenn ich dort vor Ort sein will, muss ich reisen. Das wird auch in Zukunft so sein. Rein virtuelles Business kann ich mir auf Dauer nicht vorstellen.

Klingt es nicht verlockend, nicht mehr jeden Tag nach Frankfurt in die City pendeln zu müssen?

Michael Hennig: Ich pendele nicht. Wir leben auch in Frankfurt. Ich fahre mit meiner Vespa zum Büro – wenn es geht, auch im Winter. Ich nutze ansonsten auch gerne die U-Bahn. Jetzt, in der Coronakrise und mit meiner schwangeren Frau zu Hause, vermeide ich natürlich die öffentlichen Verkehrsmittel. Aber ansonsten ist es praktisch, in der Stadt zu leben. Ich weiß, dass viele meiner Kollegen das anders sehen und lieber außerhalb im Grünen wohnen, mit eigenem Häuschen und Garten. Das hat natürlich auch Vorteile. Gerade in Lockdown-Zeiten. Wir haben einen guten Kompromiss gefunden. Erdgeschosswohnung im Frankfurter Nordend. Mehrfamilienhaus mit Gartenanteil und Parkplatz vor der Tür. Die Nutzung des Gartens war im Sommer natürlich toll, wahrlich ein Segen. Ich weiß nicht, wie das andere Eltern ohne Garten oder Balkon gemacht haben.

Eine Eigentumswohnung in Frankfurt kann sich natürlich nicht jeder leisten. Ist die Preisentwicklung nicht irre?

Michael Hennig: Wir hatten Glück und ein gutes Timing. Wir haben die Wohnung ja nicht erst gestern gekauft. Aber Sie haben schon Recht: Die Preisentwicklung in Frankfurt ist schon befremdlich. Ein guter Freund von mir hat vor elf Jahren im Ostend, nicht weit von der EZB-Zentrale entfernt, ein Zehn-Parteienhaus gekauft. Für 2.000 Euro pro Quadratmeter. Das hat er steuerfrei vor einigen Monaten wiederverkauft. Der muss sich um seine Rente keine Sorgen mehr machen. Dass sich das so entwickeln würde, hätte er damals aber auch niemals gedacht. Da kann man nur sagen: Glück gehabt.

Lohnt es sich denn jetzt noch, in Immobilien zu investieren?

Michael Hennig: So verrückt das klingt, von einer klassischen Blase kann immer noch keine Rede sein. Solange die Nachfrage das Angebot übersteigt, ist der Markt in Ordnung. Aber die Dynamik ist natürlich weg. Wer jetzt in Immobilien investiert, schafft für sein Kapital Wertstabilität. Deshalb ist ein Vergleich mit anderen Assetklassen auch obsolet. Manche schauen ja zum Beispiel auf Aktien und vergleichen die Renditen. Das ist müßig, ein Vergleich zwischen Äpfeln und Birnen. Immobilien erfüllen einen ganz anderen Zweck.

Michael Hennig bei der Arbeit in seinen Homeoffice.

Welche Perspektiven sehen Sie für die verschiedenen Immobilienarten, also zum Beispiel Büro-, Logistik- oder Wohnimmobilien?

Michael Hennig: Bei Büroimmobilien muss man mal sehen, wohin die Reise geht. Ich glaube aber nicht, dass der Trend zu mehr Homeoffice automatisch auch sinkende Preise bedeutet, sondern nur andere Anforderungen an die Nutzung und damit an die Ausstattung der Immobilien. Andere Sektoren haben größere Probleme. Einzelhandelsimmobilien in den Innenstädten zum Beispiel. Auch Hotels sind derzeit nicht mehr en vogue. Aber da muss man differenzieren. Ich persönlich erwarte, dass die Anzahl der Geschäftsreisen vermutlich nachlassen und damit auch die dienstliche Nachfrage nach Hotelzimmern sinken wird. Der Komfort der virtuellen Medien ist mittlerweile sehr hoch. In Zukunft wird man sich grundsätzlich fragen, ob eine Besprechung nicht auch online möglich ist, anstatt eine zeitraubende Reise anzutreten und an einem fremden Ort zu übernachten. Ob und wie stark dieser Trend sein wird, muss man sehen. Ich persönlich würde als Immobilien-Investor sehr selektiv vorgehen. So wird es beispielsweise mit Sicherheit in Zukunft wieder mehr Tourismus geben. Hotels in guten touristischen Lagen werden dann wieder gut laufen und eine Investition wert sein.

Wie sehr hat die Coronakrise der Immobilienbranche geschadet?

Michael Hennig: Die Frage trifft nicht den eigentlichen Punkt. Von Schaden kann noch keine Rede sein. Denn die Branche wurde zwar ausgebremst. Viele Projekte wurden aufgeschoben. Aber sie wurden nicht gestrichen. Es war eher ein Luftanhalten, keine Atemlosigkeit. Jetzt sehen wir, dass einige Investoren vielleicht sogar Getriebene sind, weil sie viele Entscheidungen aufgeschoben haben. Wenn ich als Investor die Vorgabe habe, meine Asset Allocation-Ziele in der Praxis umzusetzen, muss ich irgendwann auch mal handeln.

Wie wirkt sich die Situation auf Ihren Fonds Swiss Life European Real Estate Living and Working aus?

Michael Hennig: Bei unserem Living & Working Fonds haben wir mehrere Assetklassen drin, zum Beispiel Gesundheits- und Wohnimmobilien. Was wir feststellen, ist ein gestiegenes Interesse der Anleger an früheren Nischen-Assetklassen. Die Nachfrage nach Seniorenheimen, Ärztehäusern und Immobilien aus dem Bereich Betreutes Wohnen ist ungebrochen hoch. Hier sind auch noch vergleichsweise hohe Renditen möglich. Aber nicht viele haben die Erfahrung, um hier gut zu performen – wir schon.

Worauf kommt es beispielsweise bei Immobilien im Gesundheitsbereich an?

Michael Hennig: Da geht es zum Beispiel darum, die Betreiber einschätzen zu können, rechtliche Grundlagen zu kennen. Da helfen Erfahrung und Expertise. Denn es gibt zahlreiche Stolperfallen. Man muss darauf achten, wie geeignet der Standort ist, welches Einzugsgebiet er hat. Die Altersstruktur einer Stadt ist ein Faktor, ebenso die Größe der Stadt, die Verkehrsanbindung und die Infrastruktur der Ärztelandschaft. Bei Pflegeheimen muss man bei Neubauten auf die geänderte gesetzliche Ausstattung von Häusern achten. Bei Bestandsimmobilien muss man schauen, was man investieren muss, um die Vorschriften zu erfüllen. Man muss sich den Betreiber der Immobilie gut ansehen. Ist es ein kleiner und/oder etablierter Betreiber? Nicht jedes Unternehmen bekommt den Betrieb eines Pflegeheims betriebswirtschaftlich gut hin.

Sie mischen ja verschiedene Sektoren…

Michael Hennig: …richtig, und zwar nicht nur im Fonds, sondern zum Teil auch innerhalb einzelner Objekte. Wir haben Objekte, in denen in einem Gebäude Einzelhändler, Ärzte und Wohnungen und eine Parkgarage untergebracht sind. Das ist ein Konzept, das in Zukunft vermutlich noch zunehmen wird. Die Mischung muss stimmen, auch bei der Fondszusammensetzung. Wir investieren nicht nur in Prestige-Immobilien an besten – und teuren – Standorten, sondern auch in B-Lagen. Und wir nehmen sowohl Neubauten als auch Bestandsimmobilien ins Portfolio auf.

Sie sprachen eingangs davon, dass es bei Immobilien mittlerweile hauptsächlich um Werterhalt geht. Wie sehen die Ziele für Ihren Fonds Swiss Life European Real Estate Living and Working aus?

Michael Hennig: Es ist zwar schwieriger geworden, passende Objekte zu finden. Aber wir sind zuversichtlich, dass wir um zwei Prozent Rendite schaffen. Und mit etwas Glück wird es noch ein wenig mehr.

Würden Sie selbst auch in diesen Fonds investieren?

Michael Hennig: Den Satz kann ich ohne Konjunktiv beantworten. Ja. Ich bin überzeugt von dem Konzept.

Herr Hennig, vielen Dank für dieses Gespräch. Bleiben Sie gesund. Und alles Gute für die Geburt Ihres Kindes in den kommenden Tagen.

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