US-Wachstumsaktien: Halbleiterboom zeichnet die Risikolandkarte neu (Foto: Pete Linforth auf Pixabay)
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US-Wachstumsaktien: Halbleiterboom zeichnet die Risikolandkarte neu

Die Konzentration an den US-Aktienmärkten bleibt hoch – sie verlagert sich jedoch zunehmend von den „Magnificent Seven“ hin zu Halbleiterwerten. John Fogarty, Co-Chief Investment Officer—US Growth Equities, zeigt, warum die jüngste Neuzusammensetzung des Russell 1000 Growth für passive Anleger mehr verändert hat, als es auf den ersten Blick scheint – und welche Risiken daraus entstehen können.

24.09.2026 | 09:54 Uhr

Eine hohe Konzentration an den US-Aktienmärkten ist seit mehreren Jahren ein wiederkehrendes Thema. Nach der jüngsten Neuzusammensetzung eines bedeutenden US-Aktienindex nimmt diese Konzentration nun jedoch eine neue Form an: Der Einfluss der „Magnificent Seven“ lässt nach, während Halbleiteraktien an Gewicht gewinnen. Im Grunde genommen haben Millionen passiver Anleger ein neues Portfolio erhalten, ohne selbst eine einzige Anlageentscheidung getroffen zu haben.

Die Neuzusammensetzung der wichtigsten US-Large-Cap-Indizes von FTSE Russell im Juni war weit mehr als nur eine technische Anpassung. Durch die regelmäßige Überprüfung und Anpassung von Indexmitgliedern, Stilzuordnungen und Gewichtungen sollen die Benchmarks die Entwicklung der Märkte möglichst repräsentativ abbilden. Die diesjährigen Änderungen könnten jedoch gerade in den heutigen, stark von künstlicher Intelligenz geprägten Märkten erhebliche Auswirkungen für Anleger haben.

Deutliche Verschiebung im Russell 1000 Growth
Besonders ausgeprägt waren die Auswirkungen der jüngsten Neuzusammensetzung im Russell 1000 Growth Index – einem weithin beachteten Maßstab für die Wertentwicklung von US-Wachstumsaktien. Bei mehreren der größten Technologieunternehmen kam es zu deutlichen Veränderungen bei der Stilklassifizierung, während Halbleiterunternehmen innerhalb des Index erheblich an Gewicht gewannen. Vor der Neugewichtung machten die als „Magnificent Seven“ bezeichneten Mega-Cap-Technologieunternehmen gemessen an der Marktkapitalisierung 52,8 Prozent des Russell 1000 Growth aus und hatten damit einen überproportional großen Einfluss auf die Aktienmarktrenditen. Inzwischen ist ihr Anteil auf 43,1 Prozent geschrumpft (Abbildung).

Russel Neugewichtung
Russel Neugewichtung

Russell-Neugewichtung: Konzentrationsrisiken bleiben – nur an anderer Stelle (Quelle: FTSE Russell and AllianceBernstein (AB)

Auf den ersten Blick scheint dies eine begrüßenswerte Verringerung der Indexkonzentration zu sein. Bei genauerer Betrachtung zeigt sich jedoch ein differenzierteres Bild. Halbleiter- und Halbleiterausrüstungsunternehmen machen inzwischen ein bemerkenswertes Drittel des Russell 1000 Growth aus – gegenüber zuvor 24 Prozent. Ausschlaggebend dafür war unter anderem, dass stark gestiegene Speicherchip-Aktien aus dem entsprechenden Value-Index in den Growth-Index wechselten. Mit anderen Worten: Die Konzentration ist nicht verschwunden, sondern hat sich lediglich verlagert.

Neues Erscheinungsbild, gleiche Konzentration
Die neu gewonnene Bedeutung von Halbleiterunternehmen mag angesichts der zentralen Rolle von Chips, Speicherlösungen und Ausrüstungsanbietern beim Ausbau der KI-Infrastruktur plausibel erscheinen. Doch inzwischen entfallen auf Halbleiter- und Halbleiterausrüstungsaktien nicht nur ein Drittel der Marktkapitalisierung des Index, sondern auch nahezu die Hälfte seines Betas – also seines gesamten Marktrisikos. Dadurch haben Anleger zugleich einen Referenzindex erhalten, der stärker auf Marktschwankungen reagiert als der S&P 500. Dieses Risiko zeigte sich auch bereits im Juli deutlich, als die Aktien einiger der größten und volatilsten Speicherchip-Unternehmen innerhalb nur eines Monats um mehr als 25 Prozent einbrachen.

Gleichzeitig haben sich die Gewichtungen innerhalb des Technologiesektors verschoben. Der Aufstieg der Halbleiterwerte geht mit einem anhaltenden Rückgang von Softwareaktien einher, die seit Februar angesichts von Sorgen über disruptive Auswirkungen der KI unter Druck stehen. Der Anteil von Softwareunternehmen am Russell 1000 Growth ist von einem Höchststand von 20 Prozent im August 2025 auf 9,3 Prozent im Juni 2026 gefallen. Zusammengenommen markieren diese Entwicklungen einen tiefgreifenden Wandel in der Zusammensetzung des Technologiesektors am Aktienmarkt. Anleger stehen damit vor einem Index mit neuem Erscheinungsbild, aber einer vertrauten Herausforderung: Zwar hat sich die Marktführerschaft verändert, doch ein wachsender Anteil der Indexentwicklung hängt weiterhin von einer relativ kleinen Gruppe von Unternehmen innerhalb einer einzigen Branche ab.

Passive Entscheidungen können aktiver sein, als man denkt
Nach einer derart deutlichen Neuzusammensetzung sollten sich Anleger eine einfache Frage stellen: Wie passiv ist mein passiver Index tatsächlich? Wahrscheinlich weniger, als man vermuten würde. Die Entscheidung, das Gewicht der Magnificent Seven zu reduzieren und zugleich das Engagement in Halbleiterwerten deutlich zu erhöhen, wurde nicht von Millionen einzelner Anleger getroffen. Sie ergab sich aus der Indexmethodik, die festlegt, welche Unternehmen die Voraussetzungen für eine Aufnahme erfüllen und welches Gewicht ihnen im Index zukommt. Aus unserer Sicht können die Indexmethodik und regelmäßige Neuzusammensetzungen somit ein unerwartet aktives Element in eine ansonsten passive, indexnachbildende Strategie einbringen. Die Gewichtung nach Marktkapitalisierung – ein zentraler Bestandteil der Methodik der meisten großen Indizes – verstärkt diesen Effekt zusätzlich.

Die meisten großen, bekannten Referenzindizes sind nicht einfach neutrale Aktienkörbe, sondern regelbasierte Zusammenstellungen von Wertpapieren. In nach Marktkapitalisierung gewichteten Indizes steigt das Gewicht einer Aktie mit zunehmendem Marktwert des Unternehmens. Dieser Ansatz mag rein mechanisch erscheinen, beinhaltet jedoch letztlich die Annahme, dass Unternehmen mit stark steigenden Aktienkursen auch ein höheres Portfoliogewicht erhalten sollten. Auf diese Weise kann die Marktkapitalisierungsgewichtung genau jene Konzentration verstärken, die viele passive Anleger möglicherweise vermeiden möchten.

Solange die Marktführerschaft stabil bleibt, kann eine solche Methodik gut funktionieren. Verändern sich jedoch die Rahmenbedingungen – etwa durch den Aufstieg einer disruptiven Technologie –, könnten passive Anleger stärker in den Gewinnern von gestern investiert sein als in den Wachstumschancen von morgen. Eine ähnliche Verschiebung der Indexführerschaft war bereits während der Dotcom-Ära zu beobachten, als marktführende Unternehmen aus den Bereichen Gesundheit, Industrie und Konsumgüter schließlich von den heutigen Technologiegiganten in den Schatten gestellt wurden. Hinzu kommt, dass der jüngste „Halbleiter-Boom“ auf der Annahme basiert, dass die Nachfrage nach Chips, Speicherlösungen und Netzwerkinfrastruktur noch über Jahre hinweg hoch bleiben wird. Das könnte sich durchaus bewahrheiten. Sollten jedoch die enormen KI-Investitionen letztlich nicht in entsprechende Gewinne umgewandelt werden oder sollte die Nachfrage nach Halbleitern nachlassen, könnte Anlegern aus unserer Sicht eine schwierige Phase bevorstehen.

Halbleiter sind wichtig – Diversifikation aber ebenso
All dies bedeutet nicht, dass Anleger Halbleiteraktien meiden oder das Thema KI ignorieren sollten. Die KI-Revolution ist real, und viele Halbleiterunternehmen profitieren von starken langfristigen Wachstumstrends. Mit der zunehmenden Verbreitung von KI könnten sich zudem Chancen im Gesundheitswesen, in der Industrie und in weiteren Sektoren eröffnen, die künstliche Intelligenz nutzen, um ihre Produktivität zu steigern. Schon heute sorgt KI in einer Vielzahl von Unternehmensanwendungen für Effizienzgewinne. Die Herausforderung besteht darin, an den starken KI-bezogenen Wachstumstrends teilzuhaben und gleichzeitig auf eine disziplinierte, breite Diversifikation zu achten. Halbleiter stehen derzeit im Mittelpunkt des Marktgeschehens. Sollte ihre Strahlkraft mit der Zeit jedoch nachlassen, könnte das für passive Anleger teuer werden. Langfristig orientierte Anleger sollten daher auf aktives Management setzen, um robuste Unternehmen in einem breiteren Anlageuniversum zu identifizieren.Der Referenzindex mag sich verändert haben. Die Argumente für Diversifikation bleiben bestehen.

Wenn externe Konzerne
Wenn externe Konzerne

Wenn extreme Konzentration nachlässt, gewinnen aktive Strategien an Boden (Quelle: Bloomberg, company reports, eVestment, FTSE Russell and AB)


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