Das neue Wettrennen im Orbit – Konnektivität aus dem All

Alicia Daurignac, Fondsmanagerin und Analystin des Echiquier Space bei LFDE
Technologie

Wir erleben derzeit eine Revolution. Kommunikationsinfrastrukturen werden nicht mehr auf der Erde, sondern direkt im Weltall errichtet. Der erste Satellit wurde schon 1957 in den Orbit geschickt. Heute jedoch erreichen wir ganz andere Dimensionen:

12.02.2026 | 09:18 Uhr

Mittlerweile befinden sich fast 15.000 Satelliten im Orbit. Die Satellitenkommunikation ist einer der wichtigsten Wachstumsmotoren der Raumfahrtindustrie. Der globale Markt für Satellitenkommunikation, der derzeit auf über 20 Milliarden US-Dollar geschätzt wird, dürfte bis 2034 jährlich durchschnittlich um rund 20 % wachsen*. Anlegern eröffnet dieses exponentielle Wachstum eine Vielzahl an Chancen**.

Rasantes Tempo

Satelliten spielen eine zentrale Rolle für die Kommunikation, indem sie Signale von der Erde empfangen, verstärken und weiterleiten. Dank drastisch sinkender Kosten für Raketenstarts verzeichnet die Satellitenbranche einen strategischen Aufschwung. SpaceX ist mit seinem Satellitennetzwerk Starlink führend. Durch die Innovationen beim Bau der Trägerrakete Falcon 9 und die Wiederverwendung der ersten Raketenstufe hat SpaceX ein bisher nie dagewesenes Tempo bei Satellitenstarts erreicht - und das zu unschlagbaren Kosten. So konnte das US-Unternehmen im Jahr 2025 mehr Raketenstarts durchführen als alle anderen Akteure der globalen Raumfahrtindustrie zusammen. Und das Tempo dürfte weiter steigen. Anfang Januar 2026 erhielt Starlink zusätzlich zu seinen bereits über 9.000 aktiven Satelliten die Genehmigung für weitere 7.000 Satellitenstarts.

Das Rennen ist in vollem Gange. China versucht, den Rückstand gegenüber den USA aufzuholen, und plant dazu eine Konstellation aus mehr als 200.000 Satelliten. Europa hinkt deutlich hinterher und setzt auf die Satellitenkonstellation „Iris²“, die bis 2030 realisiert sein soll.

Wettlauf um Frequenz-Lizenzen

Das immer höhere Tempo befeuert die gesamte Branche und öffnet den Weltraum für eine neue Generation von Akteuren. Daher ist die Regulierung von entscheidender Bedeutung. Um Daten aus dem Weltraum zur Erde senden zu können, benötigen Satellitenbetreiber eine sogenannte „Frequenz-Lizenz“. Diese Lizenzen dienen insbesondere dazu, die Gefahr von Interferenzen zu begrenzen und den Parallelbetrieb mehrerer Satellitenkonstellationen zu regeln. Der Besitz dieser Lizenzen, die strengen Auflagen unterliegen, ist für den gesamten Sektor zu einer Grundvoraussetzung geworden. Da nur wenige Lizenzen vergeben werden und ihr Wert ständig steigt, hat ein weltweiter Wettlauf um diese begonnen. Um sie zu erhalten, gibt es nur eine Möglichkeit: den Kauf. So hat beispielsweise SpaceX im Sommer des vergangenen Jahres für 17 Milliarden US-Dollar einen Teil der Frequenz-Lizenzen des US-Unternehmens EchoStar übernommen.

Neuer Trend: „Direct to Device“

Als Anleger, die bereits seit 2021 in den Raumfahrtsektor investieren, interessieren wir uns aktuell für eine neuartige Technologie. Aus unserer Sicht ist sie ein zukunftsträchtiges Thema für die Satellitenbranche und setzt einen grundlegenden Wandel im Bereich der Telekommunikation in Gang: Die Direct-to-Device-Technologie. Sie ermöglicht die Verbindung eines Smartphones mit einem Satelliten, ohne dass eine zwischengeschaltete Infrastruktur notwendig wäre. Das Prinzip ist einfach: Die Satelliten dienen als Antennen und ermöglichen so die Kommunikation überall auf der Erde, insbesondere in „Funklöchern“, also Gebieten ohne terrestrische Netzanbindung. US-Unternehmen wie SpaceX, Amazon und AST SpaceMobile haben bereits Satelliten in niedrige Erdumlaufbahnen von 500 bis 1.200 km Höhe gebracht und stehen hier in den Startlöchern. Dank der kurzen Entfernung zur Erde ist das Signal stärker, sodass eine direkte Verbindung mit Smartphones möglich ist.

Angesichts des kontinuierlich steigenden Konnektivitätsbedarfs entwickelt sich die Satellitenbranche zu einem Kernbereich der Raumfahrtindustrie. Ihre Wachstumsdynamik bietet Anlegern vielfältige Gelegenheiten.

* United Nations Office for Outer Space Affairs, 2025
** Barclays, 2025

Den ausführlichen Beitrag finden Sie im angehängten PDF.

Diesen Beitrag teilen: