China fordert die USA im Weltraum heraus

Von Alexis Bienvenu, Fondsmanager bei LFDE
Technologie

Das Ökosystem des Weltraums wird heute weitgehend von den USA dominiert – und das ist vor allem SpaceX zu verdanken. Doch China könnte die Karten bald neu mischen. Von Alexis Bienvenu, Fondsmanager bei LFDE.

22.09.2026 | 09:31 Uhr

Die USA betreiben mit fast 77 % den Großteil der weltweit rund 5.000 Satelliten, insbesondere durch die Konstellation Starlink. Chinas Anteil beträgt hingegen nur 9 %[1]. Allerdings hat das Land eine sehr gut durchdachte Weltraumstrategie entwickelt. Diese sieht vor, einen anfänglichen Rückstand zu akzeptieren, unter Nutzung vorhandener Technologien massiv zu investieren und dann zu geringeren Kosten auf industriellem Niveau zu agieren. 

Wiederverwendbare Raketen stärken Chinas Aufholjagd 

So beantragte China beispielsweise im Dezember 2025 bei der ITU (Internationale Fernmeldeunion) die Reservierung von Ressourcen im Orbit für fast 203.000 potenzielle Satelliten[2]. Dieses Bestreben lässt sich an den schnellen Fortschritten im Schlüsselbereich der wiederverwendbaren Trägerraketen festmachen. Im Jahr 2026 erreichte das Land einen symbolträchtigen Meilenstein: Den Unternehmen CASC und LandSpace gelang es, die ersten wiederverwendbaren chinesischen Trägerraketen erneut in Betrieb zu nehmen. Diese basieren auf der Technologie, die SpaceX zum Erfolg verholfen hat. Zwar ist der Abstand zum amerikanischen Marktführer weiterhin groß, doch der Eintritt Chinas in das Zeitalter der wiederverwendbaren Trägerraketen stärkt sein Potenzial erheblich. 

Die größte Herausforderung könnte jedoch woanders liegen. Denn das Wettrennen im Weltraum ist nicht mehr nur ein Rennen um Beobachtung, Kommunikation oder gar Rüstung. Es wird allmählich auch zu einem Wettrennen um Energie – ein Bereich, in dem China über bedeutende Asse im Ärmel verfügt. Das Ziel besteht darin, mithilfe riesiger Solarmodule im Orbit Strom im Weltraum zu erzeugen. Dieser soll zur Versorgung von Weltraum-Rechenzentren für künstliche Intelligenz oder künftiger Infrastrukturen auf dem Mond genutzt werden. Eine Übertragung auf die Erde in Form von Mikrowellen ist ebenfalls denkbar. 

China bringt seine Solarstärke in den Orbit 

In diesem Rennen könnte China bedeutende Vorteile haben. Das Land beherrscht bereits die Produktion terrestrischer Solarmodule weitgehend. Diesen Vorsprung könnte es nutzen, um künftige Weltraumsysteme, insbesondere solche auf der Basis von Perowskit – einer neuen Generation von Photovoltaikmaterialien – zu entwickeln. Perowskit ist leichter und potenziell leistungsfähiger als herkömmliches Silizium. Dies ist bei jedem in die Umlaufbahn geschickten Kilogramm ein entscheidender Vorteil. 

Es gibt allerdings noch zahlreiche Herausforderungen. So gibt es bislang beispielsweise noch kein kommerzielles Solarkraftwerk im Weltraum. Die Kosten für den Start, die Montage im Orbit, die Energieübertragung und die Wartung der Anlagen stellen bedeutende Hindernisse dar – sowohl auf technologischer als auch auf wirtschaftlicher Ebene. Ein industrielles Niveau ist noch in weiter Ferne. 

Doch bedeutende technologische Umbrüche verlaufen selten linear. Vor fünfzehn Jahren konnte sich kaum ein Marktbeobachter vorstellen, dass China die Vorherrschaft bei Solarmodulen, Batterien oder Elektrofahrzeugen übernehmen würde. Heute bemüht sich das Land darum, diese Erfolgsgeschichte im Weltraum zu wiederholen. 

Europa bleibt im Rennen, aber mit Rückstand 

In diesem Zusammenhang wird Europa zwar oft außer Acht gelassen, ist aber noch nicht aus dem Rennen. Mit Ariane 6, Galileo, Copernicus und IRIS ist es nach wie vor eine bedeutende Kraft im Weltraum. Allerdings scheint es weniger schnell voranzukommen. So ist bis heute keine europäische Trägerrakete wiederverwendbar, was einen erheblichen Wettbewerbsnachteil darstellt. 

Für die Zukunft des Weltraums zeichnet sich somit erneut ein technologischer Wettlauf zwischen den USA und China ab. Wenngleich die USA bei Satelliten und Trägerraketen weiterhin einen deutlichen Vorsprung haben, könnte das Kapitel der Solarenergie im Weltraum durchaus auf Chinesisch geschrieben werden. Der nächste Kampf um Souveränität findet über unseren Köpfen statt. 

[1] Le Point & Look Up Space Barometer, Mai 2026 

[2] www.globaltimes.cn/page/202601/1353441.shtml


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