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Ist die Zeit von „Risk Parity“ abgelaufen?

Die Grundannahme des in den letzten 10 bis 15 Jahren so erfolgreichen „Risk Parity“ Ansatzes ist, dass alle Anlageklassen langfristig den gleichen risikoadjustierten Ertrag (Sharpe Ratio) erzielen. Um eine Risikogleichgewichtung aller Anlageklassen im Portfolio zu erreichen, müssen zwangsläufig die Positionen im Renten- und Geldmarkt gehebelt werden, um das wesentlich höhere Risiko (gemessen anhand der Volatilität) von Aktien und Rohstoffen auszugleichen ...

10.06.2013 | 11:15 Uhr

Die Grundannahme des in den letzten 10 bis 15 Jahren so erfolgreichen „Risk Parity“ Ansatzes ist, dass alle Anlageklassen langfristig den gleichen risikoadjustierten Ertrag (Sharpe Ratio) erzielen. Um eine Risikogleichgewichtung aller Anlageklassen im Portfolio zu erreichen, müssen zwangsläufig die Positionen im Renten- und Geldmarkt gehebelt werden, um das wesentlich höhere Risiko (gemessen anhand der Volatilität) von Aktien und Rohstoffen auszugleichen.

Die stetig fallenden Renditen am Rentenmarkt haben aber nun dazu geführt, dass festverzinsliche Wertpapiere ein deutlich besseres Rendite-Risiko-Profil als Aktien oder Rohstoffe aufwiesen. Risikogleichgewichtete Ansätze konnten davon, je nach Hebel, überproportional profitieren. Aufgrund der historisch niedrigen Renditen, vor allem in den Staatsanleihen der Industrieländer, ist das Performancepotenzial durch sinkende Zinsen aber mittlerweile stark limitiert. Die Alternative, deshalb verstärkt in Aktien oder Rohstoffe zu investieren, kommt für einen konsequent umgesetzten „Risk Parity“ Ansatz aber nicht in Frage, da ja die Risikogleichgewichtung gewahrt bleiben muss. Der Ansatz ist quasi in risikoärmeren Wertpapieren gefangen.

Die Anbieter wissen natürlich um diese Problematik und haben beispielsweise durch eine Verbreiterung des Investmentuniversums reagiert. So kann mittlerweile vielfach auch in Staatsanleihen aus Ländern mit noch deutlich höheren Renditen investiert werden. Dies birgt aber natürlich neue bzw. andere Risiken. Die Anbieter weisen außerdem darauf hin, dass sich „Risk Parity“ Ansätze in vergangenen Zinssteigerungszyklen immer noch zufriedenstellend entwickelt haben.

Vielleicht liegt die Gefahr auch gar nicht ausschließlich in steigenden Zinsen (vor allem wenn diese in der Kurve eingepreist sind). Vielmehr könnte es auch zum Problem werden, wenn ein stagnierender bzw. leicht fallender Rentenmarkt seine Pufferfunktion gegenüber ebenfalls fallenden Aktien- und Rohstoffpreisen nicht mehr erfüllen kann.

Der Mai lieferte auf jeden Fall eine erste Indikation dafür, dass es für „Risk Parity“ in Zukunft durchaus etwas ungemütlicher werden könnte.

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