
Von Markenrisiken bis hin zu regulatorischer Unsicherheit birgt KI Herausforderungen für Anleger. Gibt es einen Weg nach vorn?
06.07.2026 | 08:04 Uhr
Künstliche Intelligenz (KI) wirft viele ethische Fragen auf, die zu Risiken für Verbraucher, Unternehmen und Anleger führen können. Die KI-Regulierung, die sich regional ungleichmäßig entwickelt, trägt zur Unsicherheit bei. Der Schlüssel für Anleger liegt unserer Ansicht nach darin, sich auf Transparenz und Erklärbarkeit zu konzentrieren.
Die ethischen Probleme und Risiken der KI beginnen bei den Entwicklern, die die Technologie erschaffen. Von dort fließen sie zu den Kunden der Entwickler – Unternehmen, die KI in ihre Geschäftsabläufe integrieren – und weiter zu den Verbrauchern und der Gesellschaft im Allgemeinen. Durch ihre Beteiligungen an KI-Entwicklern und Unternehmen, die KI nutzen, sind Anleger beiden Enden der Risikokette ausgesetzt.
KI entwickelt sich weiterhin rasant und ist dem Verständnis der meisten Menschen weit voraus. Zu denjenigen, die versuchen, Schritt zu halten, gehören globale Regulierungsbehörden und Gesetzgeber, deren Aktivitäten in letzter Zeit stark zugenommen haben. Viele Länder haben nationale KI-Strategien veröffentlicht, und einige große Rechtsordnungen sind von der Strategie zu durchsetzbaren Regeln übergegangen (Abbildung).

Das Fehlen eines einheitlichen Ansatzes zur KI-Regulierung über Grenzen hinweg schafft Komplikationen für internationale Unternehmen. Regulatorische Ansätze unterscheiden sich in Form und Umfang. Das Gesetz zur Künstlichen Intelligenz der Europäischen Union (EU) verfolgt ein risikobasiertes Modell mit strengen Anforderungen für Hochrisiko-KI-Systeme. Die USA verfolgen einen sektorspezifischen Ansatz, der Innovation und Wettbewerbsfähigkeit in den Vordergrund stellt. China priorisiert staatliche Kontrolle, Datensouveränität und umfassende Überwachung.
Diese Regulierungslandschaft verlangt von international tätigen Unternehmen, die Entwicklungen genau zu beobachten – und verschärft die weiteren Risiken der KI für Investoren.
In der Geschäftswelt wird KI oft durch generative Werkzeuge – wie Text-, Video- und Sprachgenerierung – und große Sprachmodelle (Large Language Models, LLMs) eingesetzt. LLMs bilden die Grundlage für Anwendungen wie Chatbots, automatisierte Inhaltserstellung und groß angelegte Datenanalysen.
Viele Unternehmen haben festgestellt, dass KI-Innovationen potenziell markenschädigende Risiken bergen können. Diese können aus Verzerrungen in den Daten entstehen, mit denen LLMs trainiert werden, und haben dazu geführt, dass Banken bei der Bewilligung von Immobilienkrediten unbeabsichtigt Minderheiten diskriminierten und ein US-Krankenversicherer mit einer Sammelklage konfrontiert wurde, in der behauptet wird, dass seine Verwendung eines KI-Algorithmus dazu geführt hat, dass Ansprüche auf Langzeitpflege für ältere Patienten zu Unrecht abgelehnt wurden.
Risiken gehen auch von KI-Trainingsdaten aus. Im September 2025 hat Anthropic eine Sammelklage wegen raubkopierter Trainingsdaten für etwa 1,5 Milliarden US-Dollar beigelegt. Bis zum Jahresende waren mehr als 70 Urheberrechtsklagen im Bereich der generativen KI eingereicht worden, darunter The New York Times gegen OpenAI und Microsoft, Disney und Universal gegen Midjourney sowie Getty Images gegen Stability AI. Das Risiko durch KI-Trainingsdaten ist zunehmend ein quantifizierbares Bilanzrisiko.
Tendenziösität, Diskriminierung und Trainingsdaten sind zentrale regulatorische Risiken, die Anleger auf dem Schirm haben sollten; weitere umfassen Rechte an geistigem Eigentum und Datenschutzbedenken hinsichtlich der Daten. Maßnahmen zur Risikominderung – wie beispielsweise Entwicklertests zur Leistung, Genauigkeit und Robustheit von KI-Modellen sowie die Bereitstellung von Transparenz und Unterstützung für Unternehmen bei der Implementierung von KI-Lösungen – sollten ebenfalls genau geprüft werden.
Regulierungsansätze für KI entwickeln sich auf eine Weise auseinander, die für Investoren von Bedeutung ist. Das KI-Gesetz der EU, ein umfassender, risikobasierter Rahmen, wird seit 2024 phasenweise eingeführt. Die USA setzen hingegen auf bestehende Bundesbehörden, freiwillige Rahmenwerke und Gesetze auf Bundesstaatsebene anstatt auf ein einziges übergreifendes Regelwerk. - Und China hat schnell mit gezielten Vorschriften gehandelt, die auf spezifische Anwendungen ausgerichtet sind – insbesondere auf solche, die mit Inhaltskontrolle, sozialer Stabilität und Datensouveränität verbunden sind.
Für Anleger hat diese Divergenz reale Auswirkungen. Es wird zunehmend relevanter zu fragen, für welche Länder ein Portfoliounternehmen effektiv optimiert, da die Regeln, die für ein globales Unternehmen gelten, je nach Markt erheblich variieren können.
Anleger sollten unserer Ansicht nach mehr tun, als sich nur detailliert mit jurisdiktionsspezifischen KI-Regulierungen auseinanderzusetzen. Sie sollten auch verstehen, wie bestehende rechtliche Rahmenbedingungen – wie beispielsweise das Urheberrecht und die Arbeitsgesetzgebung auf KI angewendet werden.
Eine nützliche Faustregel ist, dass Unternehmen, die ihre KI-Strategien und -Richtlinien proaktiv offenlegen, wahrscheinlich besser auf neue Vorschriften vorbereitet sind. Allgemeiner gesagt sind Fundamentalanalyse und Emittenten-Engagement für diesen Forschungsbereich von zentraler Bedeutung.
Aus unserer Sicht sollte die Fundamentalanalyse nicht nur KI-Risiken auf Unternehmensebene untersuchen, sondern auch entlang der Wertschöpfungskette und im gesamten regulatorischen Umfeld, wobei die Erkenntnisse anhand zentraler Prinzipien für verantwortungsvolle KI geprüft werden sollten (Abbildung).

Engagement-Gespräche sollten KI-Themen nicht nur im Geschäftsbetrieb, sondern auch aus Umwelt-, Sozial- und Governance-Perspektiven behandeln.
Zu den Fragen, die Anleger an Vorstände und Management stellen sollten, gehören:
Die in diesem Dokument zum Ausdruck gebrachte Meinungen stellen keine Recherchen, Anlageberatungen oder Handelsempfehlungen dar und spiegeln nicht notwendigerweise die Ansichten aller Portfoliomanagementteams bei AB wider. Die Einschätzungen können sich im Laufe der Zeit ändern.
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