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Die Zeitbombe am oberen Ende der Welt

Die Zeitbombe am oberen Ende der Welt
Die Zeitbombe am oberen Ende der Welt
11/2020
Mario Molina und Durwood Zaelke
Project Syndicate

@ Feedback an Redaktion

Es ist schwer, sich zerstörerischere Folgen des Klimawandels vorzustellen, als die Feuer in Kalifornien, Oregon und Washington, oder die Hurrikane, die an der Golfküste ankommen – und diese manchmal verwüsten.

20.01.2021 | 08:00 Uhr

Auch in Indien, Pakistan und Europa gab es tödliche Hitzewellen, und in Südostasien verheerende Überflutungen. Aber uns steht noch viel Schlimmeres bevor. Eine dieser Gefahren ist so groß, dass sie allein schon die gesamte Menschheit bedroht: das schnelle Verschwinden des arktischen Meereseises.

Um es mit einem Film von Alfred Hitchcock auszudrücken: Diese Klima-„bombe“ – die irgendwann die Geschwindigkeit der globalen Erwärmung mehr als verdoppeln könnte – hat einen Zeitzünder, der mit zunehmender Sorge beobachtet wird: Jedes Jahr im September erreicht die Ausbreitung des arktischen Meereseises ihr geringstes Niveau, bevor sie aufgrund längerer Dunkelheit und fallender Temperaturen wieder größer wird. Zu diesem Zeitpunkt vergleichen die Wissenschaftler die Größe der Eisfläche mit der der Vorjahre.

Das Ergebnis sollte uns allen Angst machen: In diesem Jahr zeigen die Messungen des National Snow and Ice Data Center in Boulder, Colorado, dass es weniger Eis in der mittleren Arktis gibt als jemals bevor, und gerade veröffentlichte Untersuchungen deuten darauf hin, dass das Wintermeereseis in der arktischen Beringsee 2018 und 2019 sein niedrigstes Niveau seit 5.500 Jahren erreicht hat.

In der gesamten Arktis hat das Meereseis am 15. September die zweitgeringste jemals gemessene Ausbreitung erreicht. Die Menge verändert sich von Jahr zu Jahr, aber der Trend geht unweigerlich nach unten: Die vierzehn Septembermonate mit dem geringsten Meereseis lagen alle in den letzten vierzehn Jahren.

Aber das Meereseis bedeckt nicht nur ein geringeres Gebiet, sondern ist auch dünner als je zuvor. Das älteste (über vier Jahre alte) Meereseis, das schwerer schmilzt, macht nun weniger als ein Prozent der gesamten Eisdecke aus. Momentan dominiert das einjährige Eis, durch das die Eisdecke empfindlicher wird und leichter schmelzen kann. Wissenschaftler erwarten jetzt, dass der Arktische Ozean innerhalb von zehn oder zwanzig Jahren im Spätsommer fast eisfrei sein könnte.

Die Folgen wären katastrophal: In einem Extremszenario, das innerhalb von Jahrzehnten eintreten könnte, könnte der Verlust des gesamten Eises während der sonnigen Monate eine weltweite Strahlungswärme erzeugen, die einer Milliarde Tonnen zusätzlichen Kohlendioxids in der Atmosphäre entspricht. Um dies im Verhältnis zu sehen: In den 270 Jahren seit dem Beginn der Industriellen Revolution wurden 2,4 Milliarden Tonnen CO2 in die Atmosphäre emittiert. Etwa 30% der arktischen Erwärmung beeinflussen aufgrund des Eisverlusts zwischen 1979 und 2016 bereits das Klima, und da immer mehr des verbleibenden Eises verloren geht, wird schnell eine weitere Erwärmung folgen.

Dieses extreme Szenario würde den Klimawandel um 25 Jahre beschleunigen, und es ist keineswegs weit hergeholt. Gerade im letzten Monat brach nach rekordverdächtigen Sommertemperaturen vom größten verbleibenden arktischen Eisschelf in Nordostgrönland ein Eisblock der doppelten Größe von Manhattan ab.

Unterdessen ist auch das grönländische Inlandeis in Gefahr: Da sich die Arktis mindestens doppelt so schnell erwärmt wie die Welt im Durchschnitt, hat sich die grönländische Schmelzrate in den letzten beiden Jahrzehnten mindestens verdreifacht. Es wird vermutet, dass dieser Prozess in höchstens einem Jahrzehnt unumkehrbar wird. Irgendwann wird diese Schmelze dazu führen, dass der Meeresspiegel um bis zu sieben Meter steigt und Küstenstädte überschwemmt, auch wenn dieser Höchstwert vermutlich erst in hunderten von Jahren erreicht wird.

Zum Problem der schnelleren arktischen Erwärmung kommt noch der sich selbst verstärkende Teufelskreis des tauenden Permafrostbodens hinzu: Dort ist etwa doppelt so viel Kohlenstoff gebunden, wie sich bereits in der Atmosphäre befindet. Auch nur einen Teil davon freizusetzen könnte katastrophal sein. Taut der Permafrostboden, könnten dadurch sogar noch potentere Treibhausgase frei werden: Stickoxide und Methan. Im Zuge steigender globaler Temperaturen ist es auch möglich, dass weiteres Methan aus dem flachen Meeresboden des ostsibirischen arktischen Schelfeises emittiert wird.

Um diese enormen – und sogar existenziellen – Gefahren abzumíldern, müssen wir dringend handeln. Eine schnelle Verringerung der CO2 -Emissionen ist zwar nötig, reicht aber bei weitem nicht aus. Tatsächlich zeigen Studien, dass sogar schnelle CO2 -Minderungsmaßnahmen die Erwärmung durch dieses Gas bis 2050 um nur etwa 0,1-0,3°C verringern können.

Deswegen ist es so wichtig, die Freisetzung der so genannten kurzlebigen Klimaverschmutzer zu verhindern: Methan, Ruß, Fluorkohlenwasserstoffe (FKW) und troposphärisches Ozon. Solche Maßnahmen können bis 2050 sechs Mal so viel globale Erwärmung verhindern wie die Verringerung der CO2-Emissionen. Insgesamt würde ein Emissionsstopp für diese Superverschmutzer die Rate der allgemeinen globalen Erwärmung um die Hälfte verringern – und diejenige der Arktis sogar um zwei Drittel.

Es gibt ein paar Fortschritte: Vor fast vier Jahren beschlossen 197 Länder im ruandischen Kigali einen Nachtrag zum Montreal-Protokoll, der sich auf die Abschaffung der FKW bezieht. (Bereits durch das Montreal-Protokoll selbst wurde der stufenweise Abbau von fast 100 Chemikalien eingeleitet, die die globale Erwärmung verstärken und die Ozonschicht gefährden.)

Außerdem hat der Senat der Vereinigten Staaten im letzten Monat eine parteiübergreifende Einigung erzielt, die Herstellung und den Import von FCW bis 2036 um 85% zu verringern. Kalifornien hat seine Rußemissionen seit den 1960er Jahren um 90% reduziert und wird den Rest bis 2030 halbieren. Und die US-Klimaallianz – eine parteiübergreifende Gruppe von 25 bundesstaatlichen Gouverneuren – hat sich zum Ziel gesetzt, die Methanemissionen bis 2030 um 40-50% zu verringern.

Dies sind lobenswerte Ziele. Aber um sie – oder gar die ehrgeizigeren Ziele, die nötig sind, um die steigenden globalen Temperaturen zu bewältigen – zu erreichen, müssen wir starke Widerstände überwinden, angefangen bei der Regierung von US-Präsident Donald Trump, die Emissionsminderungsziele ablehnt.

Sogar wenn Trump die Wahlen im nächsten Monat verliert, befindet sich die Arktis – und der gesamte Planet – in höchster Gefahr, wenn die neue Regierung die Bemühungen zur Emissionsminderung von CO2 und kurzlebigen Klimaverschmutzern nicht radikal verstärkt. In der ganzen Welt verlieren Menschen bereits ihre Unterkunft und ihren Lebenserwerb durch tödliche Brände, Überflutungen, Stürme und andere Katastrophen. Und dies könnte noch viel schlimmer werden.

Über die Autoren

Mario Molina starb während der Vorbereitung dieses Kommentars. Lesen Sie hier einen Nachruf seines Mitverfassers Durwood Zaelke.

Mario Molina

Mario Molina, Chemienobelpreisträger von 1995, war Professor an der Universität von Kalifornien in San Diego und der Nationalen Autonomen Universität von Mexiko.

Durwood Zaelke

Durwood Zaelke ist Präsident des Institute for Governance & Sustainable Development und Mitdirektor des Program on Governance for Sustainable Development der Universität von Kalifornien in Santa Barbara.

Copyright: Project Syndicate

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