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Der neue Pionierbereich verantwortlicher Unternehmensführung

Der neue Pionierbereich verantwortlicher Unternehmensführung
Der neue Pionierbereich verantwortlicher Unternehmensführung
12/2020
Bertrand Badré und Camille Putois
Project Syndicate

@ Feedback an Redaktion

Die COVID-19-Krise hat gezeigt, wie stark all unsere großen Herausforderungen miteinander verzahnt sind. Der Verlust der Artenvielfalt und die wachsende Ungleichheit haben zu einer weltweiten Gesundheitskatastrophe und der schlimmsten Wirtschaftskrise in nahezu einem Jahrhundert geführt.

13.01.2021 | 08:15 Uhr

Wie so oft in derartigen Momenten sind die Menschen plötzlich für Veränderungen offen, die sie zuvor rundheraus abgelehnt hätten. So ist etwa in der Unternehmenswelt ein wichtiger Wandel im Gange; viele Manager und Investoren sind inzwischen eifrig bestrebt, nachhaltigere und verantwortungsbewusstere Verfahren und Geschäftsmodelle umzusetzen.

Die Aufgabe besteht nun darin, sicherzustellen, dass diese neue Mentalität noch stärker um sich greift. Wie können wir sicherstellen, dass alle Unternehmen angesichts der Tatsache, dass sie weiterhin den Forderungen und Interessen von Aktionären und Anlegern verpflichtet sind, das Richtige tun? Eine offensichtliche Antwort lautet: durch Standards im Bereich der Umwelt, der Sozialverantwortung und der Unternehmensführung (ESG-Standards). Doch bieten diese nur eine Teillösung. Eben weil der Bereich derzeit boomt, ist er inzwischen überfrachtet und unübersichtlich, was zu Beschwerden über „Nachhaltigkeitsberichtsmüdigkeit“ führt.

Zum Glück gab es in jüngster Zeit eine gewisse Konsolidierung; wichtige standardsetzende Einrichtungen wie die Global Reporting Initiative und das Sustainability Accounting Standards Board haben angekündigt, dass sie künftig zusammenarbeiten werden. Ihr Ziel ist nicht, einen einzigen Standard zu erstellen, sondern vielmehr, den unterschiedlichen „Stakeholdern zu helfen, besser zu verstehen, wie die Standards parallel genutzt werden können“.

In ähnlicher Weise hat der International Business Council des Weltwirtschaftsforums im Interesse der Klarheit, Vergleichbarkeit und Einheitlichkeit kürzlich „Metriken für den Stakeholder-Kapitalismus“ veröffentlicht, die darauf zielen, die Konvergenz zwischen den führenden privaten standardsetzenden Organisationen zu verstärken. Und die Europäische Union hat eine Überarbeitung ihrer Richtlinie zur Angabe nicht-finanzieller Informationen angekündigt, die Großunternehmen verpflichtet, offenzulegen, wie sie arbeiten und mit sozialen und ökologischen Herausforderungen umgehen.

Das ist alles gut und schon. Der ESG-Finanzierungssektor wächst rasch und wird nun, da sich Unternehmen mit einem Ruf für ethische, nachhaltige Verfahren während der COVID-19-Krise als resilienter erweisen, voraussichtlich weiter expandieren. Doch könnte es diese Fortschritte konterkarieren, wenn die Anleger eine Gruppe von ESG-Angaben nicht ohne Weiteres mit einer anderen vergleichen können.

Was wir daher brauchen, sind völlig globale ESG-Standards mit eindeutigen, harmonisierten Metriken und Offenlegungsvorschriften. Das heißt nicht, dass es nur eine Gruppe von Standards geben muss. Einige Berichtsstandards werden mehr Informationen vermitteln als andere. Einige werden sich auf Themen konzentrieren, die für die unternehmerische Wertschöpfung wichtig sind, und einige werden die Auswirkungen eines Unternehmens auf seine Umwelt betonen. Es würde weiterhin unterschiedliche Ansätze in Bezug auf die ESG-Berichterstattung geben. Aber alle hätten dieselbe Grundlage.

Auch ist eine klare ESG-Berichterstattung nur ein Teil des Puzzles. Die Unternehmen müssen ESG-gestützte Risikoangaben zudem um Metriken zur Bewertung ihrer Auswirkungen auf Umwelt und Gesellschaft ergänzen und sowohl über negative als auch über positive Externalitäten berichten. Anders ausgedrückt: Wir müssen den Schritt tun von einer Kultur der Verlautbarungen und Absichtserklärungen zu einer Kultur auf Auswirkungsanalysen beruhender realweltlicher Ergebnisse.

Die weiteren Auswirkungen der Unternehmenstätigkeit zu messen ist der erste Schritt hin zu einer ordnungsgemäßen Konzernbilanzierung. Derartige Metriken reichen über die unmittelbare Produktionsleistung hinaus und konzentrieren sich auf breiter ausgelegte, aus dem Verhalten eines Unternehmens herrührende Ergebnisse. Diese Art Rahmen ermutigt Unternehmensführer dazu, Auswirkungsziele in ihre Kernstrategien einzubinden, und beschleunigt so einen kapitalseitigen Wandel hin zu verantwortungsbewussten Investitionen. Sie erleichtert es außerdem den Regierungen, auf die Unternehmensaktivitäten einwirkende politische Strategien präziser abzustimmen.

Die Einbindung ökologischer und sozialer Aspekte in die Bilanzierung ist der beste Weg, um jene Art von Wettbewerbsgleichheit zu schaffen, die der Stakeholder-Kapitalismus erfordert. Sie erkennt den Wert von durch Bedenken in Bezug auf Klima und Artenvielfalt motivierten Entscheidungen offiziell an. Sie trägt Beschäftigungsaspekten wie Lohngleichheit, Arbeitgeberleistungen, beruflicher Förderung und Arbeitsschutz Rechnung. Sie ermutigt die Unternehmen, nachhaltige Verfahren innerhalb ihrer Lieferketten zu fördern, die sich lohnen können, weil sie die Unternehmen robuster gegen plötzliche Erschütterungen machen. Und last but not least sind leicht verständliche Metriken zur Berücksichtigung ökologischer und sozialer Aspekte der Schlüssel, um Vertrauen bei Kunden, örtlichen Gemeinschaften und sonstigen Stakeholdern aufzubauen.

Natürlich werden nicht alle Unternehmen eine positive Auswirkung auf die Welt haben. In einigen Branchen werden Messungen ökologischer und sozialer Aspekte konsequent negative Ergebnisse zeitigen. Worum es geht, ist, klar zwischen Unternehmen zu differenzieren, die sich wirklich bemühen, ihre positiven Nettoauswirkungen zu steigern, und solchen, die lediglich Grünfärberei betreiben. Wenn mehr Unternehmen Anlegern, die auf Kundenforderungen nach verantwortungsbewussten Investitionen reagieren, stringente, überprüfte, transparente Daten zu ihren ökologischen und sozialen Auswirkungen vorlegen, werden sich die Kapitalflüsse entsprechend anpassen und positive Dominoeffekte weit über das jeweilige Unternehmen hinaus bewirken.

Eine letzte Frage ist, ob die Berücksichtigung der Auswirkungen als Ergänzung der finanziellen Bilanzierung fungieren kann. Schließlich sind Auswirkungsmessungen komplex und scheinen auf Annahmen zu beruhen, die sich leicht in Frage stellen lassen. Trotzdem ist es, wie John Maynard Keynes einmal bemerkte: „Besser ungefähr richtig als genau falsch.“ Es ist zudem nicht so, als seien unsere heutigen etablierten Methoden der finanziellen Bilanzierung perfekt. Auch sie stellen Annäherungen an die zugrundeliegenden wirtschaftlichen Realitäten dar. Wir sollten nicht davor zurückschrecken, dieselbe Art solider Schätzungen zu verfolgen, wenn es um die Messung der sozialen und ökologischen Auswirkungen eines Unternehmens geht.

Seit Anfang der Bemühungen zur Messung und Monetisierung dieser Auswirkungen mit einer kleinen Gruppe simpler, von der OECD entwickelter Metriken (basierend auf der Arbeit der Business for Well-Being Initiative) wurden ausgereiftere Systeme entwickelt, die zunehmend weiterentwickelt und ausgeweitet werden. Mit Einführung einer belastbaren Bilanzierung, die ökologische und soziale Aspekte des unmittelbaren Betriebs und der Lieferketten sowie die ökologische und soziale Bewertung von Waren einbezieht, werden die Regierungen in der Lage sein, politische Strategien zu entwickeln, die zu verantwortungsbewusstem Verhalten animieren und die Kosten von negativen Externalitäten wie etwa Treibhausgasemissionen erhöhen.

Es steht viel auf dem Spiel, und Regierungen und Unternehmen müssen zusammenwirken, um die Einbindung ökologischer und sozialer Aspekte in die Bilanzierung allgemein zu etablieren. Eine globale Roadmap könnte zentrale Themen wie Transparenz- und Offenlegungsvorschriften abdecken, die wiederum schnellere Fortschritte hin zu gemeinsamen Metriken und einer einheitlichen Methodologie ermöglichen, welche die Interessen der Unternehmen, Anleger und Regierungen bei der Bewältigung der großen Herausforderungen unserer Zeit zur Deckung bringen könnte. Ein neuer Pionierbereich verantwortlicher Unternehmensführung wartet.

Über die Autoren

Bertrand Badré war Geschäftsführender Direktor der Weltbank und ist CEO und Gründer von Blue like an Orange Sustainable Capital sowie der Verfasser von Can Finance Save the World? Camille Putois ist CEO von Business for Inclusive Growth.

Copyright: Project Syndicate

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