ODDO BHF: Herbstwinde ziehen auf

ODDO BHF AM: Herbstwinde ziehen auf

Nach der raschen Erholung vieler Indizes seit Mitte März 2020 scheinen mit den Herbstwinden auch wieder unruhigere Zeiten aufzuziehen. Der MSCI World Total Return Index ist ein guter Maßstab für die Entwicklung der globalen Aktienmärkte.

29.09.2020 | 08:41 Uhr

Der marktbreite Aktienindex ist vom 23. März 2020 bis zum 2. September 2020 um über 56% gestiegen. Seit dem 2. September 2020 hingegen überwiegen wieder die Sorgen unter den Anlegern. Hierfür gibt es mehrere Gründe:

(1) die hohen Bewertungen an den Aktienmärkten,

(2) die Sorgen um eine zweite Covid-19 Welle im Herbst,

(3) die Brexit-Verhandlungen und

(4) die Unsicherheiten im Zusammenhang mit den US-Wahlen.

Aufgrund der Eintrübung der Nachrichtenlage ist der Index seit dem 2. September 2020 um 7,5% (Stand 23.9.2020) gefallen.

Bewertung: Nach der Rally der vergangenen Wochen sind die globalen Aktienmärkte im historischen Kontext eher teuer bewertet. Das vom Nobelpreisträger Robert Shiller konstruierte „Shiller Kurs-Gewinn- Verhältnis (KGV)“, das die aktuellen Kurse in Beziehung zu den geglätteten Gewinnen der letzten 10 Jahre setzt, deutet darauf hin, dass die globalen Aktienmärkte aus fundamentaler Sicht teuer bewertet sind. Auch der von dem Starinvestor Warren Buffett entwickelte „Buffett-Indikator“, der die Marktkapitalisierung mit dem Bruttoinlandsprodukt vergleicht, verdeutlicht, dass die Aktienmärkte momentan nicht mehr niedrig bewertet sind. Zwar bleiben Aktien aufgrund ihrer hohen Risikoprämien weiterhin unsere bevorzugte Anlageklasse, die hohen Bewertungen mahnen uns jedoch, das Risiko in den Portfolios temporär zu reduzieren.

Covid-19: Unbegründet sind die Covid-19 Ängste nicht, hat der britische Gesundheitsminister Matt Hancock in einem Interview mit BBC doch einen neuen Lockdown nicht mehr ausgeschlossen. Zudem hat Boris Johnson in einer Fernsehansprache schärfere Restriktionen in Aussicht gestellt. In Madrid ist man bereits einen Schritt weiter und hat einige Stadteile isoliert. Mit deutlich über 4.000 Neuinfektionen täglich nehmen die Neuinfektionen in diesen Ländern, ähnlich wie auch in Frankreich, eine neue Dynamik an. Aber auch aus globaler Sicht kann man noch lange nicht durchatmen. Mit täglichen Neuinfektionen von über 85.000 in Indien und 30.000 in Brasilien wütet das Virus auch in anderen Teilen der Welt weiterhin stark. Die USA haben zu Beginn der Woche die traurige Marke von 200.000 Toten überschritten.

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Brexit: Für weitere Unsicherheiten dürfte in den nächsten Wochen vor allem das Aufflammen des Brexit- Deals sorgen. Boris Johnson versucht, den bereits gültigen Brexit-Vertrag mit einem Gesetz auszuhebeln. Die EU sieht darin einen Rechtsbruch und fordert zum Einlenken auf. Spannend wird es in der nächsten Woche, denn dann steht die entscheidende Abstimmung im Unterhaus an, bevor das umstrittene Binnenmarktgesetz an das Oberhaus weitergereicht wird.

US-Wahlkampf: Im US-Wahlkampf wird Donald Trump nicht müde gegen die Briefwahl zu wettern und Verschwörungstheorien zu spinnen. Ein neues Thema für den nächsten großen Schlagabtausch zwischen Demokraten und Republikanern ist auch schon gefunden: Die Nachbesetzung der jüngst verstorbenen Richterin Ruth Bader Ginsburg am Supreme Court. Während sich die Demokraten eine Nachbesetzung des Amtes erst nach den Wahlen wünschen, möchte Donald Trump möglichst zeitnah das wichtige Richteramt mit einer konservativen Richterin nachbesetzen. Sollte ihm dies gelingen, wäre dies die vierte Position, die der amtierende Präsident in seiner Amtszeit für den Supreme Court erfolgreich vorgeschlagen hat. Damit hätte er auch die gesellschaftspolitische Ausrichtung des höchsten Gerichts in den USA entscheidend geprägt, denn von den verbliebenen acht Richtern gelten nur noch drei als liberal, die restlichen fünf als konservativ. Ebenfalls gut zu wissen: Im Falle einer Anzweiflung des Wahlergebnisses könnte das Gericht über den kommenden Präsidenten entscheiden. Spannung verspricht der erste TV-Showdown der Kontrahenten Biden und Trump am kommenden Dienstag, den 29. September 2020. Ein Streit um den Ausgang der Wahlen könnte für Unsicherheiten am Markt unmittelbar nach den Wahlen am 3. November 2020 führen.

Erfolgsfaktoren in unsicheren Zeiten: Qualität und aktive Allokation

Doch welche Kriterien sind in diesen unruhigeren Zeiten für den Anlageerfolg entscheidend? Wir glauben, dass sich eine langfristige Investition in Unternehmen mit hoher Qualität auszahlt. Mit Qualitätsunternehmen meinen wir Firmen, die hohe Kapitalrenditen, klar definierte Wettbewerbsvorteile, strukturell hohe Wachstumsraten und eine angemessene Bewertung aufweisen. Im aktuellen Umfeld achten wir insbesondere auf die Widerstandsfähigkeit gegen konjunkturelle oder externe Schocks. Dabei meiden wir Unternehmen mit hohen Kreditrisiken und geringen Eigenkapitalrenditen. Wir suchen nach Unternehmen mit einem strukturell hohen Gewinnwachstum. Dabei setzen wir auf Unternehmen, die von langfristigen Wachstumstrends profitieren. Die Ausschöpfung langfristiger Wachstumspotentiale mittels aussichtsreicher Trends wie Digitalisierung, Künstlicher Intelligenz, Medizintechnik, neuer Trends im Bereich E-Commerce, bargeldlosem Bezahlen sowie steigender Konsumausgaben in Schwellenländern ist Teil des Erfolgskonzeptes des ODDO BHF TRUST-Teams.

Neben Qualität und der konsequenten Vermeidung von Kreditrisiken ist nach unserer Sicht mehr denn je eine konsequente, aktive Sektor- und Länderallokation für den Anlageerfolg entscheidend. Die Covid-19 Krise hat dazu geführt, dass bestimmte Sektoren besonders stark leiden. Hierzu zählen unter anderem Fluglinien, Hotels, Energiewerte und Banken. Als Qualitätsinvestoren fokussieren wir uns auf Unternehmen, die hohe Kapitalrenditen generieren. Eine Vielzahl von Unternehmen in den oben genannten Sektoren ist langfristig nicht in der Lage, aufgrund struktureller Probleme, ihre Eigenkapitalkosten zu verdienen. Diese Unternehmen vernichten Werte für ihre Aktionäre. Ihre Verschuldung steigt oftmals stark. Wir meiden insbesondere Banken und Energietitel.

Zudem ist auch eine aktive Länderallokation gegenwärtig sinnvoll. Die Krise führt dazu, dass bestimmte EU- Staaten stärker unter dem exogenen Schock leiden als andere EU-Staaten. Die Folgen von Krisen sind gerade in Europa typischerweise asymmetrischer Natur. Wie bereits 2012 leiden auch diesmal wieder die südlicheren Länder der Peripherie, insbesondere Italien und Spanien, stärker unter dem Schock als der stabilere nördliche Kern der Europäischen Union. Eine aktive Länderselektion macht derzeit viel Sinn, da sich die asymmetrischen volkswirtschaftlichen Entwicklungen auch in dieser Krise wieder in der Entwicklung an den Börsen widerspiegeln: Während der DAX seit Jahresbeginn knapp 5% eingebrochen ist, sind die Börsen in den südlichen EU-Mitgliedstaaten krisenbedingt zwischen 20% und 30% gefallen.

Die Börsen erleben derzeit eine Renaissance aktiver Strategien: Die Krise führt zu einer Auslese an den Märkten. Die Spreu trennt sich vom Weizen. Prognosen fallen aktiven Investoren leichter, da sich einzelne Sektoren und Länder krisenbedingt sehr unterschiedlich entwickeln. Dies erhöht die Anlagechancen aktiver Strategien. Der strikte Fokus auf Qualität, die Vermeidung von Kreditrisiken und die aktive Sektoren- und Länderallokation tragen momentan wesentlich zur guten Performance der Investmentlösungen des ODDO BHF TRUST bei.

Den vollständigen Marktausblick finden Sie hier im PDF-Format.


Vergangene Wertentwicklungen, Simulationen oder Prognosen sind kein zuverlässiger Indikator für die Zukunft. Die Rendite kann infolge von Währungsschwankungen steigen oder fallen. Etwaige Meinungsäußerungen geben die aktuelle Einschätzung des Investment Office der ODDO BHF AG wieder, die sich insbesondere von der Hausmeinung innerhalb der ODDO BHF Gruppe unterscheiden und ohne vorherige Ankündigung ändern kann.

Quelle der Grafik: Refinitiv Datastream

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