Ausschlaggebend hierfür war vor allem die scharfe Korrektur
bei Halbleiterwerten. Auf Sektorenebene entwickelten sich Energie-, Finanz- und
Immobilienwerte hingegen positiv. Dagegen gerieten viele Titel aus dem Umfeld
der Künstlichen Intelligenz (KI) deutlich unter Druck.
Mit Blick auf den August bleibt unser Grundton konstruktiv.
Nach den starken Kursrückgängen der vergangenen Wochen erscheint die Korrektur
im Halbleiterbereich eher als Marktbereinigung, denn als struktureller Bruch.
Ende Juli wurden an mehreren Handelstagen historisch hohe Verkaufsvolumina
verzeichnet. Auch Privatanleger verkauften in einem bislang nicht erreichten
Umfang. Gleichzeitig zeigen sich die großen Betreiber von Cloud- und
KI-Infrastruktur fundamental weiterhin robust. So hat ein großer Cloud-Anbieter
erstmals konkret dargelegt, dass Investitionen in KI-Infrastruktur nach drei
Jahren die Gewinnschwelle erreichen. Bei einer Nutzungsdauer von fünf bis sechs
Jahren verbleiben somit zwei bis drei weitere Jahre, in denen die Investitionen
Erträge erwirtschaften können.
Auch Europa zeigt sich derzeit in besserer Verfassung.
Breite europäische Aktienmärkte haben wichtige technische Widerstände
überwunden. Gleichzeitig steigen die Gewinnschätzungen. Energie-, Finanz-,
Versicherungs- und Industriewerte haben die Erwartungen bislang übertroffen.
Erstversicherer profitieren zudem von hohen Zinsen und günstigeren
Rückversicherungskonditionen, während Rückversicherer mit anhaltendem
Preisdruck konfrontiert sind.
Bei den Zinsen bleibt das Umfeld hingegen anspruchsvoll. Die
Renditen zehnjähriger US-Staatsanleihen lagen zuletzt bei rund 4,7 Prozent und
damit wieder näher an der Marke von fünf Prozent. Zugleich spricht der hohe
Kreditbedarf der Staaten gegen einen deutlichen Rückgang der Renditen. Am Markt
sind zwei Zinssenkungen in den USA bis zum Jahresende eingepreist, ob diese
tatsächlich kommen, ist jedoch offen. Für die Konjunktur bleiben die Zinsen
somit ein Hemmschuh.
Insgesamt bleibt das Marktumfeld zwar konstruktiv, es
erfordert jedoch ein selektives Vorgehen und eine konsequente Risikosteuerung.
Das größte kurzfristige Risiko ist eine erneute Stärke des Yen infolge weiterer
Zinserhöhungen in Japan. Dies könnte zu Auflösungen von Carry-Trades im
Technologiesektor führen. Daneben richten wir unseren Blick vor allem auf die
weitere Entwicklung der KI-Investitionen und das Zinsumfeld in den USA.
Chancen, die wir sehen:
- Halbleiter
und KI-Infrastruktur: Die Korrektur der vergangenen Wochen fiel
ungewöhnlich stark aus. So wurden Ende Juli an mehreren Handelstagen
historisch hohe Verkaufsvolumina verzeichnet. Dies spricht eher für eine
Marktbereinigung als für einen strukturellen Bruch des langfristigen KI-Trends.
Gleichzeitig zeigen sich die großen Betreiber von Cloud- und
KI-Infrastruktur fundamental weiterhin robust. Erste konkrete Angaben zur
Rentabilität der hohen KI-Investitionen deuten darauf hin, dass nicht mehr
die grundsätzliche Wirtschaftlichkeit, sondern zunehmend die Höhe der
erzielbaren Renditen im Mittelpunkt steht.
- Speicherchips: Die
koreanischen Speicherchiphersteller standen besonders stark unter Druck.
Ein wesentlicher Treiber ist der zunehmende Wettbewerb aus China.
Gleichzeitig erwarten die Unternehmen, dass sich der Engpass im Jahr 2027
im Vergleich zu 2026 weiter verschärft. Neue Produktionskapazitäten
entstehen langsamer als erwartet. Bei neuen Rechenzentren entfallen
inzwischen 40 bis 50 Prozent der Kosten auf Speicherchips. Zugleich
erreicht die Beschleunigung des Gewinnwachstums in diesem Jahr ihren
Höhepunkt. Für die Bewertung ist diese Entwicklung relevant.
- Anleihen
großer Technologiekonzerne: Die Risikoaufschläge der Anleihen
großer Betreiber von Cloud- und KI-Infrastrukturen sind zuletzt gestiegen.
Dadurch ist ihre laufende Verzinsung gestiegen. Zugleich gelten die großen
Anbieter nicht als insolvenzgefährdet.
- Europa: Die
technische Lage hat sich verbessert. Gleichzeitig steigen die
Gewinnschätzungen. Energie-, Finanz-, Versicherungs- und Industriewerte
haben die Erwartungen bislang übertroffen.
- Erst-
und Rückversicherer: Erstversicherer profitieren weiterhin von
hohen Zinsen und günstigen Rückversicherungskonditionen. Rückversicherer
stehen hingegen weiterhin unter Preisdruck.
- Chinesische
Technologieunternehmen: Chinesische KI-Modelle sind technologisch
und preislich wettbewerbsfähig. Die Kosten vergleichbarer Anwendungen
liegen teilweise deutlich unter denen US-amerikanischer Modelle.
Gleichzeitig befinden sich viele chinesische Technologieunternehmen im
historischen Vergleich auf niedrigen Bewertungsniveaus.
- Gold: Das
technische Sentiment ist auf ein sehr niedriges Niveau gefallen.
Gleichzeitig konnte Gold die Marke von 4.000 US-Dollar halten, obwohl die
Renditen zehnjähriger US-Staatsanleihen von 4,45 auf 4,70 Prozent
gestiegen sind. Die chinesische Zentralbank kauft weiterhin Gold unterhalb
der Marke von 4.000 US-Dollar. Strukturell bleibt die weltweit steigende
Staatsverschuldung ein unterstützender Faktor.
- Saisonalität
und geopolitische Entspannung: Statistisch beginnt ab dem
dritten/vierten Quartal eine günstige Phase des US-Präsidentschaftszyklus.
Eine Entspannung im Nahen Osten oder im Krieg zwischen Russland und der
Ukraine könnte die Märkte zusätzlich stützen.
Risiken, die wir beobachten:
- Yen
und Carry-Trades: Weitere Zinserhöhungen der japanischen
Notenbank könnten den Yen stärken. Die aktuelle Entwicklung erscheint noch
kontrollierbar. Eine Yen-Aufwertung von drei bis fünf Prozent gilt als
verkraftbar, während bei einer Aufwertung von rund zehn Prozent die Risiken
deutlich zunehmen. Eine stärkere Aufwertung könnte zur Auflösung von
Carry-Trades führen und eine erneute Korrektur im Technologiesektor
auslösen.
- Nachlassende
KI-Investitionen: Sollten die großen Betreiber von Cloud- und
KI-Infrastruktur ihre Investitionsbudgets kürzen, könnte die Nachfrage
nach Speicherchips deutlich zurückgehen. Dies würde Halbleiterwerte
belasten.
- Finanzierung
der KI-Investitionen: Wenn die Risikoaufschläge der großen
Technologiekonzerne weiter steigen, könnte der Markt zunehmend an der
Finanzierbarkeit ihrer hohen Investitionen zweifeln. Eine zunehmende
Belastung der freien Cashflows könnte sowohl Aktien als auch Anleihen
dieser Unternehmen unter Druck setzen.
- US-Zinsen: Bis
zum Jahresende sind zwei Zinssenkungen am Markt eingepreist, ihr Eintreten
ist jedoch nicht ausgemacht. Sollte die Inflation hartnäckig bleiben und
die Zinssenkungserwartungen zurückgenommen werden, könnten die Renditen in
den USA weiter steigen. Ein Zinsniveau von mehr als fünf Prozent würde
Anleihen mit längeren Laufzeiten belasten und zugleich den Konsum, den
Immobilienmarkt sowie die Konjunktur dämpfen.
- Wettbewerb
durch chinesische KI-Modelle: Wenn ein Verbot chinesischer
Modelle in den USA ausbleibt, könnte deren Kostenführerschaft den
Margendruck auf US-amerikanische Anbieter erhöhen. Dies könnte die
Erwartungen an den KI-Investitionszyklus dämpfen.
- Geopolitik
und Gold: Ein Friedensabkommen zwischen Russland und der Ukraine
könnte zur Freigabe russischer Devisenreserven führen. Dadurch könnten die
Goldkäufe von Zentralbanken nachlassen und der Goldpreis unter Druck
geraten.
Den ausführlichen Beitrag finden Sie im angehängten PDF.
Rechtliche Hinweise
Marketing-Anzeige – Alle hier veröffentlichten Angaben
dienen ausschließlich Ihrer Information und stellen keine Anlageberatung oder
sonstige Empfehlung dar. Die in diesem Dokument enthaltenen Aussagen geben die
aktuelle Einschätzung der DJE Kapital AG wieder. Diese können sich jederzeit,
ohne vorherige Ankündigung, ändern. Alle getroffenen Angaben sind mit Sorgfalt
entsprechend dem Kenntnisstand zum Zeitpunkt der Erstellung gemacht worden. Für
die Richtigkeit und Vollständigkeit kann jedoch keine Gewähr und keine Haftung
übernommen werden.
Diesen Beitrag teilen: