
Das Strategie-Team von DJE beobachtet und bewertet die Märkte laufend anhand der hauseigenen FMM-Methode nach fundamentalen, monetären und markttechnischen Kriterien.
12.05.2026 | 09:53 Uhr
Unsere Einschätzung zum April hat sich insgesamt bestätigt. Der mögliche Worst Case – Angriffe auf die Infrastruktur des Iran oder eine weitere Eskalation des Krieges – ist ausgeblieben. Das erwartete Erholungspotenzial hat sich realisiert und wurde von einer aufgehellten Stimmung sowie der zuvor vorsichtigen Positionierung vieler Marktteilnehmer getragen. Auch die Investitionsthese rund um KI- und Datacenter-Infrastruktur hat Bestand. Die Hyperscaler weiteten ihre Investitionen erneut aus. Entsprechend entwickelten sich ausgewählte Tech-, KI-, Industrie- und Energieversorgerwerte sehr positiv. Insgesamt zeigten die großen Aktienmärkte im April eine kräftige Erholung. Auf Sektorenebene entwickelten sich weltweit vor allem Technologiewerte sehr gut, während Öl- und Gaswerte sowie Werte aus dem Pharma- und Healthcare-Bereich zurückblieben. In Europa waren daneben auch Banken-, Medien- und Industriewerte gefragt. Mittelfristig bleiben wir konstruktiv eingestellt. Mit Blick auf den aktuellen Monat dürfte die Börsenregel „Sell in May“ nur bei einer erneuten Eskalation im Nahen und Mittleren Osten greifen. Für die USA erwarten wir weiterhin keine Rezession. Die Rezessionswahrscheinlichkeit liegt derzeit bei rund 26 Prozent. Zugleich zeigt sich die US-Industrie robust, getragen von Reshoring, Datencentern und Chipfabriken. Unternehmen mit starker Präsenz im US-Industriebereich berichten von außergewöhnlichem Optimismus. Vor diesem Hintergrund bleiben die USA aus relativer Sicht aussichtsreich.
Auch die Gewinnentwicklung stützt dieses Bild. Die Berichtssaison zum ersten Quartal lieferte vor allem in den USA starke Gewinnzuwächse. Negative Gewinnrevisionen auf Sektorebene sind bislang nicht zu beobachten. Die Margenexpansion und die Profitabilitätssteigerung im breiten US-Aktienmarkt setzen sich fort.
Auch die positive Dynamik rund um KI- und Datacenter-Infrastruktur dürfte anhalten. Für das Jahr 2026 werden die Investitionen der Hyperscaler laut Morgan Stanley auf rund 800 Mrd. US-Dollar geschätzt. Das spricht dafür, dass die Mittel in diesem Bereich weiter fließen dürften.
Gleichzeitig bleibt das Bild einer K-förmigen Wirtschaftsentwicklung bestehen. Das obere Einkommenssegment läuft weiterhin sehr gut. Die Einzelhandelsumsätze zeigen bislang keine Abschwächung des Konsums und auch die Schuldenbelastung der Haushalte liegt noch unter dem Niveau vor der Corona-Krise.
Europa zeigt sich dagegen konjunkturell weiterhin schwach. Hinzu kommt ein konkretes saisonales Risiko: die hohe Abhängigkeit des Flugverkehrs von Kerosin aus dem Nahen Osten könnte während der Ferienzeit im Sommer zu Engpässen führen.
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