
Die Autoren: Das Strategie-Team von DJE beobachtet und bewertet die Märkte laufend nach fundamentalen, monetären und markttechnischen Kriterien.
23.09.2026 | 10:06 Uhr
Insgesamt war der August 2026 an den Aktienmärkten ein guter Monat. Weltweit entwickelten sich Rohstoff-, Technologie- und Energiewerte besonders stark. Versorger-, Immobilien- und Basiskonsumgüterwerte blieben dagegen zurück.
Mit Blick auf den September bleibt unsere Grundtendenz konstruktiv, zugleich nehmen die Risiken jedoch zu. Die jüngste Zinserhöhung der US-Notenbank wurde an den Märkten weitgehend als „Non-Event“ aufgenommen. Die Aktienmärkte reagierten freundlich, während die Renditen leicht zurückgingen. Auch markttechnisch hat sich das Sentiment deutlich eingetrübt: Der Anteil pessimistischer Marktteilnehmer hat sich innerhalb einer Woche im Verhältnis zu den Optimisten nahezu verdoppelt. Aus konträrer Sicht ist dies ein unterstützender Faktor.
Das aktuelle Umfeld weist Parallelen zu früheren Phasen mit hohen Zinsen, hohen Energiepreisen und ersten Belastungen am Immobilienmarkt auf. Anders als 2007 sind die Bankbilanzen heute jedoch deutlich robuster. Ein wichtiger Grund für die bisherige Widerstandsfähigkeit der Aktienmärkte ist die Gewinnentwicklung: Bei vielen großen Unternehmen steigen die Gewinne weiterhin deutlich. Der Kursanstieg wird damit überwiegend durch Gewinnwachstum und weniger durch höhere Bewertungsmultiplikatoren getragen. Auch für die kommenden sechs Monate erwarten wir eine weiterhin solide Gewinnentwicklung. Auf Sicht von zwölf Monaten könnte sich das Umfeld jedoch verschlechtern, wenn die hohen Zinsen zunehmend auf Unternehmensgewinne und die Konjunktur durchschlagen.
Im Bereich der Künstlichen Intelligenz richtet sich der Blick zunehmend auf die Rahmenbedingungen der weiteren Entwicklung. Die Diskussion über stärkere Sicherheitsvorkehrungen könnte neue Produkteinführungen verlangsamen. Nach derzeitiger Einschätzung spricht dies jedoch nicht für einen Rückgang beim Ausbau der Rechenkapazitäten. Kürzungen der Investitionsbudgets werden aktuell nicht erwartet.
• Japan: Anhaltende Zuflüsse aus dem Ausland und zunehmend auch von japanischen Privatanlegern treffen auf eine gute Gewinnentwicklung der Unternehmen. Gleichzeitig steigt die Bereitschaft, Kapital an die Aktionäre zurückzuführen, unter anderem über höhere Aktienrückkäufe. Auch das Kreditwachstum der Banken bleibt solide, während die Währungsentwicklung zuletzt weniger Gegenwind bot.
• Energie und Öl: Angebotsengpässe bleiben ein unterstützender Faktor. Dazu zählen Ausfälle russischer Raffineriekapazitäten, Sanktionen sowie Risiken an Pipelines und Terminals. Gleichzeitig zeigt sich die Nachfrage robust.
• Halbleiter und KI-Infrastruktur: Der Halbleitersektor liegt deutlich unter seinen Höchstständen. Angesichts der weiterhin guten Gewinnentwicklung sehen wir mit Blick auf das vierte Quartal eher Chancen als zusätzliche Risiken. Die Diskussion über strengere Sicherheitsvorgaben für KI dürfte nach aktueller Einschätzung den Ausbau der Rechenkapazitäten nicht grundsätzlich bremsen.
• Versorger: Der steigende Strombedarf durch Rechenzentren und KI-Anwendungen trifft auf begrenzte Kapazitäten. Dies bleibt ein strukturelles Thema für den Versorgersektor.
• Agrarrohstoffe und Düngemittel: Angebotsstörungen bei Agrarrohstoffen sowie hohe Gaspreise könnten die Preise stützen. Im Düngemittelsektor gilt dies vor allem für stickstoffbasierte Produkte.
• Rohstoffwährungen: Australischer Dollar, norwegische Krone und mexikanischer Peso befinden sich gegenüber dem Euro weiterhin im Aufwärtstrend.
• US-Verschuldung und Zinslast: Bei einem Zinsniveau von rund fünf Prozent machen die Zinszahlungen bereits einen hohen Anteil des US-Haushalts aus. Steigt das Zinsniveau weiter, nimmt diese Belastung zu. Eine Vertrauenskrise am Anleihemarkt bleibt zwar ein Szenario mit geringer Wahrscheinlichkeit, wäre bei einem Rückzug ausländischer Käufer jedoch nicht auszuschließen.
• Immobilienmarkt: In den USA steigt der Bestand unverkaufter Häuser. Auch bei deutschen Gewerbeimmobilien bleibt die Lage angespannt. Bislang sind bei Banken noch keine entsprechenden Kreditausfälle sichtbar, mittelfristig könnte sich das jedoch ändern.
• Saisonalität und Liquidität: Eine schwächere Marktphase im Herbst ist nicht auszuschließen. Die zweite Septemberhälfte zählt saisonal zu den schwächsten Phasen des Jahres. Zusätzlich könnte ein größerer Börsengang dem Markt vorübergehend Liquidität entziehen.
• Konjunktur 2027: Hohe Realzinsen belasten Konsum und Unternehmen zunehmend. Damit steigt das Risiko, dass sich die konjunkturelle Entwicklung im kommenden Jahr abschwächt.
• Finanzierung des KI-Ausbaus: Das hohe Emissionsvolumen von Anleihen im KI-Umfeld und gestiegene Kreditausfallprämien großer Technologie- und Cloud-Unternehmen deuten auf steigende Kreditrisiken hin. Sollten einzelne große KI-Anbieter Schwierigkeiten bei der Finanzierung bekommen, könnte dies eine breitere Marktkorrektur auslösen.
• Gasversorgung im Winter: Die europäischen Gasspeicher weisen teilweise niedrige Füllstände auf. Ein kalter Winter könnte daher das Risiko regionaler Engpässe erhöhen.
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