
Krieg im Iran, Ölpreisschock und neue Inflationssorgen: Die Risiken an den Anleihemärkten haben sich im ersten Halbjahr 2026 deutlich verschoben – die höhere Volatilität bietet für Anleger aber auch neue Chancen.
20.07.2026 | 12:05 Uhr
Für Anleger kann es sich durchaus auszahlen, auf eine robuste Anleihenbasis setzen, meint Scott DiMaggio, CFA, Head Fixed Income bei AllianceBernstein. Warum es dabei insbesondere auf Qualität und eine ausgewogene Mischung aus Zins- und Bonitätsrisiken ankommt, erklärt der Finanzmarktexperte in seinem Halbjahresausblick.
Die höheren Energiepreise infolge des Kriegs im Iran treffen einen Anleihemarkt, der die Inflationsrisiken der vergangenen Jahre noch nicht vollständig verarbeitet hat. Die Folge sind höhere langfristige Renditen und steilere Zinskurven. Anleger verlangen mehr Kompensation dafür, Duration zu halten – auch weil hohe Staatsdefizite und steigende Emissionen das lange Ende der Kurve zusätzlich belasten. Zugleich haben massive Investitionen in KI-Infrastruktur die Erwartungen an das langfristige Wachstum und den neutralen Zinssatz in den USA erhöht. Ob diese Erwartungen erfüllt werden, ist offen. Klar ist jedoch: Die Kombination aus geopolitischen Risiken, Inflation, Fiskaldruck und strukturellen Wachstumserwartungen macht das Marktumfeld anspruchsvoller.
Mehr Streuung schafft Chancen
Dabei wirkt die Unsicherheit nicht überall gleich: Öl-exportierende Länder
sind anders positioniert als Energieimporteure. Unternehmen mit Zugang zu
günstiger erneuerbarer Energie haben andere Perspektiven als solche, die stark
von fossilen Energiekosten abhängen. Und Emittenten, die vom KI-getriebenen
Investitionsboom profitieren, unterscheiden sich zunehmend von jenen, die
zurückfallen. Für Anleger erhöht diese Streuung die Bedeutung aktiver Auswahl.
Pauschale Marktpositionierungen reichen nicht mehr aus; gefragt sind flexible
Strategien, die Duration, Bonitätsrisiken, Regionen und Sektoren gezielt
steuern. Mit sechs Ansätzen können Anleihe-Investoren ein robustes Portfolio
schaffen, mit dem sie durch das zweite Halbjahr 2026 und darüber hinaus
navigieren können:
Volatilität erfordert Disziplin
Das zweite Halbjahr dürfte für Anleiheinvestoren anspruchsvoll bleiben.
Geopolitische Risiken, Inflationsunsicherheit, hohe Staatsverschuldung und
strukturelle Wachstumserwartungen sorgen für ein komplexes Umfeld. Doch genau
darin liegen Chancen. Für Anleger kann es sich durchaus auszahlen, auf eine
robuste Anleihenbasis setzen: diversifizierte Duration, ausgewogene Zins- und
Bonitätsrisiken, Fokus auf Qualität, ausreichende Liquidität und die
Flexibilität, Marktverwerfungen aktiv zu nutzen. Wer diszipliniert bleibt, kann
Volatilität nicht nur überstehen, sondern produktiv für das Portfolio
einsetzen.
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